Sydney – zum zweiten Mal

20 01 2011

Zurück in Sydney – 8 Monate später, 21.000 Kilometer Fahrt mit Luzie, tolle Eindrücke, wundervolle Erlebnisse und neue Freunde kreuzten unseren Weg.

Wir sind also am 07. Januar 2011 wieder zurück in der Stadt, in der alles begonnen hat. Zumindest unsere Australienreise. Es war ein komisches Gefühl wieder in die Stadt reinzufahren. Alles kam einem so vertraut vor, als ob man garnicht weg gewesen wäre und in der Zwischenzeit doch das ganze Land kennen gelernt hat.

Unser Weg führte uns direkt nach Bondi Beach, wo wir uns mit Willi trafen. Erinnert ihr euch, unser Gastvater in den ersten Wochen in Australien. Wir wussten, dass er leider keinen Platz mehr in seinem Apartment hat, aber wollten uns mit ihm auf einen Café treffen. Und unser Wiedersehen verlief ebenfalls so als ob wir niemals fort gegangen wären. Also plauschten wir über unsere vergangen Monate – unsere Reise und Erlebnisse. Da wir nun aber nach einem Platz zum bleiben suchen mussten, ging es nun auf die Suche nach einem Hostel oder Couchsurfer – und das Glück war mal wieder mit den Dummen Dank Martina konnten wir bei ihrer alten Couchsurfing WG wohnen. Fünf – sechs Leute, zwei Franzosen, eine Australierin, eine gebürtige Russin seit ihrer Kindheit aber in Australien, zwei Engländer – wir kamen uns vor wie bei dem Film „L’Auberge espagnole“. Und wir fühlten uns sofort wohl. Auch wenn wir im Wohnzimmer wohnten und das frühes ins Bett gehen sehr erschwerte, haben wir uns sehr willkommen gefühlt. Man sitzt zusammen am Abend, quatscht, trinkt ein Bierchen und tauscht sich über alles mögliche aus. Die WG lebt in einem alten town house in dem Stadtteil Darlinghurst, etwa 5 Minuten weg von der Innenstadt, der Hyde Park direkt vor der Tür und dennoch sehr ruhig gelegen in einer kleinen Nebenstraße. Hier konnten wir also für eine Woche bleiben – hervorragend, denn wir wollten unter keinen Umständen in ein Hostel.

Samstag ging es auf zur Victoria Street in Kings Cross. Dort stehen alle Backpacker, die ihr Auto verkaufen wollen an andere Backpacker. Eine einfache Straße, aber es ist unter Backpackern bekannt, dass man dort abgewrackte Autos erstehen kann. Zuvor machten wir noch Werbung für Luzie auf Internetseiten wie gumtree.com.au und hängten ein paar Flyer in Hostels und Internetcafés aus. Gegen Mittag ging es also zur Victoria Street. Schon bei unserer Recherche im Internet stellten wir fest, dass die Preise ziemlich im Keller sind. Obwohl Dezember und Januar angeblich die besten Monate sind, um Backpackerautos zu verkaufen, weil dort die meisten ankommen, sah es schlecht aus. Nachdem wir uns mit ein paar Leidensgenossen an der Victoria Street unterhalten haben, war uns schnell klar, dass wir mit dem Preis, ursprünglich 6000 $, runtergehen müssen, wenn wir Luzie schnell loswerden wollten. Es sind wohl weniger Backpacker in Sydney als üblich – vielleicht weniger Visa zugelassen, ein Grund sicherlich die Flut in Queensland und wer weiß was noch! Wir wollten mindestens 4000 $ für Luzie haben und das schnell, denn wir hatten keine Lust, wie andere, uns 2 Wochen an diese Straße stellen zu müssen. Luzie hat einen tollen Job gemacht – sie hat uns über 21.000 km gefahren ohne weitere Probleme. Von der Schaltbox mal abgesehen, wo sich ja nun im Nachhinein rausgestellt hat, dass uns ein Mechaniker nur über den Tisch ziehen wollte und die rote Lampe wohl eher ein Wackelkontakt war als andere. Wir waren also rundum zufrieden mit ihr und jeder Cent, den wir in sie investiert haben, was nach dem Kauf außer für Ölwechsel ja nichts weiteres war, war es wert. Also waren wir mit einem Preis von 4000 $ durchaus zufrieden – was bei dem derzeitigen Wechselkurs von AU Dollar zu Euro gar kein großer Verlust wäre. Außerdem war uns klar, dass der zukünftige Eigentümer definitiv etwas in das Auto investieren müsste. Die Stoßdämpfer waren nicht mehr die besten, ein bisschen Rost und dergleichen – also waren 4000 $ nur fair. Nach einem total frustrierten Tag an der Victoria Street, weil wir einfach viel zu weit hinten standen, wollten wir für diesen Tag schon fast aufgeben, aber ich über riet Carla uns noch für eine halbe Stunde weiter nach oben an die Straße zu stellen. Und siehe da, nach 5 Minuten hatten wir schon den ersten wirklichen Interessenten. Zwei Holländer, die nach einer Gedenkpause wiederkehren wollten. Da man sich da ja nie sicher sein konnte, waren wir natürlich weiter vor Ort. Und schon kam der nächste Interessent – ein französisches Paar. Und die wollten nach mechanischem Check, Testfahrt und dergleichen unsere liebste Luzie wirklich erstehen. Doch der Holländer kam zurück und wollte es nun ebenfalls haben. Da standen wir nun und wussten nicht was wir tun sollten. Den ganzen Tag hatten wir zwei Leute, die geringes Interesse zeigten und nun zwei, die es wirklich haben wollten. Wer sollte es nun bekommen? Die Münze sollte nicht entscheiden. Wir sollten es. Doch zuvor begann noch eine kleine Auktion, die wir aber beendeten und uns schließlich für die Holländer entschieden, denn sie waren nun mal die ersten am Platz. Die Franzosen waren natürlich nicht sehr begeistert. Also ging unsere Luzie am ersten Tag für 4.250 $ an zwei Holländer über den Ladentisch. Da sie allerdings nicht so viel cash hatten, beschlossen wir es über eine Überweisung direkt auf unser deutsches Konto zu machen. Deshalb behielten wir Luzie noch bis wir das Geld auf unserem Konto hatten.

Das musste natürlich erst einmal gefeiert werden und so hatten wir eine feuchtfröhliche Nacht mit unseren Hosts, der Couchsurfer WG. Und am Sonntag beschlossen wir eine letzten Ausflug mit unserer Liebsten zu unternehmen. Es ging mit Polly und Jeremy in die Blue Mountains – da wollten wir sowieso noch hin und da Polly, unser russisches Duracell Häschen, eine erfahrene Blue Mountains Erkunderin war, führte sie uns ein in ihre Welt. Als wir in die Berge fuhren, war allerdings nichts von Bergen zu sehen. Es war neblig und es regnete. Aber das machte uns nichts aus. Wir starteten also mit Regenjacke, Lunch und genügend Wasser im Rucksack, und ein wenig Kopfschmerz von der Nacht zuvor. Polly erzählte uns wir würden einen wunderschönen Lauf durch die Berge haben- bergauf, bergab, Treppen, Wasserfälle – etwa 3-4 Stunden. Und sie hatte Recht, es war wunderschön. Das Wetter klärte langsam auf und wir konnten die Berge sehen. Die Landschaft ist atemberaubend und die Berge sehen durch die Eukalyptusbäume und deren absorbierenden Öle wirklich blau aus. Nach der ersten Stunde Marsch kamen wir bei den Wentworth Falls an, die wir kreuzten und dann nach vielen, vielen, vielen Treppen von unten bestaunen konnten. Doch es sollte ja weitergehen. Was die anderen nicht mitkriegten, mir aber bewusst war, war, dass Polly heimlich einen längeren Weg nahm – denn der war viel schöner als der andere, wie sie uns später mitteilte. Nun ging es hinunter ins Tal – über Treppen, Leitern, an Schnüren und steile Berge herab. Sie nannte es den interaktiven Teil – und es hat tatsächlich Spaß gemacht und die Landschaft war nach wie vor wundervoll. Unser Lunch nahmen wir am Fuße eines weiteren Wasserfalls ein und dann ging es weiter. Die Sonne kam raus und nun ging es bergauf – und bergauf, bergauf, bergauf. Über Treppen, Steine, durch Bäche und so weiter. Zu dieser Tortur kamen Blutegel – überall! Stehen bleiben war also nicht möglich, aber ab und zu checkten wir uns und fanden immer wieder einen. Manche versuchten es durch die Socken oder die Hose, manch andere hatten es bereits geschafft unser Blut zu saugen. Widerlich! Aber immerhin spürte man es nicht, es blutete nur wie Hölle danach. Und weiter ging es bergauf und unsere Motivation ließ so langsam nach. Unsere Kondition war eben nicht die Beste. Dennoch versuchten wir uns weiterhin an der Landschaft zu erfreuen, doch nachdem wir über eine Stunde bergauf gelaufen sind, zahlreiche Treppen erklommen haben und so weiter, fiel es immer schwerer. Doch dann ,nach 5 Stunden Marsch, kamen wir wieder bei unserem Auto an. Und fühlten uns trotz der Anstrengung so gut. So zufrieden. Herrlich!

Nun ging es also wieder zurück in die große Stadt. Nun konnten wir also ganz Touristen sein – all die Dinge sehen, die zuvor in den sechs Wochen am Anfang nicht gesehen haben. Und am Montag kamen zwei Freunde von uns aus Derby an – Steve, bei dem wir auch in Perth übernachtet haben, und Ross. Und mit ihnen haben wir eine wundervolle Woche verbracht. Wir haben das ganze Touristenprogramm gemacht und ich war der Tourguide. Warum auch immer ich dazu auserkoren war, aber es passte. Ich kannte die Wege, wir wussten was sehen wollten und wohin es ging. Wir gingen ins Aquarium und staunten über die Unterwasserwelt, die wir ja nun live am Great Barrier Reef und dem Ningaloo Reef schon erlebt haben. Lernten dort viel über die Haie Australiens und all den bunten Fischen und anderen Wunder. Wir gingen auf den Sydney Tower und guckten über die beleuchtete Stadt. Wir erkundeten das Nachtleben Sydneys, fuhren mit der Fähre nach Balmain, einem meiner Lieblingsstadtteile, gingen in den Luna Park und guckten uns die Achterbahnen an. Fuhren mit der Fähre nach Manly, gingen dort an den Strand und in die Oceanworld, um dort Meerjungfrauen zu bestaunen und wiederum Haie. Hielten nach Pinguinen Ausschau, konnten aber diesmal leider keine sehen. Am Donnerstagabend kam Mark an – unser Reisegefährte für den Süden, mit dem wir uns zu meinem Geburtstag in Esperance getroffen haben – und am Freitag zogen wir zusammen in ein Hostel in Kings Cross. Ein furchtbarer Ort, aber der günstigste. Nun leben wir also in unserer letzten Woche in Australien in diesem Hostel, in einem 6er Schlafraum – davon sind wir drei. Das ist also in Ordnung. Weiter ging dann also für ein paar Tage die Erkundung Sydneys zu fünft. Wir gingen ins Wildlife World und guckten uns all die Tiere an, die wir ebenfalls in der freien Wildbahn gesehen oder leider verpasst haben. Wir erkundeten Märkte, Chinatown, Darling Harbour und alles Mögliche, was die Stadt zu bieten hat. Es war eine tolle Woche und wir haben Sydney in vollen Zügen genossen. Da in Sydney gerade das Sydney Festival stattfindet, das heißt viele Konzerte, viel Kunst und Ausstellungen, viel Theater und Oper und so weiter – vieles für viel Geld, aber manches auch for free. So kam es, dass wir am Samstag bei einem freien Konzert von „Los Lobos“ gelandet sind. Open air. Im Park. Mit Picknick und mexikanischer Musik. Das ist Australien. Der Park war voll mit Menschen auf Picknickdecken. Kurz bevor sie ihren Hit „La Bamba“ spielten, war der ganze Park am tanzen. Eine tolle Atmosphäre und wir waren mittendrin. Ein tolles Erlebnis in unserer letzten Woche – nächsten Samstag findet es wieder statt, nur mit anderen Künstlern. Wir werden wieder da sein – unser letzter Abend in Sydney und wir werden im Park sitzen und uns eine Philharmonie von Shakespeare anhören. Musik von Romeo & Julia und Mittsommernachtstraum.

Am Montag verließen uns Ross und Steve wieder. Mark ist dafür immer noch da und wir haben eine neue Freundin gefunden. Unsere Zimmergenossin Floor aus Holland begleitet uns nun in der letzten Woche. Und weiter ging die Erkundung Sydneys. Bondi Beach, Kinoabend, ein Ausflug zu einem Zwergenkampf – nicht sehr empfehlenswert, beschämend, dennoch unterhaltsam. Cogee Beach zum Tauchen für Mark und Floor und perfekten Strandtag für uns, eine Fotoausstellung, ebenfalls teil des Sydney Festivals, in der Universität von Sydney und so weiter. Und das Hostelleben ist auch nicht so schlimm, auch wenn wir die australischen Hostels generell nicht mögen. Wir sind hier wohl mit Abstand die ältesten, spielen keine Trinkspiele, und integrieren uns nicht wirklich, aber haben trotzdem eine tolle Zeit. Und eigentlich nutzen wir es ja eh nur zum Schlafen, weil wir den ganzen Tag über unterwegs sind.

Nun ist es Donnerstagabend. Wir haben noch 2,5 Tage in Sydney und dann geht es auf nach Hawaii. Dort treffen wir Sophie und Lisa, unsere Cousinen, und wir freuen uns schon sehr darauf. Dennoch wird es auch komisch sein Australien zu verlassen. Auch wenn es um Anfang nicht wirklich gut gefallen hat, so hatten wir eine tolle Zeit, haben tolle Sachen gesehen und tolle Menschen kennen gelernt. Und am Ende würde ich sogar behaupten es sind die Menschen, die wir getroffen haben, die jeden Ort besonders machen. Wir waren in Mareeba und Derby, nicht grad die schönsten Städte Australiens, und haben dort dank unserer neuen Freunde eine tolle Zeit gehabt. Unser Favorit in Sachen australischer Städte ist wohl Melbourne, dicht gefolgt von Perth, wegen den schönen Stränden, und Sydney. Unser Lieblingsstaat: Victoria – the place to be! Australisches Lieblingsbier, schwer zu finden, weil alle recht schlecht: „Pure Blonde“, passt ja auch zu uns. Einen Lieblingsstrand auszuwählen ist schwer und ich möchte damit erst garnicht anfangen, denn wenn Australien eines zu bieten hat, dann sind es wundervolle Strände. Meine derzeitige australische Lieblingsband: Temper Trap. Australisches Lieblingsessen: sehr schwierig. Känguru schmeckt ganz gut, aber wir sind ja nicht die größten Fleischesser. Barramundi. Ansonsten ist die Küche doch sehr der englischen ähnlich, also nicht wirklich nennenswert. Aber die BBQ’s sind grandios. Die schönste Strecke, die wir gefahren sind, definitiv nicht die tausende von Kilometern im Outback. Die Strecke von Melbourne nach Sydney war sehr schön. 1000 km und nichts zu bemängeln. Durch den Regenwald im Norden Queenslands. Und viele andere Dinge, die vielleicht schon wieder zu sehr in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht vervollständige ich diese Liste irgendwann einmal, dies war nur ein kurzer Einblick.

So verlassen wir also Australien mit einem weinenden und einem lachenden Auge und werden dennoch so schnell nicht wiederkehren. Es gibt noch so viel zu entdecken auf dieser Welt und Australien ist nun erst einmal abgehakt. Nun wartet ein Teil der USA auf uns und ich freue mich darauf auch wenn es bedeutet, dass unsere Reise sich langsam dem Ende zuneigt.



Melbourne

13 01 2011

… wohl endlich mal eine Stadt, in der man sich doch tatsächlich vorstellen könnte in Australien zu leben.

Wir waren ja schon begeistert als wir in Victoria ankamen. Die Great Ocean Road, die Leute, die Kultur. Es scheint anders zu sein als der Rest Australiens.

Nun zu Melbourne. Wir sind am Sonntagmorgen dort angekommen und wie schon erzählt waren wir erst einmal zwei Nächte noch mit Mark auf einem Campingplatz und haben ein bisschen die Stadt erkundet. Dann ist er mit seinen Eltern weitergereist und wir sind für eine Nacht zu einem Couchsurfer gegangen, wo wir nun auf Martina, unsere Freundin von der Basilikum Farm, warteten. Dies war nun unsere erste richtige Couchsurfing Erfahrung, aber uns war schnell klar, dass wir dort nicht länger bleiben können. Lage perfekt, Max, unser Host, super nett, aber das Apartment hatte nicht einmal 20 m². Da wir nun Philip Island als Weihnachtsdestination gestrichen hatten, ließ ich andere Kontakte spielen.

Mein Freund Tom, denn wir zuvor in Newcastle etwa vor 7 Monaten getroffen haben, lebt nun wieder in Melbourne und er hat alle Hebel und Zügel in Bewegung gesetzt, um uns unterzubringen, Denn wir wollten auf keinen Fall zu Weihnachten in ein Hostel. Und da waren wir nun – bei seinem kleinen Bruder Will und seinem Mitbewohner Cullum. Ihr dritter Mitbewohner war gerade ausgezogen und so stand ein Zimmer leer im schönen Stadtteil Elwood. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und haben uns gleich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Doch am ersten Tag hieß es erst einmal: Aufräumen! Denn sonst wäre dies ein sehr dreckiges Weihnachten geworden, ohne sauberes Geschirr und auf dem Boden, denn der Tisch war zugestellt. Also stand eine Grundreinigung an und der Staubsauger vom Nachbarn wurde auch noch ausgeliehen. Als die Jungs abends von der Abend kamen, fühlten sie sich wie in einer neuen Welt.

Nun war Weihnachten. Wir entschlossen uns am Heiligabend, der in Australien nicht gefeiert wird, ein Deutsches Weihnachten zu feiern. Wir machten Schnitzel und Kartoffelsalat und ein köstliches Dessert. Dazu gab es ein bisschen mehr Wein und viel Spaß. Und zum Abschluss ging es zu Live Musik nach St. Kilda. Ein durchaus gelungenes Weihnachten! Am ersten Weihnachtsfeiertag waren wir allein, denn unsere Mitbewohner waren zu ihren Familien ausgeflogen. Dafür brachten sie Australische Weihnachtsköstlichkeiten mit nach Hause.
Den zweiten Weihnachtsfeiertag habe ich mit Tom auf dem Lande bei seiner Familie verbracht. Ein Haus etwa eine Stunde von Melbourne mit einem See davor und sonst nichts außer Kühe und dieses wunderschönen Grundstück. Ich wurde herzlich aufgenommen , besonders von dem eingeheirateten Schweizer Onkel, der sich freute ein bisschen Deutsch zu reden und über die Australier herzuziehen.

Und so verstrichen die Tage in Melbourne. Wir haben uns die Stadt angeschaut, haben unser Zuhause genossen und wollten garnicht mehr weg. Martina hat uns am 29. Dezember verlassen, um nach Sydney für Silvester zu fahren, wo wir anfangs ja noch mitfahren wollten, aber dann doch nicht mehr wollten. Also blieben wir in Melbourne. Gingen ins Moonlight Cinema im Botanischen Garten, tranken Café in kleinen Gassen in herrlichen Cafés, die auch irgendwo in Europa sein könnten, gingen an den Strand, aßen lecker und hatten einfach nur eine tolle Zeit in einer tollen Stadt.

Ich verbrachte viel Zeit mit Tom und an einen Abschied zu denken viel von Tag zu Tag schwerer. Also verbachten wir Silvester und Neujahr in Melbourne. Da wir alle keine große Lust auf große Party hatten, haben wir abends zusammen gegessen. Musik gemacht und gespielt. Denn es ist hinzuzufügen, dass sowohl Will & Cullum als auch Tom sehr musikalisch sind. So waren wir andauernd von Musik umgeben. Klavier. Gitarre. Gesang. Cd’s. Alles! Meistens ein Segen und bewundernswert, manchmal aber auch etwas anstrengend. Kurz vor Mitternacht sind wir an den Strand gegangen, mit Bier und Sekt in der Kühlbox, Musik und Gitarre im Gepäck und viel Spaß. Es war eine milde Nacht und so kam es, dass wir um Mitternacht zum Feuerwerk alle in den Ozean gelaufen sind. Herrlich! Sonst kennen wir Schnee und Ski fahren zum Neujahr, aber nun waren wir am Strand und es war warm. Ein seltsames Gefühl. Außerdem haben wir sonst immer unser eigenes Feuerwerk, aber das ist in Australien nicht erlaubt. Wahrscheinlich würde sonst das ganze Land zu Neujahr in Flammen stehen. So war es nun nach einem komplett anderen Weihnachten auch ein ganz anderes Silvester.

Aber auch nach Silvester wollten wir Melbourne noch nicht verlassen. Die Stadt war einfach toll, wir hatten nette Menschen um uns herum und fühlten uns wohl. Also verschoben wir unsere Abfahrt nach Sydney auf den 06. Januar.

Vorher ging es noch einmal für mich nach Apollo Bay, wo die Familie von Tom ein Ferienhaus hat. Und es war noch immer so schön, wie zwei Wochen zuvor. Dort hatte ich das erste Mal das Vergnügen einen Wetsuite zu tragen. Denn das Wasser war recht kalt, also sind wir, ich mit Tom & Vater, im Entenmarsch ultra schick im Wetsuite zum Strand gewatschelt und haben uns dabei fast zu Tode geschwitzt. Allerdings waren wir im Wasser dann doch froh die Dinger anzuhaben, denn es war freezing! Nach diesem kleinen Ausflug ging es wieder zurück in die große Stadt. Melbourne.

Warum wir Melbourne so mögen? Zunächst einmal liegt es wohl an den tollen Menschen, die wir dort getroffen haben. Tom, sein Bruder, seine Familie, Cullum – wir fühlten uns willkommen und hatten unsere persönlichen Reiseführer. Freunde. Und mehr. Außerdem ist es die wohl europäischste Stadt in Australien im guten Sinne. Wo man sonst nur riesige, ungemütliche Bars in Australien findet, hat Melbourne kleine Bars mit Charakter und Persönlichkeit. Kleine Cafés in kleinen Seitenstraßen und Gassen. Sehr viel Kunst und Livemusik. Melbourne ist sehr grün und auch wenn die Stadtstrände nicht die schönsten sind, ist es ein toller Ort zur Entspannung. Es gibt immer was zu tun in dieser Stadt. Tagsüber und nachts. Die Menschen sind multikulturell und teilweise noch offener, als es Australier sowieso schon sind. Es ist einfach anders! Und auch wenn das Stadtzentrum wie all die andern großen australischen Städte viele Hochhäuser hat, so kommt alles andere nicht zu kurz. Es ist halt einfach anders!

Wir hatten also eine unglaublich tolle Zeit, fast 3 Wochen, in Melbourne und der Abschied viel uns sehr schwer. Am liebsten hätten wir dort unsere letzten Wochen in Australien verbracht. Aber wir mussten nach Sydney, um Luzie dort zu verkaufen, denn dort ist es einfacher.

Also ging es am 06. März, vor einer Woche, von Melbourne nach Sydney. Etwa 1000 Kilometer – wir haben uns aber den längeren, dafür schöneren Weg am Meer ausgesucht. Und haben es nicht bereut. Es war eine der schönsten Langstrecken, die wir in Australien gefahren sind. Wunderschöne Strände! Süße kleine Städte. Berge. Wälder. Unsere letzte Fahrt in Australien hat uns noch einmal gezeigt, dass es eben doch ein schönes Land ist, dass teilweise vielseitig sein kann, und eine Reise wert ist.

Nach einer Nacht auf einer Rest Area in der Wildnis, kamen wir am Freitagnachmittag wieder in Sydney an.

Nach 7 Monaten Abwesenheit und 21.000 Kilometern waren wir nun wieder am Ort, wo alles begann. Sydney! Und es war ein gutes Gefühl, aber auch sehr komisch.



Great Ocean Road

24 12 2010

… oder auch von Adelaide nach Melbourne. Am Ziel – für’s Erste!

Am Donnerstag haben wir uns also auf den Weg gemacht von Adelaide Richtung Victoria.

Es ging an der Limestone Coast in South Australia entlang. Man hätte meinen können, dass dies schon die Great Ocean Road ist. Wunderschöne Strände, Klippen, blaues Meer, Seen und so weiter. Wir nahmen uns Zeit und kamen an diesem Tag noch nicht nach Victoria. Wir verbrachten die Nacht an der Grenze zu Victoria in Mt Gambier. Eine Stadt, die auf einem „toten“ Vulkan erbaut ist. Die Landschaft ist von Bergen geprägt und es gibt noch einen Vulkansee. Blau wie der Himmel. Das Meer. Wahnsinn. Die Nacht haben wir ebenfalls an einer Rest Area an einem erloschenen Vulkan verbracht. Am Fusse. Doch zuvor mussten wir ihn noch erklimmen. Treppe für Treppe. Um dann in einen wahnsinnigen Krater zu blicken und eine wundervolle Aussicht über die Gegend zu haben und das Meer etwa 12 km weiter zu erblicken.

Am nächsten Morgen sollte es dann nach Victoria gehen. Und wir merkten schnell „Wir lieben Victoria“. Es war zwar unheimlich am regnen zu Beginn, aber dann kam die Sonne pünktlich zum Start der Great Ocean Road raus. Und dazu kann ich kaum viel sagen. Die Bilder sprechen für sich. Die Landschaft ist atemberaubend. Die Klippen, die von den Jahrhunderten geprägt sind. Wir machten bei jedem Lookout Halt und blickten auf das Meer. Zum Abend haben wir uns in einem Campingplatz in Port Campbell eingebucht und sind zum Sonnenuntergang zu den 12 Aposteln gefahren. Trotz starkem Wind und Kälte war es etwas ganz besonderes. Ein Ort auf den ich mich schon seit Ankunft in Australien gefreut habe. Und es hat sich gelohnt so lange zu warten. Generell ist die Great Ocean Road einfach nur toll. Die Leute in Victoria sind einfach anders als die anderen Australier. Die Orte sind anders und erinnern ein bisschen an Europa. Der nächste Tag, Samstag, war wundervoll. Wir haben hunderte von Koalas gesehen. Anfangs nur einen oben in den Bäumen mit einem kleinen Baby. Süß! Und dann fuhren wir weiter und sie waren überall. In jedem Baum. Man musste nur nach oben schauen und da waren sie. Unheimlich süße Geschöpfe. Sie sehen so flauschig aus, machen lustige Geräusche und carla war der glücklichste Mensch auf Erden an diesem Tag. Seit Anfang an war es ihr Wunsch Koalas in der Wildnis zu sehen – und da waren sie massenhaft. Der Wahnsinn. Und dazu diese Landschaft. Regenwald und das Meer. Einfach nur wunderbar und endlich mal wieder etwas in Australien was uns beeindrucken konnte.

Dieser Tag wurde mit einer Nacht 50 Kilometer vor Melbourne auf einer Restv Area beendet. Und am Sonntag, 19. Dezmber, sollte es in die große Stadt gehen. Das Wetter spielte noch immer verrückt, aber das ist in dieser Stadt egal. Es ist so toll! Wir lieben es!

Nach den ersten beiden Nächten auf einem Campingplatz, eine Nacht Couchsurfen in einm 20 qm Raum mit 4 Leuten, wohnen wir nun bei dem Bruder von einem Freund. Und fühlen uns pudelwohl.

Aber dazu mehr. Nun sprechen die Bilder für sich!

Vorab schon einmal: Frohe Weihnachten!



Weiter geht die Fahrt

18 12 2010

Von Perth nach Adelaide

 

Nachdem wir also ein paar schöne Tage mit Steve in Perth hatten, hieß es für uns Abschied nehmen. Adieu schönes, kleines Häuschen, adieu lecker Essen (was für uns gekocht wurde), adieu adieu! Er musste wieder zurück nach Derby und wir haben ihn pünktlich zum Sonnenaufgang, um 5 Uhr, zum Flughafen gebracht. Woraufhin wir dann wieder in die Stadt reingefahren sind und uns in den Kings Park gelegt haben. Nun erst einmal noch ins Auto bevor es in den Park an sich ging. Vom Kings Park aus hat man eine tolle Aussicht über die Stadt und wir konnten die ersten Sonnenstrahlen des Tages erhaschen. Dann ging es für mich zum Tattoo stechen! In Perth war es nun also so weit mir meinen lang ersehnten Wunsch nach einem zweiten Tattoo zu erfüllen. Ich wollte es schon lange haben und auch gerne auf unserer Reise und nun ist es da – und wird für immer bleiben und mich an unsere Weltumrundung erinnern.

Nach dieser kleinen Farbschlacht ging es dann nach Fremantle. Sozusagen ein Vorort von Perth oder man könnte es auch einen schönen Vorboten nennen. Eine kleine Stadt, beschaulich, am Wasser gelegen, Fischer, Hafen, und sehr gutes Essen. Dort haben wir uns in einer der Brauereien, die gleichzeitig endlich mal eine tolle Bar war, mit Mira zum Abendessen getroffen. Mira haben wir auf Bali kennen gelernt und nun war es Zeit für ein Wiedersehen. Da saßen wir also im „Little Creatures“ und begaben uns gemeinsam auf eine Zeitreise zurück nach Bali. Ein sehr gelungener Abend. Die Nacht verbachten wir dann bei Mira im Apartment. Perth war also purer Luxus für uns. Wir hatten 3 Nächte ein Dach über den Kopf – und zwar nicht das von unserem Auto.

Am Freitag hieß es dann „Lebewohl Perth“! Unser Weg führte uns nach Margaret River. Eine Stadt, etwa 300 Kilometer südlich von Perth. Aber die Stadt an sich ist nicht so interessant, sondern eher das Gebiet herum. Denn hier wird Wein angebaut. Und zu gutem Wein gehört Käse, Schokolade und viele andere Schweinereien. Und wir waren da, um alles zu probieren und nichts zu kaufen! So fuhren wir von einer Käserei zu einer Chocolaterie, dann zum Nuss & Müesli Mann, dann zum Olivenöl Shop und schließlich zum Fudge. Und dann waren wir voll!!! Und es wurde doch etwas gekauft. Den Wein haben wir ausgelassen, da ich am fahren war und Carla sich so mitten am Tag nicht nach Weinverkostung fühlte. Aber die Gegend ist wirklich sehr schön. Man hat Weinberge, Olivenhaine,  viele Kühe und Schafe und ein paar Kilometer weiter westlich schon das Meer. Nach dieser Schlemmertour ging es an das Cape Leeuwin. Wo sich der Indische Ozean und der Southern Ocean treffen. Da waren wir dann auch erst einmal am südlichsten Punkt angelangt, den wir auf unserer Fahrt an diesem Tag erreichen konnten. Also ging es nun wieder Richtung Osten. Über Land, durch Tal und Berge über Stock und Stein bis wir an unserem erwählten Nachtlager angekommen waren. Diesmal in einem Wald – mit unheimlich großen Bäumen. Riesenbäume! Und so kam es, dass wir am nächsten Morgen in das „Tal der Riesen“ fuhren, unweit von Walpole entfernt, und uns die Bäume mal genauer anschauten. Erst einmal von oben, oder zumindest fast auf Augenhöhe – teils auch höher. Wir haben einen Tree-Top-Walk gemacht. Eine schaukelnde Brücke durch die Bäume. Faszinierend. Am höchsten Punkt der Brücke waren wir auf 40 Metern und  manch Baum war immer noch größer als wir. Wieder festen Boden unter den Füßen ging es zur Erkundung in den Wald. Bäume, die man nicht einmal umgreifen konnte. Nicht einmal zu zweit. Teilweise mit riesigen Hohlräumen in die man hineinklettern konnte. Dies war nun wirklich etwas anderes und etwas, das wir noch nie zuvor gesehen haben.

Danach ging die Fahrt weiter Richtung Denmark, wo wir uns im Nationalpark die Green Pools und Elephant Rocks angeguckt haben. Riesenfelsen im Ozean. Runde Felsen. Beeindruckend!

Die Fahrt ging nun weiter über Albany nach Esperance. Esperance erreichten wir Samstagabend und waren im Paradies. Ein Campingplatz mit Blick auf das Meer und mit netten Leuten. Denn dort wartete Mark auf uns. Mark war unser Koch in Derby, der die gleiche Strecke, die wir in 1,5 Wochen gefahren sind, gerade mal in 4 Tagen gemacht hat, nur um uns dort zu treffen.

Sonntag, der 12. Dezember 2010. Mein 28er Geburtstag. Und er sollte wunderschön werden. Morgens ging es zum Ocean Drive die Küste um Esperance entlang. Wunderschöne weiße Strände, mit kristallblauem Wasser. Kleine Buchten. Lange Strände – alles was das Herz begehrt. Dann noch ein See, der aufgrund von Bakterien eigentlich pink sein sollte, es aber nicht war, da die Bakterien von einer Alge zerstört waren. Aber in den Genuß eines pinken Sees sollten wir später noch unerwartet kommen. Nach der Erkundung von Esperance ging es in den Cape Le Grand Nationalpark etwa 45 Kilometer westlich von der Stadt. Dort sollten wir die weißesten Strände Australien sehen. Kängurus, die sich am Strand sonnen und wunderschöne Landschaften. Und all das traf ein. Ich hatte einen wunderbaren Geburtstagslunch in der Lucky Bay mit Blick auf das blaue Meer. Es war schon merkwürdig meinen Geburtstag das erste Mal in meinem Leben am Meer zu verbringen. Sonst schneit es und es ist bitterkalt. Hier konnte man sich sonnen und über die Natur staunen! So habe ich mir das vorgestellt. So hatten Carla und ich beide unvergessliche Geburtstage in Australien an ganz speziellen Orten. Nach einem tollen Tag im Nationalpark gab es ein prächtiges Abendessen auf dem Campingplatz und den Rest des Geburtstagskuchen. Und dann war mein Tag auch schon wieder vorbei.

Am nächsten Morgen sollte es früh für uns drei losgehen. Es ging wieder ins Outback. 2100 Kilometer bis nach Adelaide – und dazwischen nichts. Ich weiß, ich hatte es Carla versprochen, dass wir NIE wieder ins Outback müssen, aber es führte leider kein Weg daran vorbei. Wir hatten das nicht wirklich auf dem Schirm, dass es im Süden auch noch mal ein Land voll Nichts gibt. Aber diesmal wirklich gar nichts. Nada. Niente. Nothing. Nach 200 Kilometern Richtung Norden, durch eine kleine Stadt, hieß es rechts abbiegen und immer geradeaus ins Nichts. Und es war wirklich geradeaus. An diesem Tag führen wir 90 Meilen (etwa 145 km) auf der geradesten Strecke Australiens. Keine einzige Kurve. Keine Häuser. Nur Büsche und Gras. Sehr ermüdend und ich war heilfroh als dieser Part geschafft war und freute mich auf die erste Kurve, in der ich das Lenkrad endlich mal wieder benutzen konnte. Auf dieser Strecke wäre ein Tempomat und ein Stock zum Lenkrad fixieren ein Traum. Dennoch schafften wir am ersten Tag der langen Reise etwa 850 Kilometer. Vorbei an Roadhäusern und nichts. Man nennt es auch den Nullabor. Eigentlich nur ein Nationalpark, der allerdings wesentlich kleiner ist als die gesamte Strecke. Aber man kann tatsächlich Zertifikate kaufen, dass man diese Strecke geschafft hat. Viele wagen es sogar mit dem Fahrrad, einige davon haben wir passiert, was ich für völlig unsinnig halte, denn wir wollten einfach nur so schnell wie möglich wieder in die Zivilisation. Das wir wirklich im Outback waren, merkten wir auch an den Flugzeuglandebahnen auf dem Highway. Da kommt dann plötzlich ein Schild „Airstrip“, eine Markierung und wenn man Glück hat, oder auch Pech, landet wohl ein Flugzeug der fliegenden Ärzte vor, hinter oder auf dir. Das wäre ja mal ein Erlebnis gewesen – leider nicht geschehen. Die erste Nacht verbrachten wir dann auf einer schönen Rest Area und hatten einen wunderschönen Sonnenuntergang. Im Nichts!

Dienstagmorgen ging es weiter – noch früh am Morgen ging es über die Grenze nach South Australia und plötzlich waren es 2,5 Stunden später. Und immer noch nichts. Da wir von der Strecke so ermüdet waren und die Hitze uns sehr zu schaffen machte, nutzen wir die ersten Anzeichen von Zivilisation und fuhren zu einem geheimen Strand. Diesen Tipp hatten wir die Nacht zuvor von einem Reisenden auf der Rest Area erhalten. Cactus Beach. Und auf dem Weg dorthin über eine Dirt Road sahen wir einen pinken See. Aber sowas von pink. Leider ist es auf den Bildern schlecht zu erkennen, aber es blendete schon fast, weil er so pink war. Beeindruckend und so etwas hat niemand von uns zuvor gesehen. Der See, Salzwasser, war durch eine Straße getrennt und war auf der einen Seite pink und auf der anderen Seit blau. Faszinierend! Und dies wohl aufgrund von Bakterien oder was auch immer, die am Grund sitzen, denn wenn man das Wasser in eine Flasche abfüllte, war es normal. Zauberei! Nach einem Bad für die zwei im Meer, ich musste aussetzen wegen meines heilenden Tattoos, ging die Fahrt erfrischt weiter. Doch auch diese Nacht verbrachten wir in der Einöde. Im Nichts. Doch Mittwoch sollte das Ziel erreicht werden. Adelaide. Nach einem frühen Start und einer sechsstündigen Fahrt kamen wir am Nachmittag in der großen Stadt an. Und sie war nun wirklich groß mit über einer Million Einwohnern. Von einem Extrem ins Andere. Wir checkten mal wieder auf einem Campingplatz ein und gönnten uns eine Dusche. Wir waren unglaublich dreckig von fast drei Tagen Fahrt durch Staub – und Nichts! Adelaide selber haben wir uns, außer einem Shoppingcenter, nicht wirklich angeguckt. Wir haben es einfach genossen, zu wissen, dass man die Stadt gleich da draußen hat. Aber man sollte Adelaide nicht verlassen ohne vorher beim Central Market gewesen zu sein. Also ging es Donnerstagmorgen für uns noch in die Stadt. Zum Schlemmern auf den Markt. Ein Paradies. Ein multikulturelles Angebot an Köstlichkeiten. Uns lief nur beim Hingucken schon das Wasser im Mund zusammen und wir konnten uns nicht entscheiden, was wir zuerst essen wollten. Doch nach etwas stöbern und kosten, war die Entscheidung getroffen und wir hatten ein köstliches Frühstück. Am liebsten hätten wir dort den ganzen Tag verbracht. Frühstück. Ein Snack. Lunch. Ein Snack. Kaffee und Kuchen. Abendessen. Snack – und Mitternachtssnack. Und von vorne! Aber das ging nun leider nicht. Erstens, keine Zeit, die Fahrt sollte noch heute weitergehen – zweitens, es würde das Budget sprengen – und drittens, würden dann wohl die grad neuerstandenen Klamotten nicht mehr passen.

Also ging es nach zwei Stunden im Paradies weiter. Aus der Stadt – aber nicht wieder ins Outback sondern Richtung Victoria. Dort warteten die Great Ocean Road und andere tolle Dinge auf uns. Aber das wird eine andere Geschichte. Vielleicht ist sie schon morgen zu lesen – vielleicht auch nicht!



Von Derby nach Perth

8 12 2010

… die erste Etappe ist geschafft!

 Wir sind am Dienstag vor einer Woche in Derby losgefahren. Früh morgens ging es los erst einmal Richtung Broome. Dort sind wir pünktlich zur Ladenöffnung angekommen und konnten Carla erst einmal wieder mit einem neuen MP3 Player bestücken. Es war gut, wieder eine etwas größere Stadt um sich herum zu haben, obwohl auch Broome nicht gerade eine Weltstadt ist. Dennoch ist sie sehr beschaulich, mit ein paar Läden und Shopping Centern, Bars, Restaurants, und wunderschönen Stränden. Leider gilt auch hier: Schwimmen verboten! Dort gibt es zwar diesmal keine Krokodile, nicht direkt an den Stadtstränden, aber dafür die Stingers. Fiese, kleine Quallen, die einen das Leben kosten können. Also hieß es für uns wieder nur gucken. Und das bei über 35°C. Deshalb haben wir auf einem schönem Camping Platz eingecheckt und haben uns am Pool gegrillt. Gegen Abend haben wir eine Pizza eingesammelt, seit langem mal wieder Take-Away Fraß, und haben uns zum Sonnenuntergang mit unserem kleinen Picknick an den Strand gesetzt. Und wo es noch tagsüber wie ausgestorben war, da im Moment keine Saison oben im Norden ist, war es plötzlich recht gut besucht. Alle waren sie gekommen, um sich den Sonnenuntergang anzuschauen. Denn der ist im Westen ganz besonders. Die Sonne geht über dem Ozean unter und sie scheint zum Greifen nah. Wunderschön! Das hatten wir nun vor uns, auf unserer Reise in den Süden an der Westküste entlang.

Am nächsten Morgen ging es früh für uns los. Broome hatten wir nun gesehen, nun wollten wir zu all den anderen schönen Plätzen. Leider lagen dazwischen etwa 1000 Kilometer langweilige Landschaft, Steppe, Hügel, Steine, eine Heuschreckenplage und einfach nur fahren, fahren, fahren. Und das taten wir dann auch. Mittwoch sind wir über 850 Kilometer weit gekommen. Unser Nachtlager haben wir in Point Samson aufgeschlagen. Ein süßer Küstenort, hinter Port Headland kurz vor Karratha, wo wir am Strand geschlafen haben. Also in Luzie, aber direkt vorm Strand. So konnten wir nachts neben dem Lärm von der bar, das Meer rauschen hören. Da wir auf unserer Reise immer früh ins Bett gehen, sind wir mit dem Sonnenaufgang wach. Gegen 5 Uhr morgens. Dann wird noch ein bisschen geschlummert und gegen halb sieben ging dann die Fahrt los. Donnerstagmorgen. Halb sieben. Ab geht die Post. Nach einem Frühstückstopp in Karratha ging es weiter nach Exmouth. Ans Ningaloo Reef. Am Nachmittag trafen wir in der kleinen Küstenstadt Exmouth an, kauften uns Schnorchel und Maske und lagen uns an den Strand. Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz unterhalb des Leuchtturmes umgeben von Emus. Exmouth liegt auf einer Landzunge, Peninsula. Auf der einen Seit das offene Meer, und auf der anderen Seite der Cape Range Nationalpark mit dem Ningaloo Reef. Zum Reef, Riff, ging es am nächsten Morgen. Der Nationalpark zieht sich etwa 70 Kilometer die Küste runter mit zahllosen Schnorchelspots, kleinen Buchten, Schluchten in den Bergen und unberührter Landschaft. Wir haben am Ende angefangen, am Yardie Creek. Ein Fluss, der in den Bergen entspringt und ins Meer fließt. Atemberaubend schön und wir hatten diesen Ort ganz für uns allein. Danach ging es weiter zum Sandy Beach! Eine Bucht, die wir ganz für uns allein hatten. Mit kristallblauem Wasser, weißen Sand. Und Delfinen. Carla meinte „Da hinten ist irgendwas!“ und rannte los. Da waren sie. Delfine, nah am Strand und nur für uns. Wunderschön! Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Nach diesem Erlebnis mussten wir uns erst einmal ein bisschen beruhigen am Strand und dann ging die Fahrt weiter zur nächsten Bucht. Auf dem Weg dahin machte es „Pock“! Oh nein, ein Känguru. Carla hatte ein kleines Känguru erfasst. Es kam von der Seite angesprungen und hoppelte in unser Auto – wahrscheinlich hat es nicht überlebt. Aber an unserem Auto war nichts zu sehen. Kein Fell. Kein Blut. Kein Schaden. Aber das ist nun auch erledigt. Da fahren wir schon extra nie nachts, weil es dann nur so von Kängurus wimmelt, und trotzdem hüpft uns eins am helllichten Tag ins Auto. Das arme Ding!

Weiter im Text. Die nächste Bucht war zum Schnorcheln. Erst haben wir einen Drift mit der Strömung gemacht und haben uns die Unterwasserwelt angeschaut. Seegurken, bunte Fische, große und kleine Fische, Korallen, Schwämme und so weiter. Mal wieder sehr hübsch anzusehen. Und man musste nicht mal wirklich schwimmen, da einen die Strömung getragen hat. Wir mussten nur rechtzeitig wieder raus, damit einen die Strömung nicht auf das offene Meer hinausträgt. Nach einer Verschnaufspause ging es an eine andere, abgeschottete Bucht zu einem weiteren Schnorchelausflug. Nach weiteren Buchten ging es weiter nach Coral Bay. Ein Ort etwa 150 km von Exmouth entfernt, der ebenfalls an dem Reef liegt. Dort haben wir das Meer beobachtet, auf das türkisblaue Wasser geschaut und einen Café genossen. Die Nacht haben wir auf einer Rest Area mit einem stinkenden Scheissloch in der Nähe verbracht.

Am nächsten Morgen, Samstag 04. Dezember, ging die Fahrt weiter nach Monkey Mia. Wieder mal ein kleiner Ort, eigentlich eher ein Resort, auf einer Landzunge, mit wundervollen Stränden und viel zu sehen. Auf dem Weg dorthin ging es zum Shell Beach. Ein Strand. Weiß. Aber kein Sand, nur Muscheln. Kleine Muscheln! Überall! Und dazu kristallblaues Wasser wieder einmal. Nach einer kleinen Fotosession und entspannenden Minuten ging es nun weiter. Zu einem Kliff, von dem man Haie beobachten konnte und der Strand gleich nebenan war voll von Haien. Tausende Haie direkt am Strand. Denn es ist gerade Brutzeit und die Mütter bringen ihre Kleinen in die sichere Bucht. Also keine gute Idee dort ein Bad zu nehmen im Moment. Aber es beeindruckend zu beobachten, leider war es etwas schwer es auf einem Foto einzufangen, da sie kaum an die Oberfläche kamen. Aber das Bild mit den schwarzen Schatten im Wasser – das sind Haie! Die Fahrt ging weiter nach Denham, die Stadt gleich neben Monkey Mia. Mit prachtvollen Ferienhäusern, kleinen Läden, Café und etwas Leben. Doch wir wollten weiter. In Monkey Mia angekommen, checkten wir in dem Resort auf dem Campingplatz ein und legten uns an den Strand. Noch gab es keine Delfine zu sehen, doch das sollte am nächsten Morgen anders werden. Punkt 7.30 Uhr trafen sie in der Bucht ein. Direkt am Strand. Leider waren wir diesmal nicht allein sondern von Hunderten von Leuten umgeben. Aber das hat dem Moment keinen Abbruch getan. Es war beeindruckend! Man durfte nicht ins Wasser und sie anfassen, aber sie allein zu beobachten, wie sie herumtollten, es war auch kleines Kalb dabei, und darauf warteten einen Fisch abzukriegen, war toll. Danach haben wir ausführlich gefrühstückt und den Moment verarbeitet und dann ging es wieder auf die Straße. Unser Weg führte uns über Kalbarri weiter Richtung Süden. Kalbarri ist ein kleiner Ort direkt an der Küste, umgeben von Nationalpark und beeindruckender Landschaft. Nach diesem kleinen Schlenker führte uns unser Weg zu unserem auserwählten Schlafplatz. Eine Rest Area direkt am Strand – Coronation Beach. Etwa 30 Kilometer nördlich von Geraldton. Dort parkten wir, schauten auf das Meer, wo es leider zum Sonnenuntergang wolkig wurde und hörten zum Einschlafen den Wellen zu und blickten in einen wunderschönen Sternenhimmel.

Pünktlich zum Sonnenaufgang, Nikolaus bescherte uns einen ganz schönen, waren wir mal wieder wach und machten uns startklar. Frühstück gab es in der wirklich schönen Provinzhauptstadt Geraldton. Dann ging es weiter über ein paar Abstecher nach Leeman, Greenhead und Jurien Bay. Wunderschöne, kleine Küstenorte mit wunderschönen Dünenlandschaften, langen weißen Stränden oder Klippen. In Greenhead nahmen wir eine Dusche am Strand und froren doch tatsächlich ein bisschen. Denn an diesem Tag hatten wir seit langem mal wieder Regen. Obwohl man sagen muss, dass sich das Wetter merklich verändert hat im Vergleich zu Derby. Es sind nun nur noch etwa 24-28°C. Es ist sehr windig an der Küste und abends muss man sich auf jeden Fall etwas überziehen und die dicken Schlafsäcke haben wir zum Schlafen auch wieder herausgekramt. Aber so ist es auf jeden Fall schöner als bei 43°C beim Nichtstun zu schwitzen.

Nach all dem Meer ging es zu den Pinnacles. Ein Wunder der Natur etwa 250 km nördlich von Perth. Eigentlich wollten wir dort zum Sonnenuntergang hin, denn da soll besonders schön sein, aber da es sowieso regnete, machte es keinen Unterschied. Die Pinnacles. Oder auch Pimmelacles. Kalksteinsäulen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nambung-Nationalpark)

Diese „Wüste“ erstreckt sich über ein ganzes Tal und ist wirklich beeindruckend. Woher kommen sie? Wie kann sowas sein? Man hat noch eben den Ozean gesehen, halbwegs grüne Landschaft und nun das? Wir sind dort herumgewandert, haben uns alles genau angeguckt und konnten dann nicht widerstehen auch noch mit Luzie einmal durchzufahren. Man kommt sich dort ziemlich verloren vor. Kaum Menschen und nur Gesteine um einen herum. Faszinierend.  Nach etwa 2 Stunden in dieser seltsamen Landschaft ging es wieder auf die Straße und wir kamen Perth immer näher, doch heute wollten wir noch nicht reinfahren. Denn wir konnten ab Dienstag bei einem Freund, Steve, von uns wohnen, den wir in Derby kennen gelernt haben und es war eh kurz vor Sonnenuntergang. Also verbrachten wir noch eine Nacht auf einer tollen Rest Area etwa 85 km vor Perth. Hatten dort nette Gesellschaft und gingen mal wieder früh ins Bett.

Dienstagmorgen. Auf in die große Stadt. Nach dem ernüchternden Darwin, über 5 Wochen in dem Kaff Derby und der langen Fahrt, waren wir endlich wieder in einer richtigen Stadt. Einer Großstadt. Mit Millionen von Menschen, großen Häusern, Shoppingcentern – allem was man eben so braucht. Und da Steve noch nicht eingetroffen war, haben wir uns auch gleich auf den Weg zu einem Shoppingcenter gemacht. Und dort verweilten wir fast 6 Stunden!!! Wir haben eingekauft, wie die Bekloppten. Aber es fühlte sich so gut an nach 9 Monaten sich mal wieder etwas Gutes zu tun und sich neue Anziehsachen zuzulegen. Wir hatten es verdient! Und es war ein Outlet Center, also haben wir das Beste rausgeholt. Als wir wieder auf dem Parkplatz ankamen, habe ich noch scherzhaft zu Carla gesagt „Jetzt darf nur nichts mehr mit Luzie passieren, denn wir haben grad zu viel Geld ausgegeben“! Und schwupps, ging die Zentralverriegelung nicht mehr. Komisch. Und der Motor sprang nicht mehr an. Carla hatte das Licht angelassen. Also musste sie herumrennen und nach jemanden suchen, der uns Starthilfe geben konnte. Sie war auch erfolgreich und nach mehreren Versuchen konnten wir sie auch wieder starten. Glück gehabt.

Nun haben wir also fast alles mit Luzie miterlebt. Batterie leer. Ja! Känguru überfahren! Und Glück gehabt. Ja! Schlüssel im Auto eingesperrt und ins eigene Auto eingebrochen. Ja! (Eine Geschichte die auf der Farm passiert ist). Nun kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen, denn sie fährt uns. Selbst das Problem mit der Schaltbox haben wir mit einem kleinen Trick behoben. Bis jetzt hat sich das Auto also nun wirklich bewährt. Wenn man da all die anderen Backpacker Geschichten mit ihren Autos hört, die sonst was reparieren mussten. Nein! Wir haben einfach Glück. Und sie wird uns auch noch bis nach Sydney zurückfahren.

Nach diesem kleinen Zwischenfall mussten wir wenigstens ein bisschen bis zu Steve fahren, gut für die Batterie. Dort angekommen, war es wie im Paradies. Er wohnt in einem süßen Vorort in einem kleinen Haus. Und er hatte schon Abendessen für uns gekocht. Er ist Koch muss man dazu sagen. Wir wurden also vollends verwöhnt und es war schön nette Gesellschaft zu haben und ein Dach über dem Kopf mit einem Bad gleich neben dem Bett, ohne dass man ins Freie treten musste. Wir würden gern noch länger hier bleiben, aber wir haben ja nun noch eine weite Strecke vor uns. Etwa 3500 Kilometer bis nach Melbourne in weniger als 2 Wochen.

Wir bleiben noch bis Freitag in Perth, gucken uns alles in Ruhe an und dann geht die Fahrt weiter. Zu meinem Geburtstag sind wir dann wahrscheinlich in Esperance am Strand. Es ist so merkwürdig, dass wir hier bald Weihnachten haben. Es ist alles weihnachtlich geschmückt, aber es passt einfach nicht. Es ist warm, die Sonne scheint, man geht an den Strand. Und es hängen Weihnachtsmänner und winterliche Dekoration überall herum. Ich bin gespannt wie Weihnachten für uns wird. Wie es aussieht werden wir bei Philip Island sein, etwa 150 Kilometer südöstlich von Melbourne und dort bei Freunden wohnen. Und Martina, einen Freundin, die wir auf der Farm kennen gelernt haben, werden wir ebenfalls zu Weihnachten treffen. Man darf also gespannt sein, wie in Australien Weihnachten gefeiert wird.

Ihr hört wieder von uns – auf dem Weg oder wenn wir in Melbourne angekommen sind. Aber, uns geht es nach wie vor richtig gut. Die Glücksgefühle sind hoch und jeder Tag ist ein Erlebnis.



Derby

1 12 2010

Oder auch Boganvill – oder liebevoll Derby Town. Es gibt viele Wörter, die diese Einöde hier beschreiben könnten, aber wirklich positiv wären sie wohl alle nicht.

Es liegt am Meer. Allerdings ist es das Meer hier eine braune Pampe und wegen Krokodilen sowieso nicht zum Schwimmen geeignet.

Die Sonne scheint ohne Unterbrechung. Dadurch ist es unerträglich heiß. Wir haben hier 40-45°C und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das heißt man kann sich eigentlich kaum bewegen, oder auch wenn man still sitzt, fließt der Schweiß. Deswegen hält man sich entweder im Pool auf, wenn draußen dann nur im Schatten oder in klimatisierten Räumen. Auch in der Nacht kühlt es nicht wirklich ab. Und wenn es regnet, gibt es eine kurze Abkühlung, aber danach ist es noch unerträglicher. Die Feuchtigkeit steigt aus der Erde und man fühlt sich erst recht wie in einer Sauna. Allerdings hat es bis jetzt nur etwa dreimal geregnet, aber bald fängt die Regenzeit an und dann wird es immer schlimmer mit schlimmen Stürmen und unerträglichen Temperaturen.

Das Boab Inn ist DIE Bar in der Stadt. Dennoch ist es die meiste Zeit recht ruhig und man langweilt sich dennoch sehr oft bei der Arbeit, weil einfach nicht genug Gäste da sind. Also putzt man, quatscht mit den netten Gästen und vertreibt sich die Zeit mit Eierschaukeln oder dergleichen. Allerdings gibt es die Freitagnacht. Da platzt die Bar aus allen Nähten, man kämpft mit besoffenen Leuten, die ihren nächsten Drink so schnell wie möglich haben wollen. Das ganze Theater dauert dann etwa 2 Stunden und ist es wieder gut für eine Woche. Also, ein bisschen mehr zur Arbeit. Das Boab Inn hat eine Bar, ein Restaurant, 37 Zimmer und einen Bottle Shop. Carla hat nur im Restaurant und der Bar gearbeitet. Ich hab zusätzlich noch Housekeeping gemacht. Da wir derzeit ein paar Leute zu viel sind, gab es für Carla nicht ganz so viele Stunden. Manchmal musste sie nur abends für etwa 4 Stunden arbeiten. Ich habe 5-6 Tage morgens im Housekeeping gearbeitet. Morgens früh um 6 oder 7 zur Arbeit. Die Bar putzen, das Restaurant, die Zimmer reinigen. Damit war ich etwa 4-6 Stunden beschäftigt, je nach Dreckgrad und Belegung des Hotels. Samstagmorgen war der schlimmste Morgen die Bar zu putzen. Ein Saustall. Ich weiß nicht, ob sich die Australier zuhause auch so benehmen, aber es ist teilweise im Restaurant mehr Essen auf dem Boden als auf dem Teller, die Drinks werden umgekippt, so dass der Boden klebt. Ich habe noch nie in Deutschland eine Bar putzen müssen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es so extrem ist. 

Als wir im Boab angekommen sind, waren wir Frischfleisch. Jeder Mann , und es sind überwiegend Männer, hat versucht uns abzuschleppen und das auf die übelste Art und Weise. Sehr unterhaltsam! Neben den alten Australiern, die noch sehr unterhaltsam waren und sich selber nicht so ernst nehmen, gab es die Arbeiter, die nur für eine bestimmte Zeit in der Stadt waren. Die waren die schlimmsten! Im Anbaggern und im Betrinken! Einen Abend ist ein Ire ausgeflippt. Er hatte mich zuvor öfter mal gefragt, ob ich nicht mit ihm ausgehen will, ich habe immer wieder verneint und meinte nur, wenn er sich mal benehmen würde. Damit hatte sich die Sache erledigt, denn r konnte sich nicht benehmen. Meist sturzbesoffen sass er an der Bar und wurde raus befördert. Dies ist nämlich auch eine Sonderheit in Australien. Man darf keine Betrunkenen mehr bedienen. Gut, wenn man das sehr eng sehen würde, also nach einer Stunde niemanden mehr. Aber zumindest die Leute, die sich nicht mehr klar artikulieren können oder nicht mehr gerade laufen können. Und das gab es öfter. Diese werden dann nicht mehr bedient oder sogar rausgeworfen. Denn wenn diese Leute einen Unfall bauen oder dergleichen, wird man als Bar mitschuldig gemacht und muss eine hohe Strafe zahlen, weil man ihnen ja den Alkohol serviert hat. Damit wird den Leuten die Verantwortung genommen, was ich eine Unart finde, aber was nur für die Ungereimtheiten dieses Landes sprechen. Deswegen wird gesoffen bis es kein Morgen mehr gibt, aber am morgen dann wieder und wieder und wieder. Dieser Ire kam am besagten Abend schon sturzbesoffen in die Bar und hat von uns keine weiteren Drinks mehr bekommen. Aber er darf etwas zu Essen bestellen, und das tat er dann auch. Er hat gegessen wie ein Schwein, ist beinahe bei eingeschlafen und ich hatte jeden Moment das Gefühl, dass er alles wieder erbricht. Dennoch gab er nicht auf, mich nach einem Date zu fragen. Nachdem die Security, die am Wochenende aufgrund solcher Zwischenfälle immer anwesend war, ihn schon mehrmals ermahnt hatte und ich ihn nach Hause geschickt habe, dachte ich es wäre nun beendet. Aber nein, er diskutierte in der Bar mit dem Manager, dass er doch nun einen Drink haben möchte. Nach 5 minütiger Diskussion wurde der Gute hangreiflich, griff nach einem Barstuhl und wollte ihn  hinter die Bar werfen – auf uns, die dort alle als Zuschauer standen mit offenem Mund. Gott sei Dank, schaffte er es nicht und blieb am Regal hängen und hilfreiche Gäste sowie die Security waren schnell zur Stelle, um ihn nach draußen zu befördern. Kurz darauf kam die Polizei, der Gute bekam für ewig Hausverbot und damit hatte sich die Sache. Und das war nur ein Zwischenfall von vielen, meist kam zumindest einmal am Wochenende die Polizei, um sich um einen Volltrunkenen zu kümmern. Allerdings gab es auch friedfertige Alkoholiker wie Darryl, unser alter Buschmann, der tagein tagaus an der Bar sass und sein Bier getrunken hat und uns Geschichten erzählt hat und den man mit seinem Charme einfach nur mögen konnte. So ist das eben in einer Countrytown wo Alkoholismus fast jeden betrifft. Denn dort gibt es, traurig aber wahr, nichts anderes zu tun. Derby hatte noch nicht einmal ein Kino oder dergleichen. Nur 3 Bars, zwei Supermärkte, den Jetty zum Fischen, wobei Fischen auch nur ein Synonym für Trinken ist, einen Sportplatz und sonst nichts. Nicht zu vergessen den Boab Prison Tree, der als Touristenattraktion zählt, aber in 2 Minuten abgehakt ist. Der Prison Tree, Gefängnis Baum, ist ein uralter Boab Baum, der groß und innen hohl ist und zu Einwanderungszeiten von den Weißen als Gefängnis für die Aborigines genutzt wurde.

Da kommen wir zum nächsten Punkt, die Aborigines. Carla und ich hatten zuvor viele Geschichten gehört und keine davon war wirklich positiv. Mädels die bedrängt wurden, Jungs die überfallen und zusammengeschlagen wurden. Aborigines die immer besoffen sind und um Zigaretten und Geld schnorren. Aber wir wollten uns ein eigenes Bild machen und Derby war perfekt dafür. Eine Hälfte der Bevölkerung waren Aborigines. Und leider haben sich viele Vorurteile bestätigt. Dennoch ist dies sehr zwiespältig, denn die „Australier“, die Weißen, haben sich das selbst zu zuschreiben und somit weiß ich nicht so recht, wie ich das beschreiben soll. Es ist einfach nur ein trauriges Bild. Tagsüber laufen sie in bisschen wie Zombies durch die Gegend. Sitzen unter Bäumen und besaufen sich – nicht wirklich anders als der Rest. Aber sie riechen übel. Ja stinken sogar, man hört sie schon von weitem mit ihrem schlurfenden Gang und man riecht sie. Wir durften sobald es dunkel ist, nicht mehr alleine auf die Strasse gehen, aus Angst vor Überfällen und Übergriffen, gerade auf uns Mädels. Dennoch wurde ich beklaut.

Unser Haus ist sicher gewesen. Wir haben in einer guten, sicheren Gegend gelebt und unser Haus wurde respektiert. Allerdings habe ich ab und zu mal woanders genächtigt und dort war es wie in der Bronx. Die Aborigines saßen vor ihren „Häusern“, volltrunken, haben rumgeschrien und haben schon mehrmals versucht in das Haus einzubrechen. Einbrechen ist hier das falsche Wort, sie laufen einfach rein und stöbern und falls jemand zuhause ist, werden sie halt verscheucht. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Also, ich wurde beklaut während ich schlief. Ich habe zuvor noch Carlas MP 3 Player aus dem Auto mit ins Haus genommen, weil ich dachte da wäre er sicherer und sonst hatten wir keine Wertsachen im Auto. Denn das Auto ist leicht zu knacken. Meine Handtasche lag neben dem Bett und am nächsten Morgen war der MP3 Player weg, mein Geld, Gott sei dank hatte ich nur etwas Bargeld dabei und keine Brieftasche, meine Zigaretten, Feuerzeuge, ein Ohrring und ein Kondom waren weg. Verschwunden. Außerdem sind in derselben Nacht sämtliche Kühlschränke, nur der Alkohol, geplündert worden und von einem anderen Mädel waren ebenfalls Sachen verschwunden, die im Wohnzimmer lagen. Erstens ist es ja schön, dass sie Kondome klauen und somit auch sicher sind. Aber es ist ein ganz mulmiges Gefühl zu wissen, dass jemand in dem Zimmer war während ich schlief. Und niemand hat es mitgekriegt! Immerhin lag ich nicht allein im Bett, sonst wäre es noch unheimlicher und wer weiß, was sonst passiert wäre.

Also, ich habe meine Erfahrung mit Aborigines gemacht – und es reicht ! Man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber leider bleibt einem doch immer das Negative im Gedächtnis. Wir haben natürlich auch nette Aborigines kennen gelernt, aber sie haben es schwer sich zu integrieren oder besser gesagt, akzeptiert zu werden. Wie gesagt, es ist eigentlich eine traurige Geschichte. Wir haben uns ein bisschen mit der Geschichte Australiens beschäftigt und es ist nicht gerade nett, was mit den Ureinwohnern passiert ist und man ist sich erst seit kurzem anscheinend bewusst, dass man etwas falsch gemacht hat. Aber das sprengt hier eindeutig den Rahmen. Allerdings ist es kein leichtes Gesprächsthema, wenn man sich mal mit Australiern darüber unterhalten will. Ähnlich wie mit dem Zweiten Weltkrieg und den Deutschen.

Naja, mir geht es ja trotzdem gut und uns ist nichts passiert. Nach diesem Zwischenfall habe ich auch nicht mehr woanders genächtigt, sondern hatten dann Besuch bei uns im Haus, was nicht unbedingt zur Zufriedenheit unseres Bosses war. Allerdings scheint er es erst gestern, nach unserer Abfahrt, erfahren zu haben, von daher kann es uns egal sein.

Man war dort dauer überwacht. Bei der Arbeit waren überall Kameras, auf der einen Seite zur Sicherheit wegen zahlreichen Zwischenfällen, aber auch an Orten, wo nur Mitarbeiter Zutritt hatten. Etwas was in Deutschland niemals erlaubt wäre. Es gab zahlreiche Regeln wie man sich zu verhalten hatte, wann und wo – und das betraf ebenfalls unser Privatleben. Wenige von uns haben sich daran gehalten, aber man war immer auf der Hut. Kein schönes Gefühl als Erwachsener Mensch! Dennoch hatten wir eine sehr schöne Zeit. Fünfeinhalb Wochen viel Spaß, nete Leute um uns herum und ein tolles Zuhause.

Das Haus. Wir waren zwischen 9 – 13 Leuten die dort gelebt haben. Es waren quasi drei Häuser auf einem Grundstück. Drei Badezimmer. Eine Küche. Ein Wohnzimmer mit vielen Sofas und einem Riesenfernseher und DVD Player. Ein Garten mit einem wunderschönen Pool, in dem wir täglich Abkühlung gesucht haben oder der nachts zu einem Partyraum umfunktioniert wurde. Wir hatten eine tolle Zeit.

Unsere Mitbewohner. Lisa, die 19jährige Münchnerin, die wir als kleine Schwester adoptiert haben und in unser Herz geschlossen haben. Wenn sie betrunken war, hatte sie keine Grenzen. Mark, unser Koch, der sich wohl unsterblich in Carla verliebt hat. Dennoch gab es keinerlei Probleme und haben ihn als unseren trockenen Engländer ins Herz geschlossen. Sara und Alex, sie Finnin, er Kiwi, ein Paar. Haben auch viel als Paar gemacht, aber sie war göttlich und war er war ein dickhead. Steve, unser Uralt Australier, der den Bottleshop gemacht hat. Ryan und Kim – ein Traumpaar. Er Australier wie er im Buche steht – Veggiemite Sandwich, Fischen, Trinken, harter Arbeiter, toller Humor, ein Spaßvogel. Sie Engländerin, die sich unsterblich in ihn verliebt hat und nun wohl bald geheiratet wird. Er hat unter anderem unsere Luzie wieder frisch gemacht – Ölwechsel, Schaltbox gerettet und unsere Klimaanlage geht auch wieder. Carl, unser liebster Engländer, der sich gern mal auszog und nackt in den Pool sprang – auf seinem Arsch hat er tätowiert „I am drunk“. Mit ihm hatten wir mitunter den meisten Spaß und er hatte die lustigsten Geschichten. Das witzige war, er war ungefähr einen Kopf kleiner als wir, und wir nannten ihn liebevoll Zwerg. Beau, ebenfalls Australier und sehr nett, und Lukas, sehr doof, wurden in unseren ersten Wochen gefeuert und hatten daher keinen so großen Einfluss. Dafür kamen die letzte Woche zwei wirklich dumme Mädels, die noch viel Spaß haben werden mit unseren Liebsten. Wir nennen sie „Dumm und Dümmer“!

Und neben unseren Mitbewohner gab es auch noch andere nette Leute als Gäste in der Bar, die nicht nur dauerbetrunken waren, und zu Freunden wurden. Der eine ein engerer Freund, manch anderer eben nicht.

So, war also unsere Zeit in Derby. Sie verging schnell, vielleicht etwas zu schnell, denn auch wenn dort nicht so viel zu tun war, wären wir wahrscheinlich noch länger geblieben, wenn wir die Zeit gehabt hätten, weil man sich einfach zuhause gefühlt hat aufgrund des tollen Hauses und der tollen Leute. Dennoch waren viele Tage von Langeweile bestimmt und so ist es wahrscheinlich besser, dass wir weiterkommen!

Nun, wir haben am Dienstagmorgen, also 30.11., Derby verlassen und sind auf unserem Roadtrip – Melbourne bis Weihnachten. Das sind etwa 6000 km in 3,5 Wochen. Ein Klecks!

Aber dies wird wieder eine andere Geschichte!



Unsere Reise von Darwin nach Derby

3 11 2010

Nach unseren spannenden, aufregenden Tagen in Darwin, haben wir am Montag unsere Luzie noch zum Mechaniker gebracht zum Öl- und Ölfilterwechsel für die Schaltbox und konnten dann diese Stadt verlassen.

Die Tage zuvor haben wir uns ausgeruht, noch ein bisschen Darwin erkundet und sogar noch ein paar schöne Stellen entdeckt. Schöne Strände, an denen man allerdings nicht schwimmen kann wegen Krokodilen und tödlichen Quallen im Wasser. Aber dafür haben wir einen See entdeckt, in dem man ohne Bedenken planschen konnte, was bei den Außentemperaturen auch bitter nötig ist. Darwin, und der ganze Norden, ist unglaublich heiß mit einer Luftfeuchtigkeit von über 80 % und teilweise heftigen Regenfällen. Außerdem waren wir am Sonntag noch einmal auf dem Mindil Market, haben uns durch die Marktstände gestöbert, lecker gegessen und den Sonnenuntergang am Strand genossen. Und ausnahmsweise hat es einmal den ganzen Tag nicht geregnet. Darwin hat sich also gebührend von uns verabschiedet.

Nachdem wir montags also unser Auto von dem Mechaniker abgeholt haben, der uns mitteilte, dass es sehr wahrscheinlich nicht reicht nur einen Ölwechsel zu machen, ging es für uns weiter. Zwar mit einem etwas mulmigen Gefühl, da wir nicht wussten wie lang uns das Auto wohl fahren würde, aber wir hatten Vertrauen in unsere Luzie. Also, raus aus Darwin – Richtung Litchfield Nationalpark. Wir haben den Kakadu Nationalpark auf unserer Route gestrichen, da wir von vielen Leuten gehört haben, dass der Litchfield Park wesentlich schöner sein soll, aber eben auch viel kleiner und besser zu erkunden. Und da wir uns für einen entscheiden mussten, oder eben extra Kilometer fahren müssten, haben wir uns dann für Litchfield entschieden. Der liegt etwa 120 km südlich von Darwin und hat gehalten, was er verspricht. Gegen fünf Uhr sind wir dort angekommen und haben uns dort einen Campplatz gesucht – zwar auf einer Camparea, aber mitten im Nirgendwo, mit Kängurus, vielen Fliegen und allem möglichen anderen Getier. Wir mitten in der Wildnis! Aber da man niemals alleine ist auf solchen Plätzen, fühlt man sich sicher und hat meist auch immer nette Gesprächspartner. Also wurde ein leckeres Campermenü aufgetischt und als es gegen halb sieben dunkel war, ging es auch schon bald ins Bett. Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden, um den Park zu erkunden. Erst ging es zu den Wangi Waterfalls. Eine Oase, in der man schwimmen kann – allerdings nie alleine ist, da dort Krokodile heimisch sind. Zwar nur zur Regenzeit die wirklich gefährlichen Salzwasserkrokodile, dennoch haben wir uns ein Bad verkniffen und einfach nur geschaut und gestaunt. Danach ging es weiter zu den Florence Falls – ohne Krokodile und mit einem Marsch durch den Dschungel mit etwa 90% Luftfeuchtigkeit. Schweißtreibend! Aber es ist wunderschön mit kleinen Bächen, die durch die Gegend fliegen, tollen Pflanzen, vielen Tieren, die sich nicht recht zeigen wollten und abermals vielen Fliegen, die einen piesacken. Nach unserer kleinen Wanderung hatten wir uns eine Abkühlung in den Rockholes verdient. Ein Fluss, der Pools in den Felsen  bildet, in denen man wahrlich gut planschen und relaxen kann. Also hielten wir uns dort etwas länger auf. Ansonsten ist der Park geprägt von Felsen, Wäldern, Wasserfällen und Natur pur. Ein tolles Erlebnis. Bevor wir den Park verliessen, haben wir noch einen Stopp gemacht bei unendlichen Termiten Hügeln. Eine Grünfläche, auf der nur Termitenhügel stehen, die aussehen wie einst Obelix Hinkelsteine. Man sieht auf der Fahrt durch das Outback überall Termitenhügel, aber kleiner und diese standen in grünem Gras, umgeben von nichts – wie als wenn man ihnen Platz geschaffen hätte. Nach unserem aufregendem Tag im Nationalpark ging es zurück auf die Strasse. Wir hielten wieder in Katherine an, der furchtbaren Stadt in the middle of nowhere, die wir schon von unserer Hinfahrt nach Darwin kannten, um ein wenig einzukaufen und dort bekamen wir einen Anruf von unserem zukünftigen Job in Derby. Ich hatte aus Quatsch eine Bewerbung über das Internet geschickt und nun riefen sie uns an und teilten uns mit, dass wir den Job hätten. In Derby. Im Boab Inn Motel als Allrounder – in der Bar, dem Restaurant und im Housekeeping. Da Derby quasi auf unserem Weg lag, etwa 220 km vor Broome, wo wir ursprünglich nach einem Job suchen wollten, nahmen wir das Angebot an. Und hatten somit sogar Zeit gespart, denn wir haben auf der Fahrt einen Job bekommen, in unserer Richtung, mit sofortigem Beginn und mussten nicht mehr vor Ort suchen. Ich teilte ihnen nur mit, dass wir etwa noch 3-4 Tage brauchen, bis wir da sind. Kein Problem! Bis dahin. An diesem Tag fuhren wir insgesamt etwa 700 km und kamen weit hinter Katherine – allerdings fing das Licht, das rote Licht unserer Schaltbox, wieder an zu leuchten. Völlig entnervt und gestresst, kamen wir an unserer auserwählten Restarea an. Meine Nerven lagen blank – wir waren irgendwo im Nirgendwo und das Licht leuchtete wieder – die Warnung des Mechanikers sollte lso wahr werden. Allerdings wurden wir auf der Restarea schnell abgelenkt. Kurz nach unserer Ankunft wurden wir prompt von einem französischen Paar zum Essen eingeladen. Wir waren etwa 100 km vor der Western Australia Grenze, dem nächsten Bundesstaat, und wie das hier so üblich ist, herrscht Quarantäne. Es ist nicht gestattet jegliche Früchte, Gemüse oder andere tierische Produkte über die „Grenze“ zu führen. Sie hatten noch tonnenweise Kürbis und Salat und luden somit alle ein, die Reste zu vernichten. Dabei trafen wir auch auf einen wundersamen Tunesier, der seit 12 Jahren um die Welt läuft. Läuft! Vor 12 Jahren hat er Tunesien verlassen und seitdem gelaufen. Er lässt sich von niemandem mitnehmen, manche Strecken fliegt er, aber meistens läuft er nur. Er war schon in vielen Ländern in Europa und Asien und nun ist er in Australien seit etwa 6 Monaten und läuft. Die Strecke, die wir mit dem Auto hinter uns legen, legt er zu Fuß zurück. Mit einem Rucksack, mit etwa 5 Litern Wasser täglich, einem kleinem Zelt und was er am Körper trägt. Er hat sich meiner Meinung nach, die langweiligste Strecke ausgesucht, wo etwa 5000 km Outback sind, aber ihm gefällt es. Viele Leute wollen ihm helfen und er nimmt gerne Wasser oder Essen an, aber lässt sich von niemandem mitnehmen. Bewundernswert! Gerade bei diesen Temperaturen, keine Stadt für tausende von Kilometern und die Landschaft will sich einfach nicht verändern. Wir können dort durchrauschen mit dem Auto, der er braucht dafür Monate, um es hinter sich zu bringen – aber er will es so. So genossen wir einen unterhaltsamen Abend und ich konnte unser Problem vergessen.

Am nächsten Morgen ging es weiter. Gegen 7 brachen wir auf, und kamen eineinhalb Stunden später an die Grenze und plötzlich war es wieder sieben. Nichts hatte sich geändert, keine wirkliche Veränderung der Breitengrade oder dergleichen, aber wir hatten plötzlich eine andere Zeit. Das hieß nun, es wird um 5 Uhr morgens hell und um halb 6 abends ist es stockfinster. Ansonsten war es immer noch die gleiche Landschaft – Steppe, Steine, Hügel, ein paar Bäume und Büsche, Steine, Felsen und Steine. Allerdings machten wir an diesem Morgen einen Abstecher vom Highway und fuhren zum Lake Argyle. Ein großer See, wohl einer der größten im westlichen Australien, der vor Jahren durch einen Staudamm entstanden ist. Unglaublich! Ein toller Anblick und eine Abwechslung für die Augen nach all der Steppe. Dieser Abstecher hatte sich gelohnt und bis dorthin hatte das rote Licht auch nicht mehr gebrannt – doch da tauchte es wieder auf. Vom Lake Argyle ging es nach Kununurra – mal wieder eine Stadt (etwa 6000 Einwohner!!!!). Eigentlich wollten wir uns dort mit einer Engländerin treffen, die zuvor mit uns auf der Basilikumfarm gearbeitet hat. Aber durch die Zeitverschiebung war es erst 11 Uhr vormittags und sie musste noch bis 6 Uhr abends arbeiten. Was sollten wir den ganzen Tag dort machen? In dieser Einöde. Und da wir nun den Job sicher hatten, wollten wir lieber weiterfahren und früher beim Job ankommen, als eine Nacht im Nirgendwo zu vergeuden. Aber vorher machte ich noch einen Stopp bei einem Mechaniker, dem ich abermals unser Problem schilderte und er versicherte mir, dass es ein langsames Sterben des Autos wäre und es nicht einfach liegen bleiben würde. So lange der letzte Gang reingeht, wird es uns fahren. Ich dachte mir nur „Sein Wort in Gottes Ohren“ und es ging zurück auf die Straße. Kaum aus der Stadt raus, ging die Leuchte wieder an – und sie wollte dieses Mal nicht mehr ausgehen. Nie wieder! Wir gönnten uns und Luzie ein paar mehr Pausen, zum abkühlen, auch ein Tipp des Mechanikers. Wir gönnten uns nach 2 Tagen mal wieder eine Dusche in einem Roadhouse im Nirgendwo und weitere Pausen alle 150 km. Dabei trafen wir auf drei Deutsche, die mit ihrem Van im Nirgendwo liegen geblieben sind und Glück hatten, dass es an dieser Tankstelle im Nirgendwo, mit noch nicht einmal einer Stadt herum, einen Mechaniker gab. Unsere Luzie leuchtete zwar, aber sie fuhr noch und der letzte Gang ging jetzt auch noch rein, und wenn wir liegen bleiben würden, vertrauten wir auf hilfreiche Australier. Auch wenn einem auf dieser Strecke wirklich nur alle 30 Minuten jemand entgegen kommt. Man kann uns dumm oder besonders mutig nennen – ich weiß nicht, was passender ist, aber uns blieb nichts anderes übrig, als weiterzufahren und das Risiko einzugehen, dass wir liegen bleiben. Carla, und dafür liebe ich sie, mit ihrer Art die Dinge zu sehen, klebte einfach einen Sticker über die Leuchte. Genauer gesagt einen Carebear, ein Glücksbärchen. Der würde sich schon um das Problem kümmern und wir konnten es ja sowieso nicht ändern, ob die Lampe nun leuchtete oder nicht. Dennoch saß ich völlig angespannt hinter dem Steuer. An diesem Tag sollten 500 km genug sein und wir trafen wieder auf unserer auserwählten rest area ein, wo wir wieder auf das nette französische Paar trafen von der Nacht zuvor. So hatten wir also wieder einen unterhaltsamen Abend und konnten wieder ein bisschen abschalten. Auf diesem Rastplatz gab es keine Toilette, aber dafür Kühe. Dennoch war es schon schattig gelegen und völlig ausreichend für eine Nacht. Diese Nacht wurde der Gaskocher rausgeholt und köstliche Nudeln zubereitet. Wir hatten uns wieder völlig an unser Leben in der Wildnis gewöhnt. Da die Sonne nun schon ab 5 Uhr morgens in unser Auto schien, ging die Fahrt mal wieder früh los. Es war Donnerstag, Montag hatten wir Darwin verlassen, und wir wollten an diesem Tag noch in Derby ankommen. Noch 650 km – ob Luzie das schaffen würde? Ich glaubte nicht wirklich daran. Leider haben wir ein paar tolle Sachen verpasst auf unserer Strecke. Die Bungle Bungles, eine atemberaubende Felslandschaft, die man nur mit Allradantrieb befahren kann, was wir ja eigentlich haben, aber wir wollten keine extra Kilometer machen. Die Gibb River Road, welche wir auch mit unserem 4WD befahren könnten, uns aber wegen zusätzlichen Kilometern und noch weniger befahrenen Straßen nicht trauten. Wirklich Schade, denn die Kimberleys (so heißt die Gegend) soll toll sein, aber jetzt ging es nur noch darum anzukommen. So schnell wie möglich und mit Luzie. Bei jedem Meilenstein näherten wir uns also dem Ziel. Auch an diesem Tag stoppten wir an den unmöglichsten Plätzen. Orte, die in Deutschland nicht einmal auf der Landkarte verzeichnet wären, waren hier wie große Städte gekennzeichnet. Wir näherten uns dem Ziel – Stück für Stück mit rotem Licht, aber immer noch fahrendem Auto. Und ich konnte die Landschaft genießen, denn es gab eine Veränderung – die Baobab Bäume. Ich kenne sie noch aus Zimbabwe, vor 10 Jahren, und jetzt sah ich sie wieder. Sie haben mich schon damals fasziniert und tun es jetzt noch immer. Komische Gewächse, die ein bisschen so aussehen wie Flaschen, oder wie Bäume, die auf dem Kopf stehen, also die Wurzeln in die Luft ragen, und sie können unglaublich groß mit dicken Stämmen werden. Nun sind sie wieder da und gaben der Landschaft ein anderes Gesicht. Wir näherten uns also der Kreuzung nach Derby. Noch 50 km. 40. 30. 20. 10. Kreuzung – links nach Broome, rechts nach Derby noch 45 km. Wir waren fast da! 40. 30. 20. 10 – Flughafen. 5. Angekommen! Rotes Licht an. Auto fährt noch. Letzter Gang geht noch rein. Ein Wunder. 900 km  mit roter Leuchte!!!!

„Das Glück ist mit den Dummen!“

Da Derby am Meer liegt, wollten wir erst einmal einen Blick auf das Meer werfen, bevor wir unseren zukünftigen Arbeitgeber informierten, dass wir schon da sind. Die erste Fahrt durch Derby war recht ernüchternd. Eine kleine Stadt, eine Hauptstrasse, zwei Supermärkte, eine Tankstelle, ein Postoffice, ein paar Bars, Caravan Parks, Mechaniker (Juchhu!) und so weiter und der Hafen. Eher ein industrieller Hafen mit einem Pier und braunem Meer. Braune Suppe voll mit Krokodilen, Haien und sonstigem gefährlichen Getier. Also nicht zum Schwimmen oder dergleichen, aber wir hatten für einen Moment einen anderen Ausblick genießen als Steine, Steine, Steine. Und dort mussten wir erst einmal durchatmen und konnten unser Glück kaum fassen, dass wir es wirklich nach Derby geschafft haben. Mit einem kaputtem Auto. Und wir hatten das Outback hinter uns gelassen. An diesem Carla hab ich Carla versprochen, dass wir NIE wieder ins Outback fahren. Nie! An diesem Tag wurde dann also die Fahrt, auch wegen Zeitgründen, zum Ayers Rock gestrichen. Für immer! Wir hatten nun 5000 km Outback und hatten genug gesehen.

Nach kurzem Durchatmen am Jetty ging es also zum Boab Inn Motel, wo wir freundlich empfangen wurden, trotz etwas verfrühter Ankunft, denn man hatte erst einen Tag später mit uns gerechnet. Peter, einer unserer Manager, führte uns über das Gelände. Zeigte uns die Bar, das Restaurant und brachte uns anschließend in unser neues Zuhause für die nächsten Wochen. Ein Haus, das wir uns mit 10 anderen Leuten teilen, jeder, außer die Pärchen, hat ein eigenes Zimmer und wir haben einen Pool. Ein Traum! Für Carla ein Paradies und auch ich war glücklich, dass wir bei diesen Temperaturen, etwa 40°C, eine Abkühlung im Garten suchen konnten. Wir waren da und fühlten uns auf Anhieb wohl, auch wenn Derby nicht gerade „the place to be“ ist.

Das einzige Problem was wir nun haben ist, dass wir ihnen gesagt haben, dass wir etwa 3 Monate bleiben, aber eigentlich nur 4-5 Wochen bleiben möchten und können. Aber so ist das halt hier, wenn man einen Job haben möchte. Aber dafür finden wir auch eine Lösung. Und wenn wir die Zeit noch hätten, würden wir jetzt nach schon 2 Wochen an diesem Ort, bestimmt auch länger bleiben, denn wir fühlen uns mit unseren netten Kollegen und in dem Arbeitsumfeld sehr wohl. Nun müssen wir nur noch eine günstige Lösung finden, um Luzie zu reparieren, die übrigens noch immer fährt mit rotem Licht. Ansonsten geht es uns mal wieder recht gut und von Derby und unserem spannenden Job erzähle ich euch beim nächsten Mal.

See you later, mate!



Zurück in der Zivilisation

4 09 2010

Wir sind in Darwin! 2.800 km liegen zwischen Cairns und uns und wir sind einfach nur froh das öde Outback hinter uns gelassen zu haben und nun wieder etwas Zivilisation um uns zu haben.

Aber erst einmal zu unserer Fahrt. Nachdem wir also Mission Beach wegen dem Regen ausgelassen haben und Sonntagnacht auf einem Truckstop in Townsville verbracht haben, wurde dort am Morgen noch geduscht – die letzte Dusche für  3 Tage – und dann ging es los ins Outback. Montag haben wir gute 800 km geschafft!!! Eine stolze Strecke wenn man bedenkt, dass man nicht schneller als 110 km/h fahren darf, man nicht im Dunkeln fahren sollte wegen den Kängurus und die Straßen nicht unbedingt mit deutschen Autobahnen zu vergleichen sind. Aber davon könnt ihr euch auf den Fotos selber ein Bild von machen und auch wenn alles ziemlich ähnlich aussieht, es liegen wirklich tausende von Kilometern zwischen den Bildern. Bevor es dämmerte haben wir unsere auserwählte Rest Area erreicht. Hier in Australien gibt es Rest Areas, Rastplätze, auf denen man campen darf – manche mit Toilette und manche ohne, manchmal mit Barbecue Bereich und manchmal ohne und ansonsten nichts außer die Wildnis um einen herum – und diese kosten nichts. Man kriegt sogar noch einen atemberaubenden Sternenhimmel umsonst dazu. Montagnacht haben wir also auf einer besagten Rest Area, etwa 60 km östlich von Mt Isa, verbracht. Und waren mal wieder Glückspilze, denn wir haben direkt neben einem netten australischen Herren geparkt, mit dem wir ins Gespräch gekommen sind und der uns nach einem netten Plausch zu einem Abendessen in seinem Wohnwagen eingeladen hat. Wirklich unglaublich nett und viele nette Tipps gab es noch dazu. Zum Ende des Abends saßen wir dort mit unserem Atlas und haben uns angestrichen was wir uns auf jeden Fall angucken sollten und was wir ruhig auslassen können an der Westküste.  Und wenn wir in Melbourne sind, wo er ursprünglich herkommt, haben wir eine weitere Einladung zum Essen von ihm. Und dann verbrachten wir unsere erste Nacht in der Wildnis unter einem wunderschönen Sternenhimmel in unserer Luzie.  Am nächsten Morgen gab es dann noch einen schnellen Café und dann ging es wieder auf die Straße.

Nach einem kurzen Halt in Mt Isa, der größten Stadt mitten im Outback, um ein paar Lebensmittel einzukaufen und viel, viel Wasser, ging es weiter Richtung Westen. Und auch am Dienstag sollten wir wieder um die 750 km schaffen. Die Strecke ist unheimlich langweilig. Es gibt den Highway und drum herum nichts außer toten Kängurus oder Schlangen am Straßenrand und etwa alle 120-160km mal einen kleinen Ort oder wenigstens eine Tankstelle. Es kommen einem ein paar Autos entgegen, meistens Campervans, oder man wird auch mal überholt oder kann selber mal eine Road Train überholen. Road Trains sind teilweise 53,5m lange LKWs, die ganze Häuser transportieren, oder 4 Anhänger mit Autos oder Viehtransporten oder, oder, oder.  Eben fast wie Züge nur auf der Straße. Und diese Road Trains haben uns nun bereits 3 Steinschläge in der Frontscheibe verursacht. Teilweise liegt sehr viel Split auf der Straße und wenn die LKWs an einem vorbeirauschen, landen da schon mal ein paar Steinchen in den Scheiben. Nun haben wir insgesamt schon 5 Steinschläge und werden es hoffentlich dabei belassen. Auf jeden Fall werden wir nichts dagegen tun, denn diese reparieren zu lassen, wäre teurer als eine neue Frontscheibe. Und die Wahrscheinlichkeit, dass noch einige dazu kommen, ist ebenfalls sehr hoch. Und solange die Scheibe keine Risse hat, sehen wir keine Notwendigkeit etwas zu unternehmen. Der zweite Reisetag wurde ebenfalls auf einer Rest Area beendet mit ebenfalls netten, australischen Nachbarn mit denen man ins Plaudern kam.

Der dritte Reisetag sollte für uns nicht so erholsam werden. Es waren nun noch etwa 900km nach Darwin und eigentlich war unser Plan etwa 600 km zu fahren und an einem Wasserfall zu übernachten und dann noch in den Kakadu Nationalpark zu fahren für etwa 2 Tage, so dass wir am Wochenende in Darwin wären. Aber man sollte einfach keine Pläne machen. Am Mittwochmorgen, der eigentlich gut für uns angefangen hat, denn wir haben per Zufall auf einer Raststättentoilette Ory getroffen, eines unserer Mädels von der Farm, mitten im Outback. Die Welt ist ein Dorf. Doch dann blinkte die ganze Zeit ein rotes Lämpchen, was wir nicht einfach ignorieren konnten. „A/T Temp“!!!! In Rot. Wir kannten das Zeichen schon aus den bergigen Straßen um Cairns herum, aber es blinkte dann nur immer kurz. Da Luzie ja ein Automatik ist, kann man schlecht die Gänge regulieren und so wird an Bergen die Schaltbox etwas heiß, was wohl sonst nicht weiter schlimm ist, wenn man es nicht übertreibt. Aber nun waren wir auf einer geraden Strecke und das Licht wollte einfach nicht erlöschen. Also haben wir uns entschieden in einer kleinen „Stadt“ namens Elliott in the middle of nowhere zum einzigen Mechaniker weit und breit zu gehen, um uns seinen Rat einzuholen. Nach einer kurzen Begutachtung kam er zu dem Entschluss, dass wir jetzt sofort eine neue Schaltbox brauchen, denn diese wäre überfällig und es wäre auch kaum noch Öl drin. Sein Problem wäre nur, dass er diese erst bis Dienstag (Montag ist unser Flug nach Singapur) besorgen könnte, da er ja im Nirgendwo ist und er würde uns für eine gebrauchte Schaltbox plus Arbeitsstunden etwa 3000 AUS$ berechnen!!!! Er könnte auch jemanden über Nacht in die nächste Stadt schicken, um das Teil abzuholen, aber das würde dann natürlich extra kosten. Ansonsten könnten wir ja mit dem Bus nach Darwin fahren und das Auto abholen, wenn wir aus Asien zurückkommen. Der Bus nach Darwin hätte uns allerdings 700 AUS$ gekostet!!!! Und das nur für einen Weg und außerdem wollten wir Luzie nicht an diesem Ort lassen. Elliott ist wie eine Geisterstadt. 750km von Darwin entfernt. Es gibt einen Campingplatz, zwei Tankstellen, viele alte liegengebliebene Autos, die eine Werkstatt, wohl sogar eine Schule und viele, besoffene Aborigines. Unheimlich und unvorstellbar für uns dort auch nur eine Nacht zu verbringen. Zudem konnten wir uns nicht vorstellen, dass es so schlecht um Luzie stand, denn wir waren ja erst vorher beim Service, um sie checken zu lassen. Nun fuhr sie ja noch, aber falls wir irgendwo liegen bleiben sollten, weil uns die Kupplung oder die Schaltbox um die Ohren fliegt, was kein Problem wäre an sich, da wir so etwas wie den australischen ADAC haben, die uns überall abholen würden, aber wir hatten nirgendwo im Outback Empfang mit dem Handy. Und auch wenn es genug Autos gab, die eventuell anhalten würden, wollten wir das Risiko nicht eingehen. Doch dann schickte uns der Himmel zwei Engel. Ein deutsches Pärchen hatte ebenfalls an der Werkstatt angehalten, um sich einen neuen Reifen zu besorgen und hatten wohl mitbekommen, dass wir mit uns hadern dort zu bleiben. So kamen wir ins Gespräch und sie erzählten uns, dass sie ebenfalls vor kurzem die Schaltbox austauschen mussten, allerdings für die Hälfte des Preises, die uns dieser Mechaniker nannte. Und sie hatten ein Satellitentelefon. So haben sie uns angeboten hinter uns herzufahren und falls etwas passieren würde, wären sie da und könnten zumindest den ADAC für uns anrufen – abschleppen hätten sie uns nicht können, da sie einen Wohnwagen dabei hatten. Nach kurzer Überlegung und Abwägung der Pro und Contras entschieden wir uns diesen Ort zu verlassen. Wir sagten dem Mechaniker, dass wir es nicht hier reparieren lassen möchten und er bitte einfach nur neues Öl in die Box füllen soll. Er war nicht sehr erfreut darüber, denn er hatte schon die Dollarzeichen in den Augen. Aber wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen und können auch noch eins und eins zusammen zählen und dachten uns, dass es mit neuem Öl sicherlich nicht so schnell überhitzt. Er berechnete uns 130 $, verabschiedete sich bei uns mit dem Satz „Wir sehen uns eh gleich wieder und wir kommen sowieso nicht weiter als 15 km“. Und….. wir schafften es an diesem Tag noch weitere 300km bis nach Mataranka. Ohne rotes Licht! Und mit unseren Engeln, Sarah und Gil, hinter uns.

Matranka – heiße Thermalquellen. Wir verbrachten einen richtig schönen Abend auf dem Campingplatz mit einem guten Essen nach diesem anstrengenden, emotionalen Tag. Mataranka ist eine kleine Oase im Outback. Am nächsten Morgen haben wir es uns nicht nehmen lassen in die heißen Quellen zu steigen und bisschen durch den Wald zu stapfen. Eine schöne Unterbrechung zum ständigen Fahren und sitzen und da wir uns nun entschieden hatten, direkt nach Darwin zu fahren (ohne Nationalpark), wenn wir es schaffen mit dem Auto, so wollten wir doch vorher noch ein bisschen abschalten und genießen. So ging es gegen Mittag weiter Richtung Darwin, allerdings ohne unsere Engel – aber hier noch einmal ein großes „DANKE“ an euch. Aber es waren nun nur noch 100 km bis nach Katherine, eine etwas größere Stadt und dann nur noch 350 km bis nach Darwin. Wenn wir dort liegen bleiben sollten, wären wir schon näher dran und es wären auch mehr Autos unterwegs. Aber… wir haben es geschafft!!! Unglaublich glücklich sind wir am Donnerstagnachmittag in Darwin angekommen und Luzie fährt immer noch. Am liebsten würden wir den Mechaniker anrufen und ihm mitteilen wo wir sind. Wir haben auf einem Campingplatz eingecheckt und mussten uns erst einmal wieder an all die Menschen gewöhnen. So viele Backpacker – das ist schon gewöhnungsbedürftig nach 10 Wochen Basilikum pflücken in der Pampa. Aber gleich am ersten Abend haben wir nette Leute getroffen, mit denen wir uns jetzt ein paar schöne Tage in Darwin machen.

Allerdings mussten wir uns ja auch noch um Luzie kümmern. Natürlich kümmern wir uns immer um sie. Ich checke das Öl und Kühlwasser und natürlich die Luft der Reifen – die Leute starren mich immer ganz verblüfft an, wenn ich an der Tankstelle stehe und mich um unser Baby kümmer,  aber das gehört ja auch dazu. Aber nun wollten wir natürlich wissen, was mit Luzie los ist und ob nun wirklich eine neue Schaltbox brauchen oder uns der gute Outback-Mechaniker vollends über den Tisch ziehen wollte. Also ging es in die Werkstatt und dort wurde unser Problem geschildert. Nach kurzer Konsultierung kam man zu dem Entschluss, dass wohl ein Ölwechsel und ein neuer Ölfilter die Lösung unseres Problems wäre. Denn das wurde bei dem Service zwar für den Motor gemacht, aber nicht für die Schaltung. Also werden wir es damit versuchen und hoffen, dass das rote Licht nie wieder blinken wird. Falls doch, ist es ja noch immer nicht zu spät alles auszutauschen. Aber nun denken wir umso mehr, dass es die absolut richtige Entscheidung war, Elliott zu verlassen, mit Luzie und dass der Mechaniker einfach nur ein absolutes Arschloch war.

Nun können wir also einfach nur relaxen und versuchen abzuschalten. Luzie kommt in die Werkstatt, wenn wir aus Asien wiederkommen, da sie vorher nichts frei hatten und dann können wir weiterfahren. Zudem ist Luzie den Monat über gut untergebracht bei unserem Couchsurfer und alles ist mal wieder gut für uns und das Glück ist weiterhin mit den Doofen.

Darwin. Heiß. Feucht. Eine Stadt, deren Existenz nur durch die Existenz der Backpacker gerechtfertigt ist – so scheint es zumindest. Denn hier gibt es nicht viel. Im Meer kann man nicht wirklich schwimmen, da es hier tödliche Quallen gibt, Haie und Krokodile. Doch nebenan ist gleich der größte Nationalparks Australiens, Kakadu, und das Top End Australiens ist das Tor nach Asien. Heute waren wir bei strömendem Regen in der Bucht in einem künstlichen Schwimmbad, sogar mit Wellen. So manch ein Surfer verirrt sich dorthin und demonstriert seine Kunst. Etwas lächerlich, aber dennoch schön anzugucken.  Nun genießen wir also noch ein paar Tage Darwin und dann geht es nach Singapur.

Doch auch unsere Pläne für Asien wurden leider durchkreuzt und werden somit wohl leider geändert werden müssen. Wir wollten ja eigentlich von Singapur nach Sumatra reisen, um dort in den Dschungel zu gehen und Orang Utans anzugucken und dann nach Bali. Nun gab es leider einen Vulkanausbruch auf Sumatra – genau dort wo wir hin wollten im Norden der Insel. Von daher werden wir diesen Teil wohl leider auslassen. Es ist noch nichts entschieden, aber wir denken bereits über Alternativen nach. Wahrscheinlich gehen wir dann noch nach Malaysia und dann weiter nach Bali. Aber das wird alles in Singapur entschieden. Wir freuen uns nach wie vor unglaublich auf Asien und da wir das alles noch nicht gesehen haben und alles schön sein soll, wird es uns so oder so gefallen.  Man sollte halt einfach keine Pläne machen, denn sie werden einfach immer durch äußere Einflüsse oder persönliche Entscheidungen umgeworfen.

Also, am Montag den 06. September 2010, zu unserem halbjährigen Reisejubiläum geht es zurück nach Asien.  Und dann gibt es wieder viele tolle Geschichten für euch.

Liebe Grüße aus der Hitze



Final Countdown

24 08 2010

Was bisher geschah…

Wir sind nun also in unseren letzten Zügen auf der Basilikumfarm, es sind nun noch dreieinhalb Tage übrig und wir können das Ende kaum erwarten. Wir überlegen schon, welches Lied wir feierlich hören, wenn wir hier vom Hof fahren. Auf jeden Fall eines, was unsere Freude ausdrücken wird. Aber dennoch haben wir das Beste aus der Zeit hier gemacht. Erstens verlassen wir diesen Ort mit einem vollen Bankkonto, mit dem wir erst einmal gut über die Runden kommen werden. Zudem haben wir Freundschaften geschlossen, tolle Menschen kennengelernt, mit denen wir die Zeit hier sehr genossen haben und viel Spaß hatten. Auch der Chef, Roberto, ist uns sehr gut gestellt und wir können mit einem guten Gefühl hier wegfahren und wüssten, dass wir jederzeit wieder herzlich willkommen wären. Dennoch ist es einen unglaubliche Befreiung endlich wieder „frei“ zu sein, wieder auf Reisen gehen zu können und all die Schmerzen hinter sich zu lassen. Denn nach 10 Wochen körperlicher Anstrengung, arger Beanspruchung der Hände und schlechten Matratzen tut uns einfach nur noch alles weh. Wenn morgens der Wecker um 6 Uhr klingelt, ist es eine Qual aus dem Bett zu steigen, der Rücken schmerzt und die Hände kann man kaum zu einer Faust ballen, geschweige denn die Zahnpastatube ausdrücken. Und ich frage mich ernsthaft, ob ich meine Hände jemals wieder sauber und weich bekomme? Aber das sind alles nur kleine Begleiterscheinungen, die nicht wirklich dramatisch sind.  Denn im Grunde bin ich einfach nur verdammt stolz auf uns, dass wir es nun wirklich so lange durchgezogen haben und uns die ganze Seifenoper hier drumherum angetan  und nebenbei „ein bisschen“ (wohl tausende von Sträußen) Basilikum gepflückt haben. Aber dafür haben wir unsere Sonntage reichlich ausgekostet und davon möchte ich euch erzählen.

Wie gesagt, unsere Woche hat 6 Arbeitstage, und auch sonntags durfte ich noch einmal arbeiten und Unkraut jäten. Um 5.00 Uhr kräht der Hahn, um 6 Uhr stehen wir auf, um 6.30 Uhr geht es auf’s Feld, um 9.00 Uhr gibt es einen kurze zehnminütige Pause, Smoko genannt, um 12 Uhr gibt es eine halbe Stunde (manchmal auch eine Stunde) Mittagspause, wieder zurück auf’s Feld, dann gibt es um 15.00 Uhr noch einmal eine Smoko und zwischen  17.30 und 18.00 Uhr dann endlich Feierabend. Abends geht es dann zweimal die Woche noch zurück zum Packen. Und das tagein tagaus, seit nun fast 10 Wochen. Alles dreht sich um Basilikum. Wir haben sogar schon Lieder, bekannte Melodien und Texte, passend zum Basilikum pflücken umgedichtet und singen diese gerne lauthals, wenn der Chef nicht da ist. Beispiele: Abba- Dancing Queen, ist nun nun die Basilqueen „you can pick, you can pack… having the time of your life…“. Beyonce – All the singles ladies, nun die Basil bitches „all the basil bitches, all the basil bitches, hold your bunch up…. If you like it put a fucking rubber band on it… don’t be mad if he says your bunch is shit…”. Stevie Wonder – I just called to say I love you, nun “I can’t wait to say, yeah it’s Saturday…”. Black Eyed Peas – Humps, nun “ my bunch, my bunch, my bunch, my bunch…. I pick the basil nice, nice, such a tasty spice, spice, I put it in my bin, bin..”. Und so weiter und so fort. Nach einer Samstagabend Mamma Mia Session kamen besonders viele Abba Lieder dazu. Da sehnt man sich sehr nach dem freien Sonntag und anderen Gedanken und wie gesagt, an denen haben wir die Gegend erkundet und haben tolle Ausflüge unternommen.

Einen Sonntag waren wir in der Umgebung, den Tablelands, unterwegs und haben uns etwa 4 Wasserfälle angeguckt, waren in denen schwimmen und sind zu einem tollen See gefahren. Um einen herum die Berge und eine tolle Landschaft. Zu den Wasserfällen gehörte der Milla Milla Fall, bei dem die Herbal Essences Werbung gedreht wurde. Zu diesem Ausflug haben wir unsere koreanischen Mädels mitgenommen, mit denen wir dann, und weiteren Farmmädels, eine Woche später ins Nachtleben von Cairns eingetaucht sind. Nach sieben Wochen Abgeschiedenheit haben wir uns mal wieder unter die Menschen gemischt. Haben getanzt, getrunken und mal wieder andere Gesichter gesehen, als die von der Farm. Das hat unglaublich gut getan und dafür haben wir gerne wenig Schlaf in Kauf genommen. Für die Nacht haben wir uns zu fünft in einem Hostel ein gebucht und haben mal wieder in richtig guten Betten geschlafen, im Vergleich zu denen hier auf der Farm. Am wirklich freien Tag wurden dann diverse Dinge in Cairns erledigt und dann ging es noch nach Palm Cove. Ein Strandort etwa 20 km von Cairns entfernt, an dem der Regenwald bis zum Wasser reicht und dem gleicht, was man sich unter Australien vorgestellt hat – endlich!

Den Sonntag darauf ging es dann mal wieder in die Umgebung von Mareeba, da ich am Morgen arbeiten musste. Wie schon erwähnt, Unkraut jäten. Allerdings nicht das was man so aus dem heimischen Garten kennt, sondern im größeren Ausmaß. Ein etwa 150 m langes Feld, mit 5 Reihen, die vom Unkraut befreit werden mussten. Vorher wurde schön bewässert, dass die Erde weich war und man das Unkraut leicht entfernen konnte. Aber ja nicht zu zimperlich. Als Kind wäre dieser Job für mich ein Traum gewesen, denn ich wollte  mich immer gern im Dreck suhlen. Die Schuhe wurden ausgezogen, barfuß im warmen Matsch, und mit den Händen Bagger spielen, ich war wohl noch nie so dreckig, und obwohl es unglaublich anstrengend war, hat es dennoch Spaß gemacht und man konnte sich mal so richtig auspowern. Danach gab es zum Mittag zur Belohnung vom Chef ein Bier und für mich das größte Highlight, eine Dusche!!!! Gesäubert ging es dann zum Granite Gorge. Ein Nationalpark, etwa 15 km von Mareeba entfernt. Felsen klettern, Wasser, Seen zum Schwimmen, Rock climbing, Wallabies, die sich anfassen lassen und einem auf den Schoss klettern, und eben ein Gorge, eine Schlucht – ein unglaublich schöner Ort, an dem wir fast alleine waren und die Ruhe und die Aussicht genossen haben. Und zu guter letzt wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

Aber nun zu unserem letzten Wochenende, Carlas Geburtstag. Am Samstagabend ging es mal wieder unter Menschen. Durch unsere Mädels auf dem Campingplatz, kennen wir da nun also auch ein paar andere Menschen, nicht nur Mädchen von der Farm. Mareeba ist eine beliebte Backpacker Destination, da es hier viele Farmen gibt, von Bananen bis Café und Papayas und eben Kräutern, und demnach gibt es hier neben den etwas seltsamen Einheimischen, viele junge Leute, die auf Farmen arbeiten. Am Samstag waren wir auf einer Hausparty eingeladen. Ein Abend wie ich ihn mir vorher ausgemalt habe als DEN Abend in Australien. Alle möglichen Nationen anwesend. Ein großes Lagerfeuer und Barbecue,  Musik und nette Leute. Ein gelungener Abend und der perfekte Ort, um auf Carlas sechsundzwanzigsten anzustoßen. Um Mitternacht, unter einem atemberaubenden Sternenhimmel, wurde Happy Birthday angeklungen und meine Carlita wurde gefeiert. Allerdings sollte dies eine kurze Nacht für uns werden, denn als Highlight unserer Zeit in Mareeba, wo der Regenwald ans Outback grenzt und das Great Barrier Reef fast vor der Haustür ist, hatten wir eine Segeltour eben zu dem Riff gebucht. Check in war um 07.15 Uhr in Cairns. Also war an Ausschlafen nicht zu denken, aber wir wurden vollends belohnt. Als wir den Hafen verließen, fuhren zahlreiche, große Tourischiffe ebenfalls raus auf das Meer. Doch wir saßen auf unserem kleinen Segelboot, mit nur 15 weiteren Menschen und hatten einen unglaublich tollen Tag. Anfangs war es bewölkt und wir dachten schon, dass es so bleiben würde. Aber passend zur Ankunft am Riff, und zum Sprung ins warme Meer zum Schnorcheln kam die Sonne raus und bescherte uns die schönsten Lichtspiele unter Wasser. Die Korallen, lauter bunte Fische, Schwämme, Anemonen, große Fische und alles weiter was das glasklare Wasser zu bieten hat, zeigte sich von seiner besten Seite. Zudem haben wir Haie und Riesenschildkröten gesehen. Nach dem Schnorcheln ging es auf eine paradiesische Insel, Green Island, auf der wir uns am Strand ausgeruht haben und das Treiben der asiatischen Touristen schmunzelnd beäugt haben. Wieder auf dem Segelboot angekommen, wurden endlichen die Motoren ausgestellt und nur noch gesegelt. Unglaublich entspannend, lagen wir schaukelnd an Bord, haben uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und konnten unsere Augen kaum von dem unglaublich attraktiven Skipper abwenden. Alles in allem ein durchaus gelungener Tag und einfach unvergesslich. Das Great Barrier Reef ist der Wahnsinn und hat noch einmal die Krone auf unsere Zeit an der Ostküste Australiens aufgesetzt.

Wie geht es weiter? Wir verlassen am Samstag zum Lunch die Farm und werden nach Mission Beach fahren, um dort eine Nacht zu verbringen und ein wenig zu entspannen bevor wir etwa 2800 km nach Darwin fahren. Darwin liegt auf der anderen Seite, im Nordwesten, Australiens und von dort geht am 06. September unser Flug nach Singapur. In Singapur werden wir etwa  4 Nächte verbringen, eine Nacht davon im Swissôtel The Stamford, dank alter Connections zum alten Job zu einem guten Preis erstanden. Und dann soll es nach Indonesien gehen. Wie und wohin genau, steht noch nicht fest – aber wir wollen auf jeden Fall nach Sumatra und uns im Regenwald Orang Utans angucken und nach Bali und umliegende Inseln. Von Bali geht dann auch unser Flug zurück nach Darwin am 08. Oktober. Wir freuen unglaublich wieder nach Asien zurückzukehren und uns dort wieder eine schöne Zeit zu machen. Leckeres Essen, tolle Menschen, neue Kulturen und erschwingliche Preise! Zudem wollen wir wirklich ein bisschen ausspannen, quasi ein Urlaub vom Reisen machen. Ich freue mich außerdem Luzie wieder auf die Straße zu bringen und endlich weiterzukommen. Obwohl das sicherlich auch ein komisches Gefühl sein wird, denn nach 10 Wochen ist das hier schon zu etwas wie ein Zuhause geworden. Jetzt heißt es wieder: Wo schlafen wir? Was machen wir? Wie kochen wir? Und was? Duschen? Aber auch diese Dinge machen unsere Reise aus und bringen etwas Abenteuer mit sich. Wenn wir dann im Oktober wieder zurück sind bei den Aussis geht es die Westküste runter, auf die ich mich ganz besonders freue. Es liegen also noch viele schöne Dinge vor uns, und bereits tolle Dinge hinter uns.

Und für alle, die es kaum erwarten können, dass wir wieder nach Deutschland kommen. Wir haben unsere Flüge nun fest eingebucht und landen am 06. März 2011 um 12.45 Uhr in Berlin Tegel und rechnen mit einem großen Empfangskomitee. Aber bis dahin ist ja (Gott sei Dank!!!) noch etwas Zeit…

Ihr hört dann wieder von uns, wenn wir on the road sind!



Halbzeit

25 07 2010

Nun sind wir also schon seit 5 Wochen auf unserer kleinen Farm – und 5 Wochen liegen nun noch vor uns! Zwischendurch würde man am liebsten alles hinwerfen und den kleinen, grünen Pflänzchen den Rücken kehren, aber meistens berappelt man sich dann wieder recht schnell und hat als große Motivation dann vor allem eines: Geld! Und eine Menge Spaß.

Was bisher geschah… der verlorene Sohn ist wieder aufgetaucht. Vince ist jetzt nun wieder unter uns und hat sich um 180 Grad gedreht, allerdings nicht grad zum Guten für uns – er scheint jetzt den Boss raushängen lassen zu müssen, was ihm allerdings nicht sehr glaubwürdig gelingt und somit ist er in unserer Gunst um einiges gefallen. Vor ein paar Tagen durften wir uns anhören, dass wir doch bitte den Mund zu halten haben während der Arbeit, schließlich sollen wir keinen Spaß haben sonst schickt er uns nach Hause. Ich habe mich für einen Moment in die Grundschule zurückversetzt gefühlt und musste denn herzlich in mich herein lachen. Ansonsten tangiert mich das sehr geringfügig, denn ich weiß, dass wir hier einen guten Job machen und hart für unser Geld arbeiten. Zudem ist das hier alles das reinste Entertainment und gleicht einem schlechten Film aus einer Vorstadt.  Dafür hat sich auch sein Vater um 180 Grad gewendet. Es gibt eben immer den guten und den bösen Cop. Roberto scheint uns sehr zu mögen, besonders Carla, und somit haben wir ein leichteres Leben auf der Farm. Dadurch dass wir nun zu den Mädels gehören, die mitunter am längsten hier sind, eigentlich am längsten, da wir die letzte Woche eine Fuhre neuer bekommen haben, sind wir diejenigen die neue Mädels einarbeiten, die Maschinen führen dürfen und denen man vertraut. Roberto, unser kleiner Alkoholiker, war gerade erst vor ein paar Tagen bei uns abends im Haus und hat uns ein Bier ausgetan und mit uns gequatscht. Dabei hat er uns mal wieder interessante Dinge aus seinem Leben erzählt, warum er manchmal so sauer wird und aus der Haut fährt und dass er uns vermissen wird, wenn wir nicht mehr da sind, weil wir doch so fröhliche Menschen sind und er es toll findet, wenn zwei Schwestern so reisen, denn immerhin ist er auch damals mit seinem Bruder nach Australien gekommen. Wir haben festgestellt, dass er ein garnicht so schlechter Mensch ist, wenn man ihn und sein Vorgehen erst einmal versteht – und seine Sprache, die wir „Basil“ getauft haben, versteht. Carla ist sein Liebling, das hat er so wörtlich gesagt und nun fühlen wir uns viel wohler und haben keine Angst mehr vor jedem kleinen Ausraster oder Pups den er quersitzen hat. Wir lächeln drüber oder lächeln ihn einfach an und werden auch meist augenzwinkernd zurück angelächelt. Was hat sich noch verändert? Die Arbeit ist die gleiche stumpfsinnige tagein und tagaus. Wir pflücken Basilikum – meist grünen, manchmal aber auch Thai oder Purple Basilikum. Alles geht nach Schnelligkeit. Qualität zählt aber auch. Dann packen wir ab und zu und machen Boxen, welche wir dann mit Tüten bestücken, um dort dann später schnellstmöglich, wieder in Akkordarbeit, den Basilikum drin einzupacken. Zwischendurch darf man auch mal den Basilikum schneiden und waschen und ausschütteln und trocknen und dabei wenden – aber nur selten kommt es dazu, da wir zu gute Pflücker sind, als dass sie uns in das Lager stecken.  Alles nicht sehr geistesanregende Arbeit und so kriegt man hier so langsam nach 5 Wochen das Gefühl zu verblöden, aber auch das werden wir verwinden.

Diese Woche kam eine neue Aufgabe hinzu. Wir haben Setzlinge, kleinen Babybasilikum, gezogen, welche daraufhin auf neuen Feldern wieder eingepflanzt wurden. Ich durfte aber diese Woche richtige Farmerarbeit leisten, denn ich durfte den Traktor fahren – das war toll! Nun versteh ich warum jeder kleine Junge gerne Traktor fahren möchte. Und ich „durfte“ die Bewässerungsanlage mit den Männern umsetzen, was mich ganz schön ins Schwitzen gebracht hat. Aber so vergehen die tage recht schnell, wenn man mal etwas Abwechslung drin hat und ich komme zu dieser Ehre, weil ich wie gesagt schon recht lange hier bin und sie wissen, dass ich was im Kopf habe (Zitat Vince!!!) und ich gutes Englisch spreche. Bei manchen Mädels hier kräuseln sich meine Fussnägel, wenn man sie Englisch sprechen hört, aber dafür sind sie ja wohl in Australien, um die Sprache zu lernen – wir haben eben andere Beweggründe. Und nun die Topstory der Woche: Ich bin in der Zeitung! Vor etwa eineinhalb Wochen war ein Reporter da, der Roberto interviewt hat und dann ein paar Fotos von uns gemacht hat – und ich bin drauf noch mit zwei anderen Mädels. In der „Townsville Bulletin“. In dem Artikel geht es darum, dass immer mehr Produkte aus dem Ausland über Neuseeland importiert werden und er ist zum Schreien komisch, denn dort heißt es:“Any oft he three backpackers could quit picking basil for Angelo any time and get a job as a supermodel, but they are laughing away … it‘s obious that they enjoy the work…  It’s no wonder that Angelo is a happy man“. Ja, wir genießen unsere Arbeit und ja, natürlich sehen wir gerade auf dem Feld aus wie Supermodels. Unglaublich lustig, aber wer kann schon als backpacker behaupten in einer australischen Zeitung gewesen zu sein?! Und Roberto, alias Angelo, konnte dem Reporte nur beipflichten, dass ja besonders ich sehr hübsch aussehe auf dem Foto….

Neben der Arbeit! An den Wochenenden, die ja hier nur aus einem Sonntag bestehen sind wir bis jetzt oft nach Cairns gefahren. Einfach mal raus – weg von der Farm – unter Menschen. Dort haben wir uns noch zweimal mit Henning getroffen, unsere liebe, treue Seele, mit dem wir ja auch in Airlie Beach unsere Whitsunday Tour gemacht haben. Und hiermit möchte ich ihn gerne zitieren, und ihm für diese lieben Worten danken und sie gleichzeitig an all die tollen Menschen richten, die wir bis jetzt auf unserer Reise kennen gelernt haben:

„Bei einer Reise sind es nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern vielmehr die wundervollen Menschen, wie ihr es seid, die meine Reise zu etwas ganz besonderem machen!“

Danke! Man lernt sicherlich viele Menschen kennen und hat mit vielen Spaß und interessante Gespräche oder teilt etwas anderes, aber wenige passen wirklich zu einem. Dennoch haben wir bis jetzt schon wirklich tolle Menschen getroffen und ich hoffe sie alle wiederzusehen. Auch hier auf der Farm hatten wir erst diese Woche drei Abschiede von drei tollen Mädels, die uns jetzt schon sehr fehlen. Man sucht sich eben seine „neue“ Familie so zusammen und ist immer wieder traurig, wenn man sie wieder verlassen muss – wie das eben im wahren Leben mit der Familie und den Freunden auch so ist.

Ansonsten versuchen wir am Sonntag immer etwas auszuschlafen, was uns bis jetzt noch nicht so gelungen ist. Es ist meist Waschtag. Und man möchte wie gesagt diesem Ort hier entfliehen. Letztes Wochenende stand allerdings ganz im Zeichen von Mareeba, denn es war Rodeo. Yihaa! Freitagabend ging s auf die Parade, welche durch die Stadt führte. Alle Einwohner von Mareeba, ganze 10.000, und das ganze Umland war gekommen, um dieses Ereignis nicht zu verpassen. Die Parade ist ein wenig wie Karneval, nur hundertfach kleiner. Umzugswagen, auf denen die zur Wahl gestellten Rodeoköniginnen sassen, Bonbons wurden geworfen, es war Rummel und sonstiges – und wir Basilikummädels mittendrin. Endlich mal was los in Mareeba. Endlich mal unter Menschen. Männer. Und viele Pferde. Das eigentliche Rodeo fand dann Samstag und Sonntag auf dem Rodeoplatz statt – etwa wie eine Manege – und die Cowboys unter sich, wie man es aus den Filmen kennt. Harte Jungs, ganze Männer, in Jeans, mit Hüten und Stiefeln, die auf Bullen und Pferden reiten und wie Helden gefeiert werden. Ein Volksfest auf Australisch. Und wir Mädels mittendrin in unseren karierten Blusen, ganz angepasst an die Umwelt. Allerdings waren wir erst am Sonntag auf dem Rodeo, denn am Samstag mussten wir wie immer arbeiten und waren abends bei unserer koreanischen Kollegin auf dem Campingplatz zum Dinner eingeladen. Sie hat für uns koreanisch gekocht, unglaublich lecker, und wir hatten einen ganz tollen, lustigen Abend und haben uns köstlich über ihre geringen Deutschkenntnisse amüsiert. Denn was lernt man immer zuerst in einer Fremdsprache? Die Schimpfwörter. Und das im Kanon mit ihrer Freundin, mit einem koreanischen Akzent, so dass man erst beim dritten Hinhören versteht, was eigentlich gemeint ist. Nach diesem kleinen Ausflug nach Asien ging es dann also am Sonntag wieder zurück nach Australien. Ins tiefste Australien – zum Rodeo. Wir haben gesehen wie Männer auf Bullen reiten, wer hält sich am längsten oder eben auf Pferden, die bocken. Manchmal konnte man garnicht hinschauen, weil es einfach nur grausam war und man Angst vor erst zunehmenden Verletzungen hatte. Tatsächlich hinkten einige Cowboys nach ihren Auftritten und auch für die Tiere ist es nicht wirklich angenehm. Aber im Großen und Ganzen war es ein Erlebnis, dass man in Australien zumindest einmal mitgemacht haben sollte – wir können es also von der Liste streichen. Außerdem waren wir gestern im Autokino. Für uns beide das erste mal überhaupt und hier auf dem Land der absolute Hit. In Mareeba gibt es gar kein anderes Kino sondern nur das Autokino. Man sitzt entweder in seinem Van hinten auf der Matratze, hat den Kofferraum offen oder mit Campingstühlen auf der Ladefläche seines Pick-Ups oder eben ganz normal im Auto. Es laufen zwei Filme, es gibt ein Cafe, in dem man sich mit Leckereien versorgen kann und den Ton kriegt man über Boxen, die man sich an die Fenster klemmt oder über eine bestimmte Radiofrequenz. So sitzt man dort also unter diesem wunderschönen, klaren Sternenhimmel und guckt Filme auf einer überdimensional großen Leinwand und kuschelt sich ins Auto. Einem Mädel von uns ist danach der van abgekackt, aufgrund des Radio, was über 3 Stunden lief, aber darauf ist man dort eingestellt, schliesslich passiert das dort des Wochenende. Und so war schnell Starthilfe gegeben und man wurde noch einmal schnell vor den Kängurus gewarnt, die derzeit vermehrt auftreten und ja gerade nachts gerne von den Scheinwerfern der Autos angezogen werden. In Deutschland warnt man vor Strassenglätte oder Rehen auf der Fahrbahn – hier eben vor Skippy.

So ergeht es uns also auf der Farm – und nebenbei. Wir haben viel Spaß und machen das Beste aus unserer Zeit und ab jetzt wird runter gezählt. Zudem planen wir gerade einen Trip nach Indonesien – die Reise nach Bali wird also ausgedehnt, aber es steht noch nichts genaues.

Und nun zu eurer aller Information: das Päckchen, welches wir am 12. April in Saigon/ Vietnam, mit der Post verschickt haben, ist gut im heimatlichen Hafen angekommen. Dort warten nun also unsere ersten Souvenirs auf uns.

 

Sobald es wieder tolle Geschichten von unsere kleinen Farm gibt, lasse ich es euch wissen. Bis dahin…