Unsere kleine Farm

4 07 2010

Wir sind nun also auf unserer Basilikumfarm angekommen. In Mareeba! Etwa 70 Kilometer westlich von Cairns. Aber erst einmal noch kurz etwas dazu wie wir hier hergekommen sind.

 Wir sind am Donnerstag, 17. Juni 2010, in Brisbane losgefahren und haben am ersten Tag etwa 500 km nach Gladstone zurückgelegt. Am Morgen hieß es aber erst einmal Abschied nehmen von Charlie und Maddie, die mit dem Flieger Richtung Airlie Beach geflogen sind, wo wir sie am nächsten Tag dann treffen sollten. In Gladstone haben wir eine Nacht auf einem Camping Platz verbracht, wo wir die Deutschen Jungs getroffen haben mit denen wir vorher schon in Brisbane waren und ordentlich unseren Sieg über Australien gefeiert haben. Gladstone hat, soweit wir das von einer kurzen Stadtbegehung beurteilen können, nicht wirklich viel zu bieten und von daher waren wir nicht traurig am nächsten Morgen weiter zu fahren. Freitag ging es also um 7 Uhr morgens weiter Richtung Airlie Beach. Sven und Henning, unsere neuen deutschen Freunde, waren mit von der Partie. Wir fuhren im Luzieland und sie in ihrer Rosie. Airlie Beach ist der Ausgangspunkt für Ausflüge auf die Whitsunday Islands. Eine recht große Inselgruppe vor dem Great Barrier Reef – ein berühmtes Fotomotiv, beliebtes Urlaubsziel und einfach traumhaft schön.  Der Ort an sich ist klein und beschaulich und ein typischer Urlaubsort mit vielen Bars und Cafés und einer kleinen Lagune, die im nördlichen Australien in fast keinem Seeort fehlen dürfen, da man hier nie so recht weiß, ob man in dem Ozean planschen kann. Denn dort gibt es allzu oft Haialarm oder tödliche Quallen, mit denen ein Zusammentreffen  für den Menschen immer tödlich endet. Also wurden künstliche Lagunen angelegt, in denen man sich von der Hitze erholen kann. Und das Wetter war nun schon wirklich anders. In Brisbane haben wir nachts noch gefroren und auch in der Sonne war es noch sehr frisch. Aber nun hatten wir den Capricorn überkreuzt und kamen dem Äquator immer näher – und das merkte man. Das Klima ist milder und die Nächte sind keinesfalls mehr zum Frieren. So konnten wir also auch in Airlie Beach zelten. Carla hatte allerdings das Vergnügen die erste Nacht in einem Doppelzimmer zu verbringen, welches Charlie als Überraschung für sie gebucht hatte. Süß!!! Da wurde es uns, und den beiden Turteltaubern, dann wohl wirklich bewusst, dass es jetzt bald hieß endgültig Abschied zu nehmen. Eigentlich war unser Plan nur eine Nacht in Airlie Beach zu verbringen, uns das Fussballspiel Deutschland gegen Serbien anzugucken und am nächsten Tag weiterzufahren. Denn der nächste Abschnitt bis nach Mareeba waren nun noch über 600 km – und das an einem Tag ist bei australischen Strassenverhältnissen recht viel. Machbar, aber es war mit 10-12 Stunden Fahrt zurechnen.  Aber da es nun unser letzter Tag zusammen bedeutete – die Familie Christe/Hearn und die beiden deutschen Jungs, haben wir uns dazu entschlossen eine Tagestour auf die Whitsunday Islands zu buchen. Für 99 AU$ war es unsers! Und wir bereuen es keinesfalls. Auf der „Big Fury“, einem Speedboot, ging es also am Samstagmorgen los – auf dem Programm stand Schnorcheln in einer Bucht mit bunten Fischen, Korallen und sonst keiner Menschenseele – Gott sei Dank ließ sich bei uns auch kein Hai blicken. Danach ging es zum Whitehaven Beach. Ein Traum! Schneeweißer Sandstrand, kristallblaues Wasser, das ganz flach reinging, und der Urwald im Rücken – dazu ein köstliches Mittagessen und Sonnenschein. Der Whitehaven Beach gehört zu den schönsten Stränden weltweit und ist ein beliebtes Foto- und Filmmotiv. Und wir waren da! Dafür haben wir gerne die lange Fahrt am Sonntag auf uns genommen. Besonders Carla, denn sie hatte eine Begegnung mit einer Schlange. Es ist schon komisch, dass immer Carla auf diese Tiere trifft, wo sie doch am meisten Angst hat. Es gab am Whitehaven Beach, auf der Insel, eine Toilette, die etwas im Wald gelegen war und auf dem Trampelweg dorthin, ist Carla eine Schlange begegnet. Sie ist sofort umgekehrt und kam schreiend an den Strand gelaufen, was natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Anwesenden wecket und auch die Australier waren sofort interessiert. Was für eine Schlange? Wie sah sie aus? Wo ist sie? Wie sich dann herausstellte, war sie wohl nicht besonders gefährlich, aber Carla war dennoch bedient. Da waren nun also schon etliche krabbelnde Tiere, die einem hier tagtäglich begegnen. Kakerlaken, Heuschrecken, komische Käfer, ein Lizard, eine Riesenmarde und eine Riesenspinne, wohl eine Hansman, die besonders gerne Carla über den Weg laufen. Dafür kam sie auch in den Genuss einen Koalabären auf den Arm zu nehmen und neben all den eher ekligen Tieren haben wir ja auch schon Kängurus, eine Riesenschildkröte, Delfine und andere tolle Tiere gesehen. Dies war also wieder eine tolle Exkursion der kleinen Carla Christe in die australische Fauna. Auf der Rückfahrt hatte ich besonders viel Spaß auf dem Boot – denn es war etwas frisch und alle sind nass geworden, da die Wellen so hoch ans Boot gepeitscht sind. Ich saß in der ersten Reihe und mir blieben die großen Wellen erspart, nur ein paar kleinere Spritzer kamen bei mir an, aber alle anderen waren wie geduscht – ein herrliches Bild, welches ich leider nicht mit meiner Kamera einfangen konnte, da ich Angst hatte, sie zu bei all dem Wasser zu benutzen. Bei der Ankunft im Hafen wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang aber wieder versöhnt und die Kälte und Nässe waren vergessen.

Sonntagmorgen, 6.00 Uhr, aufstehen, Zähne putzen, Café bei McDoof holen und ab auf die Straße. Und Abschied nehmen nicht vergessen! Nun war es also definitiv – unser Traumpaar, Charla, würde sich für etwa 9 Monate nicht sehen. Aber der Abschied wurde dank mir kurz und schmerzlos gestaltet und wir hatten ja nun ein Ziel vor Augen – und wie wir nun nach 2 Wochen auf der Farm wissen, bleibt hier nicht viel Zeit zur Traurigkeit, weil man einfach keine Zeit hat zum Nachdenken hat.

Aber erst einmal zur Ankunft. Wir haben also für die letzten 650 km etwa neun Stunden gebraucht und hatten wunderschöne Landschaften während unserer Fahrt, die an uns vorbeizogen. Von den Bergen, über Steppe bis hin zum Meer. Die Gegend um Mareeba ist unheimlich bergig, mit viel Regenwald und Wasserfällen, man kann sich garnicht vorstellen, dass man nur etwa 60 km vom Meer entfernt ist und somit vom Great Barrier Reef. Mareeba selbst ist aber eher Steppe als Regenwald, aber dennoch ist es ein unheimlich schönes Fleckchen Erde, was uns hier so umgibt. Nur leider kriegen wir hier nicht viel davon mit – also, zu unserem Job.

Wir wohnen auf der Farm – im Pausenraum. Es leben noch 8 andere Mädels hier, davon sind 6 ebenfalls Deutsch, eine Französin und eine Belgierin. Zickenkrieg ist also vorprogrammiert. Die anderen 8 wohnen allerdings in einem anderen Haus, wo wir nur zum Kochen und Essen hingehen und uns dann zurückziehen können, wenn wir wollen. Der Pausenraum ist zwar nicht grad die schönste Unterkunft, aber wir haben unser eigenes Bett, einen Fernseher und ein eigenes Bad und müssen es nicht, wie die anderen 8, teilen. Zwar könnten wir rüberziehen sobald wieder zwei die Farm verlassen, aber das haben wir uns schon nach dem ersten Tag anders überlegt, da wir unseren Rückzugort sehr genießen und trotz Dreck nicht eintauschen wollen. Und es hat sich mal wieder gezeigt – Preussen und Bayern, das passt einfach nicht und die Franzosen werden in diesem Leben wohl auch nicht mehr meine besten Freunde. Aber wir haben hier recht viel Spaß mit ein paar Mädels und machen das Beste aus dem Ganzen. Denn die Farmerfamilie ist etwas verrückt. Oder bekloppt. Oder schizophren. Oder was auch immer. Ich fange von vorne an.

Es gibt Roberto, ein alter Italiener, der vor 40 Jahren etwa nach Australien kam und seit über 20 Jahren Basilikum anbaut. Er hat eine Frau, Carmela, und zwei Söhne und eine Tochter. Roberto ist ein absoluter Choleriker und man weiß nie wann sein nächster Ausraster kommt. Auf seiner Maschine arbeitet und pflückt man und unterhält sich nicht – und wehe man pflückt nicht schnell genug oder in seinen Augen falsch. Dann kann er schon mal ausrasten! Leider versteht man ihn recht schlecht, also man immer nur zustimmen und einfach weiter machen und hoffen, dass es die einzige Ansage für den Tag war. Manchmal kann er auch wirklich nett sein, besonders Carla scheint er zu mögen, obwohl auch sie deswegen nicht von seinen Ansagen sicher ist. Ich und drei andere Mädels haben es einen Morgen geschafft, dass er nach zwei Minuten mit uns auf der Maschine, die Maschine wieder verlassen hat und mit seinem Sohn gewechselt hat, weil wir angeblich unfähig wären. Seitdem sitz ich meist auf der Maschine von seinem Sohn Vince, was mir sehr gelegen kommt.

Vince, der älteste Sohn, welcher eigentlich auf der Farm arbeitet. Seine beiden anderen Kinder, Eric und Giovanna, haben eigene Farmen oder dergleichen. Vince möchte die Farm am liebsten übernehmen, worauf man doch als Vater eigentlich stolz sein sollte, aber Roberto scheint Vince nicht so recht zu vertrauen. Vince wurde, kurz vor unserer Ankunft, eine Affäre mit einem der Mädchen angedichtet – ob was dran ist oder nicht, weiß man nicht, aber seitdem ist sein Leben wohl nicht grad das angenehmste. Er hat Stress mit seiner Frau und „darf“ nichts mehr. Wenn man ihn fragt, ob er noch ein Bier mit uns trinkt oder zum Barbecue kommt: Darf er nicht!!! Seine Familie verachtet ihn nun noch mehr und vertraut ihm noch weniger. Nun darf seine Schwester sämtliche Angelegenheiten mit uns klären, obwohl sie noch nicht mal auf der Farm lebt. Und man sollte den Namen Vince nicht allzu oft in Gegenwart seines Vaters erwähnen sonst wird einem auch noch was angedichtet.  Dabei scheint Vince noch der normalste in dieser Familie zu sein. Mit ihm hat man wirklich Spaß auf der Maschine, darf lachen und reden und er lobt einen sogar und hilft einem. Und er startet Kuppelversuche – er hat mich schon seinem Freund David vorgestellt, denn ich bin ja schon 27 und müsste doch mal langsam einen netten Mann kennenlernen und David wäre wohl genau der Richtige… äh, nein Danke! David habe ich dankend abgelehnt und einen Umzug nach Mareeba strebe ich auch nicht gerade an. Dennoch ist es sehr witzig und mit ihm macht das Arbeiten wirklich fast Spaß. Leider gab es am Dienstag vergangener Woche eine lautstarke Diskussion zwischen Vince und seinem Vater, die man über die ganze Farm hörte. Da fallen dann so Wörter wie „Fuck you“ und dergleichen und es ist erschreckend wie Vater und Sohn miteinander umgehen. Tja, und seitdem ist Vince nicht mehr auf der Farm gesehen worden, was sehr zum Bedauern von uns Mädels ist. Wir hoffen, dass er am Montag wieder da ist, aber immerhin durfte ich die ganze Woche über eine Maschine alleine mit drei anderen Mädels eine Pflückmaschine führen – sehr zur Erleichterung aller. Man brauch hier also keinen Fernseher oder irgendwelche Soaps, denn die Geschichten kriegt man hier täglich auf dem Silbertablett geliefert. Auf der einen Seite ist es sehr belustigend, aber eigentlich auch sehr traurig was hier so passiert. Aber wir stehen ja Gott sei Dank außen vor und müssen „nur“ Robertos Launen ertragen, was man aber meist mit einem Grinsen leicht aushalten kann.

Unsere Arbeitszeiten erstrecken sich von 6.30 oder 7.00 Uhr morgens bis etwa 17.30 Uhr – manchmal kürzer, manchmal länger, aber im Durchschnitt kommt man so auf 10 Stunden täglich. 10 Stunden, die man auf dieser Maschine sitzt und pflückt, und pflückt, und pflückt, pflückt, pflückt, pflückt…. Manchmal darf man auch ins Lager und Packen oder Kisten machen für den Versand. Es ist der Wahnsinn was da so an Basilikum am Tag durchgeht. Und man sitzt auf dieser Maschine und verstumpft so langsam – am Ende des Tages denkt man nur noch: „oh, was für ein schöner Busch“ oder eben „der Busch gefällt mir nicht, zu verfressen, zu viele kleine Äste“ oder „oh, noch ein Zweig und noch ein Zweig und noch ein Zweig…“ oder „oh, jetzt machen wir Big Bunches, ob das wohl 120 Gramm sind? Mmh, wohl zu gross… egal. Besser zu gross als zu klein“… und so weiter. Also, wir pflücken und müssen auf der Maschine abschätzen, was für Bündel wir machen – es gibt 70 Gramm, 80 Gramm und 120 Gramm Bündel und das ist auch schon die größte Herausforderung bei diesem Job, die man aber nach wenigen Tagen meistern kann. Ansonsten machen wir immerzu das gleiche – 10 Stunden täglich, 6 Tage die Woche und manchmal auch sonntags für ein paar Stunden. Die Tage gehen dafür aber recht schnell um und wir verdienen einfach richtig gutes Geld. Denn durch die vielen Stunden summiert sich ordentlich was und man hat ja auch nicht wirklich viel Zeit etwas auszugeben. Mareeba ist mit etwa 10.000 Einwohner nicht gerade eine Weltstadt und hat nicht viel zu bieten und am Sonntag kann man dann mal nach Cairns fahren oder sich die Umgebung angucken. Heute ist allerdings unser erster freier Sonntag, den letzten musste ich gleich arbeiten. Ansonsten geht es uns ganz gut hier auf der Farm. Man erleidet ein paar Blessuren und Blasen an den Händen durch das Pflücken, hat ein paar Nebenwirkungen von den Pestiziden oder was auch immer die auf das Basilikum sprühen, denn es wächst wie Unkraut. Ich vertrage das Wasser hier nicht ganz so gut und Carla hatte die ersten Tage einen dicken Monster-Daumen, was sich aber auch schon wieder gelegt hat.  Dennoch lassen wir es uns natürlich nicht nehmen die Fussball WM zu verfolgen – dafür stehen wir nachts auch auf – und bis jetzt ja mit Erfolg.

Es ist schon lustig, dass wir bei einer italienischen Familie Basilikum pflücken… nicht wahr? Tja, man kann seine Wurzeln eben nicht verleugnen. Wir wollen hier etwa 10 Wochen bleiben, wenn wir es durchhalten, aber wir haben ja schon 2 Wochen davon geschafft. Und danach haben wir gutes Geld zusammen und können weiterfahren und unser Ziel verwirklichen – ihr erinnert euch…. Bali!

Mal gucken wann ich wieder etwas schreiben kann, denn auch Internet ist rar in Mareeba, aber es folgen bestimmt bald ein paar neue Geschichten von unserer kleinen Farm. Spätestens nach dem Rodeo, was hier in zwei Wochen stattfindet und DAS Ereignis des Jahres ist – und wir sind dabei. Ansonsten ist die Landschaft traumhaft schön und nächsten Sonntag werden wir nutzen, um in einem Wasserfall planschen zu gehen. Ach ja, wir haben etwa 28 Grad, eine angenehme Temperatur zum Arbeiten und kriegen eine schöne Bauernbräune!

Bis bald…..



Auf in den Norden…

16 06 2010

Genauer gesagt: 1700 km nördlich! Aber noch sind wir nicht da, unsere letzten Schritte seit Byron Bay waren eher 100 km und 80 km.

Nachdem wir unseren letzten Tag in Byron Bay mit einem Bad im Whirlpool gekrönt haben und unsere Zelte die Nacht zuvor bei starkem Regen überlebt haben, ging es für uns am Mittwoch weiter nach Surfers Paradise. Allerdings nicht ohne einen Besuch in Nimbin auszulassen. Nimbin ist eine uralte Hippiestadt, im Hinterland von der Gold Coast, wo vor etwa 30 Jahren mal das Aquarius Festival stattgefunden hat. Und manche sind seitdem wohl nicht mehr aus dem kleinen Örtchen weggekommen. Es liegt mitten in den Bergen, in einer schönen Landschaft – grün, felsig, Wälder – und besteht eigentlich nur aus einer Straße, an der sich Cafés und Kifferzuberhör-Läden aneinander reihen. Ein Paradies für manch einen – die Hölle für manch anderen. Man konnte wohl noch vor einigen Jahren sämtliche Drogen auf der Straße erstehen, allerdings ist die Polizei so präsent, dass dies nun gänzlich unterbunden ist. Man fühlt sich ein bisschen wie in die wilden Siebziger zurückversetzt und so manch ein Hippie dort lebt das auch noch. Für uns war es ein netter Ausflug in eine andere Zeit. Da dies nur ein Tagestrip sein sollte, ging es wieder zurück an die Küste, Richtung Surfers Paradise. Man fährt an der Küste entlang, die Gold Coast, und fühlt sich ein bisschen wie in Amerika – die Orte heißen Miami, Palm Beach und dergleichen. Und ich hatte mir das alles etwas anders vorgestellt. Mehr so beschaulich wie in Byron Bay, aber da wurden wir bitter enttäuscht. Hier reiht sich eine Hotelhochburg an die andere und es geht nur ums Sehen und Gesehen werden. Nicht ganz das richtige für uns. Dennoch entschieden wir uns, einen Nacht im „Backpackers in Paradise“, einem ganz netten Hostel, einzuchecken und mal wieder richtig die Sau raus zulassen. Erst einmal fühlten wir uns aber wirklich ein bisschen wie im Paradies , denn unser Vierbett-Dorm verfügte über ein eigenes Badezimmer – welch ein Luxus. Das hieß, dass wir es uns nicht mit 20 anderen teilen mussten – herrlich! Wir entschlossen uns, eine Bartour, von allen Hostels im Ort organisiert, mitzumachen – nie wieder!!!! Das Beste an dem Abend war, dass wir eine Badehandtuch und eine Hawaiikette geschenkt bekommen haben. Ansonsten wird  man mit 100 anderen Backpackern, die meisten davon völlig besoffene Engländer oder Kanadier, durch 4 verschiedene Bars/ Clubs kutschiert, in dem man dann ein Freigetränk bekommt und nach 1,5 Stunden weiterzieht in den nächsten. Wir haben dennoch das Beste daraus gemacht, aber für uns war alle  klar – ein Mal, und nie wieder! Die Nacht endete für uns gegen 2 Uhr und wir fielen alle sehnsüchtig in unsere Betten, welche nach 4 Nächten zelten ein wahrer Luxus waren. Am nächsten Morgen sollte es weitergehen – nur niemand wusste so recht wohin. Direkt nach Brisbane? Noch irgendwo eine Nacht einlegen? Es waren allerdings nur noch 80 km bis nach Brisbane. Also verbrachten wir ein paar Stunden in der Umgebung von Surfers Paradise, saßen am Pier, ließen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und guckten auf den Ozean. Und siehe da, wir sahen eine Schildkröte – und zwar keine Kleine. Unser Highlight das Tages! Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden wir uns, nun nach Brisbane reinzufahren und auf dem Caravan Park zu übernachten. Wieder campen! Und siehe da, unser Weg führte uns direkt, dank gutem Orientierungssinn, Navigation und Karten zusammen basteln, zum Campingplatz. Der einzige, der nur 4 km vom Stadtzentrum entfernt lag. Und da uns das Glück gut gesonnen war, gab es auch noch einen freien Platz für uns. Also schlugen wir unsere Zelte wieder auf,  aber für mich hieß es endlich: Luzie, ich komme! Denn ich und Maddie schliefen im Auto, während Carla und Charlie unbedingt ins Zelt wollten. Und die erste Nacht mit meiner Luzie war toll! Es ist so gemütlich und kuschelig und ich bin ganz begeistert von meinen selbstgebastelten Vorhängen, die uns hier nun endlich mal zu Gute kamen. Eigentlich wollten wir nur für zwei Nächte auf dem Campingplatz verweilen, weil wir dann direkt am Samstag in die Stadt in ein Hostel mitten in der Stadt ziehen wollten, um die Fussballspiele zu gucken. Die WM Spiele werden in Australien zu unmenschlichen Zeiten übertragen. Wenn man Glück hat mal um Mitternacht oder sogar früher, aber unsere ersten Spiele, England und Deutschland, waren leider um 4.30 Uhr morgens. Aber wir haben uns anders entschieden. Denn man kam mit dem Bus gut in die Stadt und musste so oder so durchmachen, um sich die Spiele anzugucken und konnte so den ersten Bus wieder zurück nehmen. Allerdings fiel für mich persönlich das Englandspiel aus, da ich die Nacht zuvor etwas zuviel Wein mit ein paar Camper-Nachbarn getrunken hatte und unbedingt fit für unser großes Spiel gegen Australien sein wollte. Aber ich habe nicht wirklich viel verpasst, wie mir später berichtet wurde.  Auf unserem Campingplatz waren viel nette Deutsche, ein paar Franzosen und andere Nationen an Backpackern und Australier, die mit ihren Campervans jedem Haus Konkurrenz machen können. Zum neidisch werden! Aber wir fühlen uns auch so wohl – ohne den ganzen Luxus.

Das Spiel! Für den Sonntagabend schlossen wir uns alle zusammen, also wir Deutschen, und veranstalteten ein großes Barbecue, um uns auf den Abend einzustimmen. Mit dem letzten Bus, gegen 11 ging es dann in die Stadt. Wir wollten das Spiel auf einem Platz gucken, wo sie eine große Leinwand aufgebaut hatten – Public Viewing in Australien. Zuvor ging es aber in einen Club, in dem schon das erste Spiel des Abends übertragen wurde und wo man sich schön auf unser Spiel einstimmen konnte. Viele, viele Deutsche waren gekommen, um gemeinsam zu feiern. Wir zogen gegen halb drei zum Platz der Liveübertragung, wo wir mit reichlich Geschenken überworfen wurden. Eine Decke, ein Fanschal, eine Mütze, Unterhosen und Handtücher – alles von unserer gegnerischen Mannschaft , den Socceroos! Der Platz füllte sich immer mehr mit Deutschen und Australiern und die Stimmung war am Kochen. Schlachtrufe wurden kundgegeben, wobei die Deutschen eindeutig die Australier übertrumpften. Und dann war es so weit, um 4.30 Uhr Ortszeit war  Anstoß und schon in den ersten Minuten sollten wir in Tor schießen. Der Deutsche Fanblock war am Brodeln… auf der Australischen Seite wurde es immer ruhiger. Und nach 90 Minuten war es offiziell – wir hatten den Australiern heftig in den Hintern getreten. Allerdings nahmen diese es meist sehr gelassen hin, so dass wir unserer Freude freien Lauf lassen konnten. In einer großen Menschentraube wanderten wir zum Busstopp und waren heilfroh, als wir endlich, um 7.30 Uhr, in unseren Zelten ankamen. Was für eine Nacht! Das war mitunter eine der besten Nächte, die wir bis jetzt auf diesem Kontinent hatten. Nette, lustige Menschen, um einen rum, viel Spaß in den Backen und durchweg gute Stimmung . Hoffentlich müssen wir noch einmal gegen Australien antreten – obwohl die Chancen da wohl eher schlecht stehen.

Was wir sonst noch so in Brisbane gemacht haben: erste Priorität lag darin, einen Job zu finden. In Brisbane, um Brisbane herum oder sonst wo. Deswegen haben wir viel Zeit im Internet verbracht, haben unseren RSA Schein gemacht. Das Zertifikat, was man braucht in Australien, um in einer bar oder sonst wo, wo man mit Alkohol zu tun hat, arbeiten zu dürfen. Und da wir nun leider nicht mehr in New Soth Wales waren, sondern in Queensland sind, mussten wir es wieder machen, da die Zertifikate nicht von Bundesstaat zu Bundesstaat übertragbar sind, auch wenn es die gleichen Inhalte sind. Allerdings kann man es hier in Queensland online machen, und muss sich somit nicht für 6 Stunden in einen Kurs setzen – Vorteil für uns, und somit war die ganze Sache für uns in weniger als zwei Stunden abgehakt – der Barjob könnte nun also kommen! Kam aber nicht! Aber dazu gleich mehr. Neben intensiver Internetrecherche haben wir natürlich auch ein bisschen Brisbane erkundet und haben festgestellt, dass australische Städte sich doch sehr ähneln. Es gibt eben keine geschichtsträchtigen Häuser oder dergleichen zu bewundern – sondern eben Hochhäuser, Bürogebäude, Shoppingmalls und so weiter. Dennoch gefällt mir Brisbane fast besser als Sydney. Es ist etwas überschaubarer und ein bisschen mehr Flair. Aber vielleicht sind sie auch nicht wirklich miteinander zu vergleichen. Aber Brisbane hat die South Bank – das südliche Ufer des Brisbane Rivers, an dem man schlendern kann, es gibt ein Riesenrad, viel Kunst und Kultur, Cafés, einen Stadtstrand und am Samstag, als wir da waren, einen schönen Markt zum Gucken. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen – eine kleine Oase, in einer recht großen Stadt. Außerdem waren wir noch im Botanischen Garten, sind mit der Fähre über den Fluss gefahren und haben einfach das Stadttreiben genossen und uns ein paar unterschiedliche Viertel angeguckt. Nun neigt sich unsere Zeit in Brisbane dem Ende zu! Aus zwei, drei Tagen wurde immerhin eine Woche.

Gestern war der große Tag der Entscheidungen. Nachdem wir mehrere halbherzige Jobangebote hatten an der Ostküste, haben wir uns für einen definitiven entschieden – und der ist in Cairns. Besser gesagt Mareeba, etwa 60 km westlich von Cairns! Dort suchen sie zwei zierliche Mädchenhände, um Basilikum zu pflücken und zwar so dringend, dass sie sogar noch ein paar Tage auf uns warten. Wir starten also morgen früh und fahren 1700 km hoch in den Norden, um diesen Job anzutreten. Aber es ist derzeit so unglaublich schwierig einen Job zu finden an der Ostküste, weil es einfach zu viele Leute und zu wenig Jobs gibt, dass wir uns dafür entschlossen haben. Vielleicht verpassen wir ein paar Sachen an der Ostküste, aber manche Dinge können wir eventuell, dann wieder mit mehr Geld in den Taschen, nachholen. Wir unterteilen unsere Fahrt in drei oder sogar vier Etappen, denn man sollte in Australien wenn möglich nur im Hellen fahren, um die Chance ein Känguru anzufahren so klein wie möglich zu halten. Hinzu kommt, dass die Straßenverhältnisse hier doch sehr anders sind als in Deutschland. Also fahren wir am ersten Tag etwa bis Gladstone, dann am Freitag weiter nach Airlie Beach, um uns dort auch das zweite Deutschlandspiel anzugucken und ein paar Leute wieder zu treffen und dann geht es am Wochenende in einer oder zwei Etappen weiter bis nach Mareeba, wo uns der Farmer dann am Sonntag erwartet. Ich bin schon ganz gespannt und freue mich auf die Arbeit. Allerdings wird es eine wahnsinnige Umstellung für uns werden. Erstens ist das Klima dort wieder anders – Hitze! Worauf ich mich fast ein bisschen freue, da es hier manchmal doch noch sehr kühl werden kann, aber wahrscheinlich werde ich es verfluchen nach einer Woche Arbeit. Wie die Arbeit wirklich aussieht, was wir uns darunter vorstellen dürfen, wo wir genau wohnen werden, wissen wir noch nicht! Wir lassen uns überraschen.

Charlie und Madeleine steigen morgen früh in ein Flugzeug und fliegen weiter hoch in den Norden – da wir ja nicht wussten wie und wohin es für uns weitergeht. Nun werden wir sie wohl doch dann auch noch einmal für eine Nacht in Airlie Beach treffen. Ich bin aber sehr froh, dass es für uns nun wieder zu zweit weitergeht. Zu viert ist eben doch ab und zu sehr anstrengend und ich hatte oft das Gefühl ,die Mutter und Entscheiderin spielen zu müssen, was ich doch in meinem „freien“ Jahr garnicht machen wollte. Das hat nun ein Ende und Carlchen und ich können uns wieder ganz auf uns besinnen mit ein paar netten Bekanntschaften am Wegesrande, aber niemand, dem man sich dann so verpflichtet fühlen muss. Angenehm!  Wir hatten natürlich dennoch eine schöne Zeit zusammen, als Familie Christe-Hearn und ein bisschen komisch wird es bestimmt auch, wenn wir uns morgen dann trennen müssen.

So sieht es also aus. Wir wünschen unserer Luzie eine gute Fahrt und hoffen, dass sie weiterhin so eifrig fährt ohne zu Zicken! Ich melde mich dann von der Farm oder sonst wo, wo es Internet gibt, um euch zu berichten, wie uns der Basilikum so gefällt und ob wir nun nur noch Pesto essen dürfen? Fragen über Fragen, auf die wir wohl bald eine Antwort wissen.

Küsse aus der Ferne…



Eine Reise, die ist lustig…

7 06 2010

Wir machen auf jeden Fall das Beste draus.

Oder: Willkommen im Hippie-Land! Aber wie wir hier hin gekommen sind…. Liest selber:

Wir sind also am letzten Montag losgefahren und haben Sydney verlassen – endlich! Aber bevor es losging, mussten wir uns natürlich noch gebührend von Willi verabschieden – und ich möchte mich auch hier noch einmal in ganzer Form bei ihm bedanken. Es war so unglaublich toll, dass wir umsonst in diesem tollen Appartement unterkommen konnten. Thank you so much!

Danke Willi!!

Danke Willi!!

Also, jetzt kann es losgehen. Unser Weg führte uns nach Newcastle. Aber erst einmal hieß es „raus aus der Stadt“, was sich etwas schwierig gestaltete. Denn wir wollten nicht über die Harbour Bridge oder durch den Tunnel, da man dafür elektronisch zahlen muss und wir nicht über so eine Plakette verfügen. Also hieß es, um die Bucht herum fahren und den Highway finden mit bloßem Richtung Raten. Und nach etwas Zeit, viel Geduld  und einem kleinen Brüller, hat es uns aus der Stadt raus getrieben und wir waren auf dem ersehnten Highway in die richtige Richtung. Newcastle wir kommen! Nach etwa zwei Stunden Fahrt, nachdem wir eine Stunde durch Sydney geirrt sind, kamen wir in Newcastle an. Und ich war froh, dass ich mich dort schon ein bisschen auskannte und wir nicht ganz so planlos durch die Gegend irrten. Erst einmal ging es zum Newcastle Backpackers, einem kleinen, sehr süßen Hostel, dass für zwei Nächte unsere Heimat sein sollte. Dort eingecheckt, haben wir uns mit Tom getroffen, einem Australier, den ich bei meinem letzten Besuch in Newcastle kennengelernt habe. Mit ihm ging es dann erstmal durch die Pubs von Newcastle. Allerdings ist die Stadt an einem Montagabend doch sehr ausgestorben, aber wir konnten einen guten Überblick gewinnen. Dienstag hieß es Newcastle erkunden…  nach einem leckeren Frühstück in einem Café, dass ich in meiner Woche dort für mich entdeckt hatte, ging es zum Strand – und Petrus war uns an diesem Tag erst einmal milde gestimmt und bescherte uns fast nur Sonnenschein. Also, sind wir viel gelaufen. Erst einmal bis zum Leuchtturm, verrückte Surfer gucken und weiter auf’s Meer raus bis zur Hafeneinfahrt. Ein herrlicher Ausblick über den Pazifischen Ozean und mit einer steifen Brise um die Nase. Danach ging es mit dem Auto die Küste lang, an den zahlreichen Stränden entlang, alten Seebädern vorbei und an ein paar Aussichtspunkten. Auch die Newcastle Cathedral musste dran glauben, welche allerdings längst nicht mit denen in Europa mithalten kann, da sie einfach viel zu jung sind. Danach ging es wieder ins Backpackers zum Karten spielen und Dinner bereiten. Am nächsten Morgen sollte es gegen zehn Uhr losgehen nach Port Stephens, allerdings mit einem Abstecher ins Hunter Valley.

Also ging es los am Mittwochmorgen: Hunter Valley wir kommen! Hunter Valley ist ein bekanntes Weinanbaugebiet in Australien und wo es Wein gibt, gibt es auch andere Leckereien, wie wir bei ein paar Verkostungen feststellen konnten. Das Wetter war uns halbwegs milde gestimmt und so ging es bei Sonnenschein in die Berge. Vorbei an Weinbergen, auf zu den Weinkellern und Käsereien. Nach der ersten Verköstigung von Wein, drei Sorten wurden probiert, und dafür ein kleiner Obolus hinterlassen, strebte uns der Sinn nach Käse. Also ging es in eine Käserei, wo es guten Käse aus dem Hunter Valley gab. Auch hier wurde zugeschlagen! Neben vorzüglichen Käse gab es allerlei Olivenprodukte, wie Öl und Dips, durch die man sich schlemmen konnte. Wir kamen uns schon etwas dreist vor, uns durch alles durchzuschlemmen, ohne auch nur daran zu denken etwas davon wirklich zu kaufen. Denn auch die Preise im Hunter Valley sind atemberaubend hoch. Aber so ist das halt, wenn man Produkte zur Verfügung stellt zum Probieren, muss man ja auch damit rechnen, dass da so Schnorrer wie wir vorbeikommen. Nicht wahr?! Wir fanden das nur gerechtfertigt. Nach der Käserei ging es zum nächsten Winzer, diesmal für Prickelwein – sogar roten Schaumwein gab es dort. Ein interessantes Geschmackserlebnis für den Gaumen, gekühlten, prickelnden Rotwein zu probieren. Dort gab es neben dem Wein mal wieder leckere Dips für uns und ein bisschen Schokolade. Vollgeschlagen und meine Beifahrer alle leicht angeduselt, ich habe nur manchmal etwas genippt als Fahrer, ging es zu einer Brauerei. Und siehe da: dort gab es einen „Biergarten“ und nach deutschen Richtlinien gebrautes Bier. Naja, nicht ganz Deutsch, aber sie haben es versucht. Dies war dann nun also unsere letzte Station im Hunter Valley und unser Weg führte uns wieder zurück an die Küste – nach Port Stephens. Port Stephens ist eine Landzunge oberhalb von Newcastle, wo es die größten Wanderdünen Australiens gibt und es ist die Wal- und Delfinhochburg Australiens. Wir wollten dort unbedingt Meeressäuger sichtigen und die Natur genießen. Wir fuhren nach Anna Bay und wollten dort in einem Backpacker campen, allerdings war das Wetter mal wieder so schlecht, nur am Regnen, dass unser Zelt wohl davon geschwommen wäre. Und die Dorms in diesem wohl wunderschönen Backpacker, waren unverschämt teuer. Also ging es auf die andere Seite der Straße in einen Caravan Park, wo wir uns für zwei Nächte in einer Cabin einmieteten. Eine Cabin ist wie ein kleines Häuschen. Wir hatten dort zwei Schlafzimmer, ein Bad, ein Wohnzimmer und eine voll ausgestattete Küche zu einem reellen Preis. Ein Vorteil, wenn man zu mehreren reist, denn dann sind solche Cabins bezahlbar, da man nicht pro Person zahlt. Der Caravan Park lag direkt am Strand – und was für ein Strand. Leider konnten wir ihn aufgrund des schlechten Wetters nicht wirklich genießen, aber die Aussicht war wunderbar. Außerdem konnten wir nachts in den Sternenhimmel blicken, da es ausnahmsweise mal für zwei Stunden nicht regnetet und wurden vollends entlohnt. Der Sternenhimmel hier in Australien ist unbeschreiblich. Denn dadurch dass es generell viel dunkler ist, da es weniger bewohnt ist, sieht man den Himmel klarer und man hat einen anderen Blickwinkel als von Europa aus. Die Sterne wirken größer, klarer und greifbarer. Man kann sogar die Milchstraße sehen – unglaublich schön!

Am nächsten Morgen ging es auf in die Bucht von Nelson Bay, quasi die Hafenstadt von Port Stephens. Wir begaben uns auf die Suche nach einem Whale-Watching Boot und wurden schnell fündig, aber auch enttäuscht. Denn es stellte sich heraus, dass Wale gucken, sehr teuer ist. Für eine dreistündige Bootsfahrt, verlangten sie 60 $, was leider nicht in unserem Budget war. Also entschieden wir uns für eine 1,5stündige Bootstour nur zum Delfine gucken. Denn Delfine sichtet man hundertprozentig in der Bucht, bei den Walen auf dem Meer ist das dann ja auch noch so eine andere Sache.  Also ging es auf das Schiff. Und wer war mit uns auf dem Schiff: eine Reisegruppe von Asiaten. Anstrengend! Sie waren laut  und meinten unbedingt die Möwen füttern zu müssen, was wir weniger belustigend fanden, da hunderte von Möwen nun um unsere Köpfe schwirrten. Allerdings wurde dieses Spektakel sofort beendet, als der erste Delfin gesichtet wurde. Es ist unglaublich. Die Bucht ist voll mit Delfinen – mehrere kleine Gruppen, die durch die Bucht tollen, fressen und keine Scheu vor Booten zu haben scheinen. Und mit etwas Geduld, kamen die kleinen, schwarzen Punkte irgendwo im Wasser, immer näher und entpuppten sich als wunderschöne Tiere. Mit einer Grazie schwimmen sie durch das Wasser und sind ganz eins und lassen sich durch nichts ablenken! Faszinierend. Eine Gruppe von drei Delfinen schwamm direkt auf uns zu und tauchte unter unserem Boot durch – ein atemberaubender Augenblick! Dies war also unsere erste Begegnung mit Delfinen in Australien. An manchen Stranden kann man sogar mit ihnen schwimmen, und dies ist unser nächstes Ziel. Baden gehen und dann ganz natürlich mit ihnen schwimmen – wie aufregend! Die Wale haben wir leider auch nicht gesichtet, als wir auf einen Aussichtspunkt geklettert sind, um quer über die Bucht blicken zu können. Allerdings hatte das Wetter zu diesem Zeitpunkt auch wieder umgeschlagen, und es regnete Bindfäden. Wir fahren komplett durchnässt, und hatten einen Kilometerlangen Aufstieg hinter uns, und die Sicht war schlecht. Dennoch wurden wir auch hier vollends entschädigt. Man musste sich einfach nur vorstellen, wie es bei Sonnenschein wäre – die Wale am Horizont – klarer Himmel – weiße Strände – kristallblaues Wasser –  Sonnenschein! Aber auch bei diesem verregneten Wetter, hat die Gegend nichts von ihrer Schönheit verloren und hatte so etwas mystisches. Allerdings waren wir an diesem Abend besonders froh, in einer Cabin zu wohnen. Wir konnten heiße Schokolade trinken und uns vor den Fernseher setzen und einfach nur genießen, dass es uns gut geht. Dass wir das machen können, was wir gerade machen und dort sind, wo wir gerade sind!

Am nächsten Morgen, Freitag, ging es weiter die Küste hoch – nach Port Macquarie. Da der Weg nicht so besonders lang war, entschieden wir uns ein paar Umwege durch Nationalparks zu fahren und die wunderschöne Natur zu genießen. Denn diese Gegend ist das Land der großen Seen. Man schlängelt sich durch Urwälder, den Busch und kommt an einem großen See wieder raus – und dies wiederholte sich abermals. Unglaublich schön und man kann kaum begreifen, dass wir das alles erleben dürfen.  Auch hier stiegen wir ein paar Mal aus, um die Aussicht zu genießen und bestiegen mal wieder einen Aussichtpunkt, diesmal aber ohne Regen. Wir hatten einen unglaublichen Blick über das Hinterland, die Riesenseen, die fast an den Ozean grenzten und über das Meer, das in weißen Buchten schäumte. Unsere Reise endete im Port Macquaries Backpacker. Denn auch hier wollte es einfach nicht aufhören zu regnen und an Campen war nicht zu denken. Port Macquarie scheint ein schöner Ort zu sein, allerdings war bei diesem Regen nicht daran zu denken, ihn genauer zu erkunden. Da Carla allerdings unbedingt Koalas sichtigen wollte, sind wir durch ein Reservat gestapft – haben allerdings keine wilden Koalas gesichtet. Kein Wunder, ich hätte mich bei dem Regen auch verkrochen. Also haben wir uns entschlossen, in das Koala Krankenhaus zu fahren, um uns dort die Station anzugucken. Leider hatten wir die Fütterung gerade verpasst, aber dennoch konnten wir einen Blick auf ein paar Koalas erhaschen. Unglaublich süße Kreaturen, die den ganzen Tag nur Eukalyptus fressen und davon so benebelt sind, dass sie danach nur schlafen können, um dann anschließend wieder nur zu essen. Viele Koalas werden hier durch Autos oder andere Unfälle verletzt und landen dann in diesem Krankenhaus, um wieder aufgepäppelt zu werden und im besten Falle wieder in die Natur freigelassen zu werden. Völlig durchnässt, sind wir dann wieder ins Hostel zurück und haben uns mal wieder beim Poolspiel versucht. In Deutschland habe ich das letzte Mal Pool, oder eben Billard gespielt, als ich 16 Jahre alt war. Auch für sowas ist reisen gut – wieder neue/ alte Dinge auszuprobieren, auch wenn man nicht wirklich gut darin ist. Etwas was ich hier noch unbedingt probieren  möchte, ist Surfen. Allerdings gestaltet sich das ziemlich schwierig, da die Strömung so stark ist und teilweise so hohe Wellen sind, dass ich mich als Anfänger nicht darein trauen würde. Zudem müsste man schon einen richtigen Kurs machen, um überhaupt eine Chance zu haben. Also wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass wir uns nur auf Bodyboards trauen, um erst einmal ein Gefühl für den Ozean zu bekommen und vielleicht kommt es dann ja mit der Zeit, dass man sich mal auf ein richtiges Surfboard traut.

Aber erst einmal weiter mit unserer Reise. Nach unserer Nacht in Port Macquarie und dem ganzen Regen, haben wir uns entschlossen, direkt nach Byron Bay durchzufahren. Denn dort würde das Wetter schon beträchtlich besser und wärmer sein und das brauchen wir. Also ging es Samstag früh los mit unserer Luzie. Bis nach Byron Bay waren es nun etwa 400 Kilometer auf dem Pacific Highway. Die Landschaft ist unglaublich schön!!! Berge, Seen, Flüsse, Palmen, Urwälder, der Ozean, Klippen, kleine Orte und SONNENSCHEIN. Endlich! Gegen Nachmittag erreichten wir Byron Bay. Mit dem Cape Byron, der östlichste Punkt Australiens. Und here we are: willkommen im Hippie – Land! Byron Bay ist eine alte Hippie Hochburg und ein total süßer, kleiner, richtiger Ferienort. Wir sind in der „Arts Factory“ gelandet – DER Ort in Byron Bay für Backpacker. Es ist ein Mix aus Zeltplatz, Hostel und allem drum und dran. Man kann sogar in Tipis schlafen oder in Hütten an einem See. Es gibt Yoga-Kurse, man kann Didgeridoos bauen, Talentwettbewerbe, einen Pool und Whirlpool  und so weiter und so fort. Wir haben uns für Campen entschieden. Die günstigste Möglichkeit und da uns das Wetter bis jetzt gut gesonnen ist, auch keine Spur von Überschwemmungen. Wir haben unsere beiden Zelte gegenüber unter Palmen aufgeschlagen. Auf dem Campingplatz gibt es auch eine Küche, in der man gemütlich kochen kann und in den Kühlschränken seine Sachen verstauen kann. Und natürlich gibt es die üblichen, nicht ganz appetitlichen, Duschen und Toiletten, aber auch damit muss man sich eben anfreunden. Ansonsten ist das hier eine  große Familie und die meisten bleiben hier einfach hängen – man bucht erst einmal zwei Nächte und dann reist man irgendwann nach ein paar Wochen ab. Wir haben anfangs auch nur zwei Nächte gebucht, sind jetzt aber schon die dritte Nacht da… mal sehen, wie lange wir uns hier aufhalten werden, denn es gefällt uns wirklich sehr gut – abgesehen davon, dass die Nächte bitterkalt sind. Aber unser Schlafsack erweist einen guten Dienst und mit unserer superschicken Jogginghose, die wir zusammen mit einem super sexy Schlumpf noch in Sydney günstig erstanden haben, sind wir gut für die Nacht gewappnet. Es ist ein wahres Erlebnis mal wieder zu Campen. Aber wir schlagen uns ganz gut! Hier gibt es aber auch richtig eingefleischten Camper, die wohl auch in der freien Wildnis ohne Probleme überleben könnten. Es soll hier sogar welche geben, die hier leben. Leider konnten wir immer noch nicht ausprobieren, wie es ist in unserer Luzie zu Schlafen, da man hier auf den Campingplatz keine Autos mitnehmen kann. Aber der Zeitpunkt wird auch noch kommen. Ansonsten waren wir gestern endlich mal wieder im Pazifik schwimmen und konnten uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Heute war großer Waschtag und wir saßen Stunden bei den Waschmaschinen und Trocknern und warteten auf unsere Wäsche. Aber dies ist essentiell und man schafft es meist, auch aus Kostengründen, nur einmal die Woche. Aber es gibt noch einiges zu erkunden in Byron Bay. Heute Nachmittag ging es zum Leuchtturm, von dem man, wenn man Glück hat, Wale im Ozean sehen kann. Wir hatten kein Glück, obwohl man immer wie paranoid auf den Ozean blickt und denkt, man hätte in der einen oder anderen Welle einen Wal entdeckt. Und heute Abend ist DER Abend. Wir gehen ins Kino und gucken uns „Sex and the City2“ an – endlich! Ich bin schon ganz aufgeregt.

Wie es sonst weitergeht, wissen wir noch nicht. Carla und ich müssen unbedingt einen Job finden und wissen aber noch nicht so recht wo wir gucken sollen, um dann an diesem Ort etwas länger zu verweilen. Aber auch das wird sich noch zeigen. Ansonsten geht es uns nach wie vor gut. Luzie fährt ganz brav, sie hat schon 1500 km auf dem Zähler und macht noch keine Zicken.

Ich werde euch weiterhin auf dem Laufenden halten, wie es mit den Geschwistern Fürchterlich so weitergeht und wo wir landen werden. Wir sind selber ganz aufgeregt und gespannt, was mit uns passiert.



Bye, bye und auf Wiedersehen!

29 05 2010

Das heißt es jetzt für uns und Sydney! Unser Plan sieht wie folgt aus – es gibt keinen Plan! Wir wissen nur, dass wir die Ostküste hochfahren wollen und dabei so viel wie möglich sehen möchten. Ein paar Stopps haben wir uns natürlich schon ausgeguckt, die wir nicht verpassen möchten, aber wenn was rechts oder links oder drunter und drüber ist, was man sich ansehen sollte, werden wir das machen. Luzie ist soweit startklar. Wir waren bei Ikea und haben uns Stoff besorgt, aus dem wir jetzt reizende Vorhänge gezaubert haben – natürlich passend zum Farbkonzept. Bei Ikea gab es natürlich auch den obligatorischen Hot Dog für uns, denn so ein günstiges, vorzügliches Mahl sollte man sich auch in Australien nicht entgehen lassen. Wir waren noch einmal in der Werkstatt mit Luzie, da der Zigarettenanzünder nicht funktioniert hat, und wir diesen dringend benötigen, um unsere elektronischen Geräte aufladen zu können. Und es hat sich bewiesen, dass wir den richtigen Griff mit dem Auto gemacht haben und es auch gut war, es über einen Händler zu kaufen. Denn wir mussten für die flotte „Reparatur“ des Anzünders nichts bezahlen und zu unserer Beruhigung, hat uns der Mechaniker noch einmal grünes Licht gegeben für eine sichere Fahrt mit Luzie – es kann also los gehen. Da Luzie ja schon voll ausgestattet war mit einem super Radio plus MP3 Player Anschluss, Bett, neuen Schlafsäcken & Kissen, Gaskocher und Zubehör wie Besteck, Geschirr und Töpfen sowie einem Zelt und einem kleinen Tisch und zwei kleinen Stühlen, fehlt uns jetzt nichts mehr, um sie als vollwertiges Campingauto zu nutzen. Die Vorhänge dienen vor allem zum Komfort, da wir auf der Ebene der Fenster schlafen und man uns sonst genau ins Gesicht starren könnte beim Schlafen – und wer möchte das schon gerne.

Am Montag soll es losgehen! Wir werden zuerst in Newcastle Halt machen – also nicht weit weg von Sydney. Ich war ja schon dort wegen meinem Job, aber mir hat es dort recht gut gefallen und wir wollen es uns einmal in Ruhe angucken. Zudem habe ich dort ein paar Leute kennen gelernt, die man so noch einmal besuchen kann. Vielleicht geht es von dort aus noch ins Hunter Valley, einem Weinanbaugebiet im Landesinneren in der Nähe von Newcastle. Dann soll es auf jeden Fall nach Port Stephens gehen, wo wir uns Wale und Delfine angucken möchten, aber nicht etwa in einem Aquarium sondern im Ozean. Port Stephens ist DIE Walhochburg Australiens und da gerade die Wanderung begonnen hat, haben wir gute Chancen wohl auch wirklich welche zu sichtigen. Delfine gibt es dort wohl immer und auch Koalas. Ich kann es schon kaum erwarten. Der Weg soll uns dann weiter durch ein paar Nationalsparks über Port Macquarie, Coffs Harbour, Ballina, Byron Bay und Surfers Paradise nach Brisbane und weiter führen. Wie gesagt, ob wir dort wirklich überall Halt machen oder ob noch etwas dazu kommt, wissen wir noch nicht. Es fühlt sich so gut an, endlich wieder weiter zu reisen. Der Monat in Sydney war zwar ganz schön, aber ich habe das Gefühl ihn nicht richtig genutzt zu haben. Denn ich habe von den 5 Wochen hier 4 Wochen gearbeitet und hatte kaum Zeit etwas zu erleben und zu sehen. Dennoch war es gut so, wie es war. Denn wir haben den Komfort eines eigenen Appartements sehr genossen, konnten dadurch eine Menge Geld sparen und wenigstens ein bisschen das Großstadtflair genießen. Durch den Job habe ich doch relativ viel gesehen von der Stadt, auch wenn es nicht die üblichen Tourispots waren. Aber in meiner letzten Woche konnte ich immerhin schon anderen Touris helfen, wenn sie nach dem Weg gefragt haben – ein lustiges Gefühl. Und für die üblichen Tourispots ist ja noch Zeit, wenn wir im Winter wiederkommen – man muss sich ja noch etwas zum Erkunden übrig lassen, damit man noch etwas hat, worauf man sich freuen kann. Aber jetzt ist erst mal genug mit der großen Stadt. Außerdem ist unsere Garderobe auch garnicht auf Sydney ausgelegt, denn es geht hier schon etwas schicker zu undda fallen wir schon sehr raus mit unserem typischen Backpacker-Gepäck. Aber so erkennt man sich wenigstens immer untereinander als Backpacker. Hinzu kommt auch noch, dass es so langsam recht frisch wird und es seit fast zwei Wochen nur regnet – und deswegen sind wir ja nun wirklich nicht aus Deutschland geflüchtet. Weiter im Norden erwartet uns ein milderes Klima und noch weiter nördlich, bei Cairns, sogar wieder die Hitze, wie wir sie aus Asien kennen.

Asien – ein gutes Stichwort! Wenn ich in meinem Promotion Job eine Sache gelernt habe, dann ist es, dass man sich Ziele setzen muss. Erreichbare Ziele nach denen man stets streben sollte. Habe ich im Blog bis jetzt eigentlich einmal erwähnt, dass ich bereits nach meiner ersten Woche befördert wurde, weil ich so gut war? Nein! Dann habe ich es jetzt getan. Deswegen durfte ich morgens immer an Meetings und Trainings teilnehmen und wenn ich länger geblieben wäre, hätte ich mein eigenes Team gebildet und somit eine Managerposition erhalten – aber das nur nebenbei. Allerdings waren die Meetings wirklich sehr lehrreich und ich konnte ein paar Dinge mitnehmen für mein Privatleben und weitere Jobs. Also, zurück zu den Zielsetzungen. Carla und ich haben uns ein Ziel gesetzt. Wir möchten gerne von Cairns oder Darwin für ein paar Wochen nach Bali fliegen – quasi Urlaub vom Urlaub machen. Und da es uns so gut in Asien gefallen hat und man von Australien auch günstiger und schneller dorthin kommt, ist das nun unser großes Ziel, dass wir verfolgen werden. Wie wir es erreichen wollen? Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Wir müssen also einen Job, oder mehrere finden, mit dem wir genug verdienen, um unsere Kosten zu decken und unsere Reise durch Australien zu finanzieren, aber auch so viel sparen können für ein Flugticket nach Bali. Letztenendes sparen wir sogar, wenn wir nach Bali fliegen würden, da dort die Lebenshaltungskosten wesentlich günstiger sind und es sich so quasi auswiegen würde. Wir werden sehen! Dennoch werden wir alles versuchen, um uns diesen Wunsch erfüllen zu können.

Aber jetzt geht es erst einmal durch Australien. Und wir werden das erste Stück zu viert reisen, denn Charlie und seine Schwester sind dabei. Carla ist darüber natürlich sehr erfreut und ich bin mal gespannt, denn es ist immer schwieriger vier Meinungen unter einen Hut zu bekommen als nur zwei. Aber das wird schon. Ich merke, dass ich viel gelassener geworden bin, seit wir unterwegs sind und ich mir über kleine Dinge, über die ich mir vor drei Monaten vielleicht noch den Kopf zerbrochen hätte, jetzt kaum noch Gedanken mache. Ich bin einfach nur glücklich und genieße die schönen Seiten des Lebens uns erfreue mich daran, dass es uns so gut geht im Vergleich zu anderen. Dazu hat die Reise durch Asien eine großen Teil beigetragen, und mein Job für die Charity ebenso.

Ach ja, eine Sache ist allerdings noch sehr wichtig – wir müssen unbedingt einen guten Platz finden, an dem wir am 13. Juni das Fussballspiel gegen Australien gucken können, um zu sehen wie wir den Socceroos, auch ohne Ballack, in den Hintern treten werden. Und, am Mittwoch geht es zur Pemiere von „Sex and the City2“… ein bisschen Luxus muss schon sein.

Also, genießen wir das Leben – egal wo wir sind, ob in Australien oder Deutschland, denn wir leben ein unglaublich privilegiertes Leben!

 



Ein Haus am Meer

16 05 2010

Das bewohnen wir nun also seit drei Wochen und fühlen uns dort pudelwohl. Ich persönlich habe zwar nicht mehr so viel davon, dass es ziemlich direkt am Meer liegt, da ich ja von früh bis spät arbeite, und sich mein Arbeitsweg dadurch doch sehr verlängert, dennoch ist es ein tolles Lebensgefühl und wird am Wochenende voll ausgekostet.

Zum allgemeinen Befinden: es geht uns gut. Ab und zu kommen ein paar Ängste hoch, ob man es wohl schafft genug Geld zu verdienen und wie und wo es dann wohl weitergehen soll, aber die verschwinden auch genauso schnell wieder wie sie gekommen sind. Zwischendurch habe ich solche Glücksgefühle und weiß doch letztenendes, dass wir einfach nur frei sind –frei in unseren Entscheidungen und Wegen, die wir einschlagen wollen – wir können tun und lassen was wir wollen. Und wenn mir der Job keinen Spaß mehr macht und Carla immer noch keinen Job hat, reisen wir einfach weiter… und dort wird es anders. Oder man reist einfach wieder weiter. Dieses Gefühl muss ich mir nur bewahren, denn manchmal vergesse ich es, aber dann ist Carla da mit ihrer jugendlichen Leichtsinnigkeit und erinnert mich wieder daran. Und es fühlt sich einfach nur gut an! Wir haben zwar jetzt Charlie und Madeleine mit im Boot, und wenn das nicht mehr klappt, weil man unterschiedliche Vorstellungen hat, war von vorneherein abgemacht, dass man sich dann wieder trennt. Also sind wir alle immer noch unabhängig.

Derzeit macht mir der Job aber noch Spaß – meistens. Und ich habe schon meine erste Beförderung erhalten, da ich in der ersten Woche über 500 $ verdient habe und nun bin ich ein Leader. Es gibt ein paar Tage, die gut laufen (=viel Geld) und manche, die eben nicht so gut sind, aber dafür mache ich es ja dann für den guten Zweck. Ich lerne unglaublich viele Menschen kennen, sehe Orte in Sydney, an die ich sonst wahrscheinlich nie gekommen wäre, und wohl auch meistens nichts verpasst hätte, und wenn ich wollte, könnte ich jeden Abend mit einem anderen Mann ein Bier trinken gehen… das bringt das Anquatschen fremder Männer eben so mit sich und diese können dann meist nicht unterscheiden, dass es eben mein Job ist. Dennoch macht es meist Spaß und flirten nebenbei ist ein netter Zeitvertreib. Es ist tatsächlich so, dass wir Mädels meist die Männer ansprechen und unsere Kollegen, sich um die Frauen kümmern – funktioniert ganz gut. Und ich bin unendlich froh, denn wir haben die Charity gewechselt. Ich trage jetzt nicht mehr rot! Wir sind seit Mittwoch für „Medecins sans Frontieres“(Ärzte ohne Grenzen) unterwegs und ich bin ganz begeistert und würde am liebsten selber unendlich viel Geld spenden für diese Organisation. Seit unseren Erfahrungen in Kambodscha habe ich ja das Gefühl, dass man was abgeben muss, von dem was wir in der westlichen Welt auf jeden Fall alle zu viel haben und diese Arbeit jetzt, zeigt es wieder einmal. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass das mein erstes Anliegen in diesem Job ist – da schlägt meine soziale Ader. Ich hatte am Donnerstag ein sehr interessantes Gespräch mit einem meiner Passanten darüber, der letztenendes auch gespendet hat. Und solche Gespräche kommen immer öfter vor und beide Seiten profitieren davon. Ich mache mir schon einige Gedanken darüber, was ich machen kann, wenn ich wieder zurück bin. Nicht zu viele, denn immerhin habe wir noch einige Monate vor uns und wegen unserer vorher erwähnten Freiheit und so – aber manchmal überkommen mich solche Gedanken. Da wäre: Reisejournalistin! Dank eurer Rückmeldungen 😉 Administration in einer Hilfsorganisation oder gleich vor Ort! Oder Charity Events organisieren! Ein Hotel eröffnen für den guten Zweck in einem armen Land und somit die local community unterstützen! Eins der besten Hostels weltweit zu eröffnen – denn ich weiß mittlerweile was man braucht und wonach sich die Backpacker sehnen…. Viele Gedanken! Ihr könnt euch gerne mit einklinken!

Soviel zu meiner Arbeit! Carla hat noch immer keinen Job. Der Job, der ihr sicher war, hat sich als eine große Verarsche entpuppt. Der Typ von dem Restaurant wollte ihr immer schreiben, wann sie nun arbeiten muss, hat es aber nie getan und dann die dümmsten Ausreden gebracht. Anstatt einfach zu sagen, er hat derzeit keine Arbeit, weil zu wenig los ist, hat er Carla nun fast zwei Wochen hingehalten. Nun muss sie sich nur noch ihr Geld von dem einen Tag Arbeit besorgen und wird dem dann nicht mehr vertrauen und sich ernsthaft etwas anderes suchen.

Sydney! Ich habe endlich das Opernhaus gesehen. Bei Tageslicht. Konnte es aber nicht anfassen, aber ich fange von vorne an. Gestern hatte ich meinen Sydney-Discovery-Day. Carla und ich haben uns auf den Weg gemacht in die Stadt. Erst sind wir durch den Botanischen Garten Richtung Hafen gelaufen und Richtung Opernhaus. Ein toller Park, der unglaublich schön angelegt ist und gerne von den Australiern zum Picknicken genutzt wird. Und da kam sie – die Oper! Ein architektonisches Meisterwerk, wie ich finde. Leider kamen wir nicht ganz ran, da es völlig überfüllt war mit tausenden von Menschen, denn Jessica Watson ist heimgekehrt. Ein kleines, australisches Mädchen, das die Welt allein umsegelt hat und hier wie ein Volksheld gefeiert wird. Und gestern war der Tag ihrer Heimkehr und tausende Menschen wollten dabei sein. Fernsehteams, Promis und alle waren da, um sie zu feiern. Dennoch habe ich die Oper gesehen und fand das Drumherum auch sehr interessant – wir fahren noch einmal hin und dann möchte ich sie berühren und genauer betrachten können. Nach all dem Trubel sind wir zum Hafen gelaufen und haben uns in der Sonne ein Eis gegönnt und haben uns dann entschlossen eine Fähre nach Balmain, auf die andere Seite der Bucht zu nehmen. In Balmain habe ich am Freitag gearbeitet und ich fand es dort so schön und beschaulich, dass ich es Carla zeigen wollte. Außerdem wollten wir unbedingt Fähre fahren und die Aussicht bei diesem herrlichen Wetter genießen. Also ging es vorbei an der Oper, durch die Harbour Bridge nach Balmain. Und ich hatte recht, Carla hat es dort auch sehr gefallen. Es war wie ein Ort der Ruhe und Erholung mit vielen kleinen Cafés und Boutiquen. Danach haben wir einen Bus zurück in die Stadt genommen und sind noch ein bisschen durch Chinatown gelaufen und fühlten uns auf dem Markt wieder ein paar Wochen zurückversetzt. Wie in Asien und wir wurden ein bisschen wehmütig. Es war so schön in Asien, in allen Ländern, die wir besucht haben und ab und zu überlegen wir uns noch einmal einen Flug zu buchen, um dort noch einmal ein paar Wochen zu verbringen. Wir werden sehen…

Ansonsten erlebe ich derzeit außerhalb der Arbeit nicht sehr viel. Denn der Wecker klingelt um 05.45 Uhr und wenn ich nach Hause komme, ist es meist sieben Uhr abends und nicht mehr viel los mit mir. Dafür hat Carla dann meistens schon etwas leckeres gekocht und ich muss mich nur an den Tisch setzen. So nutze ich die Wochenenden voll aus und versuche so viel wie möglich zu erleben. Da mich allerdings seit über einer Woche eine blöde Bronchitis quält, gestaltet sich das auch etwas ruhiger. Dennoch: uns geht es gut! Wir verstehen uns weiterhin gut und sind jeden Tag froh, dass wir uns haben und diese tolle Reise gemeinsam machen können. Wahrscheinlich bleiben wir noch bis zu drei Wochen in Sydney und reisen dann weiter hoch in den Norden. Denn das Wetter wird langsam frisch und unsere Garderobe wird dem nicht mehr ganz so lange standhalten können.

Und dann denke ich immer: Freiheit!!! Was für ein Privileg….

Flughunde am Schlafen

Flughunde am Schlafen

Carla, Madeleine und Charlie...

Carla, Madeleine und Charlie...

Blick vom Botanischen Garten auf die Skyline

Blick vom Botanischen Garten auf die Skyline

Carla & Ich vor der Oper

Carla & Ich vor der Oper

Alle warten auf Jessica...

Alle warten auf Jessica...

Harbour Bridge

Harbour Bridge

Circular Quay... Faehrterminal

Circular Quay... Faehrterminal

Opera House

Opera House

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Sydney Skyline

Sydney Skyline

Darling Harbour zum Sonnenuntergang

Darling Harbour zum Sonnenuntergang

Unser Haus am Meer

Unser Haus am Meer



Das Rote Kreuz

9 05 2010

… fuer diesen Verein arbeite ich also derzeit!

Die Woche in Newcastle war recht erfolgreich und ich hab ganz nette Kollegen und wir waren auch gut untergebracht. Haben uns quasi einen Caravan geteilt, direkt am Strand – ich konnte nachts die Wellen rauschen hoeren, hatte allerdings sonst nicht sehr viel von der schoenen Unterkunft, da wir den ganzen Tag ueber gearbeitet haben. Mein Job sieht so aus: Quatschen! Quatschen! Quatschen! Scherzen! Flirten… und Spass haben – und natuerlich so viele Leute wie moeglich zu ueberzeugen, dass sie fuer das Rote Kreuz monatlich etwas spenden wollen – also die ersten Punkte liegen mir ja sehr gut… und das mit dem Ueberzeugen der guten Sache schaff ich auch. Ich haette in der Woche jeden Abend mit einem anderen Australier einen trinken gehen wollen, wenn ich gewollt haette und habe interessante Bekanntschaften geschlossen. Man lernt viele Menschen kennen – natuerlich nur fluechtig, aber man hoert viele interessante Geschichten. Viele Australier haben einen deutschen Background und so hat man immer einen Aufhaenger. Im Grossen und Ganzen ist der Job also in Ordnung… ich bin mal sehr gespannt, was die Woche in Sydney jetzt so bringt, denn hier ticken die Leute schon anders. Bin aber wieder froh „zuhause“ zu sein… bei meiner kleinen Schwester. Carla hat eigentlich einen Job in einem Restaurant hier in Bondi Beach, aber bisher konnte sie erst einmal arbeiten, scheint etwas komplizierter zu sein, also wird sie nebenbei noch etwas Ausschau halten.

Ansonsten geht es uns sehr gut – unsere Wohngemeinschaft hat sich vergroessert da ja jetzt Charlie und Madeleine da sind, aber das funktioniert sehr gut – zudem bin ich eh den ganzen Tag am Arbeiten. Ich bin leider mal wieder etwas erkaeltet – woher weiss ich nicht – aber auch das werde ich schnell ueberwinden.

Also, ich werde bald mal eine Fotosafari machen und euch mit neuem Stoff beliefern und mich in aller Ruhe in ein Internetcafe oder bei MacDoof zurueckziehen und alle hochladen… schon bald! Bestimmt!

Bis dahin hoffe ich, dass es euch allen gut geht – wir sind ja nun jetzt schon 2 Monate unterwegs und die Zeit vergeht wie im Fluge…

Gruesse aus der Ferne!!!



Sydney

24 04 2010

… auf der andern Seite der Welt!

Wir sind also seit Mittwoch in Sydney und haben immer noch nicht wirklich viel gesehen, da wir erst einmal alles erledigt haben. Und wir haben ein Auto gekauft! Unser Auto! DAS Auto! Ein Pajero! Blau! Allradantrieb! Grooooosss! Mit Bett hinten drin (wenn man die Sitze umklappt) – richtige Matratze, Schlafsaecke, fertig – und wir haben etwas mehr bezahlt als eigentlich vorher geplant. Aber wir fuehlen uns so sicherer. Wir haben es nicht von einem anderen Backpacker abgekauft, was sicherlich guenstiger gewesen waere, sondern von einem Haendler – und so ist das Auto komplett gecheckt und ueberholt. Haben einen neuen TUEV drauf und haben eine Versicherung. Und so etwas wie eine ADAC Mitgliedschaft, die wir hoffentlich nie brauchen werden, aber falls doch etwas sein sollte, werden wir kostenfrei abgeschleppt und teilweise auch bestimmte Dinge repariert. So ist es fuer uns doch etwas sicherer, da wir ja so gar keine Ahnung von Autos haben. Es ist nun bezahlt, wir sind nun die rechtmaessigen Eigentuemer und heute holen wir es ab!!

Deswegen haben wir noch nicht viel gesehen von dieser anscheinend tollen Stadt, ausser Behoerden, Autohaendler, Banken und das drum herum. Aber bis jetzt gefaellt es und sehr gut! Wir werden vielleicht noch bis Montag in Sydney bleiben, wenn wir irgendwo nen Schlafplatz fuer uns im Auto finden oder ein bisschen raus fahren. Das werden wir dann gleich mal sehen!

Ansonsten geht es die Ostkueste hoch Richtung Norden. Und hoffentlich finden wir auf dem Weg dort einen Job. Im Hunter Valley, etwa 150km noerdlich von hier, ist grad Olivensaison oder noch noerdlicher kann man Nuesse ernten… das wuerden wir erst einmal machen und dann noch noerdlicher auch andere Jobs, denn da beginnt in einem Monat die High Season auch fuer das Gastgewerbe. Schon ein komisches Gefuehl nicht zu wissen wo und wie und wann man Arbeit findet und wo man hinfaehrt. Eigentlich unglaublich frei – aber ich kann es noch nicht so ganz geniessen – ich brauch ja immer etwas mehr Sicherheit, aber Carla holt mich dann zurueck mit ihrer Lockerheit. Mal wieder eine gute Ergaenzung! Allgemein verstehen wir uns nach wie vor sehr gut und freuen uns auf die weiteren Monate.

Die Leute hier in Australien sind im allgemeinen juenger als wir – man merkt den Unterschied auch gewaltig teilweise, aber vielleicht begegnen einem ja noch andere Leute. Und nen paar Nete waren auf jeden Fall schon dazwischen so wie voellig bekloppte Briten – mal wieder!

Also, heute geht die Reise los!! Wohin – werden wir sehen!

Fotos vom Auto werden nachgeliefert.

Gruesse nach Deutschland…