Ein Haus am Meer

16 05 2010

Das bewohnen wir nun also seit drei Wochen und fühlen uns dort pudelwohl. Ich persönlich habe zwar nicht mehr so viel davon, dass es ziemlich direkt am Meer liegt, da ich ja von früh bis spät arbeite, und sich mein Arbeitsweg dadurch doch sehr verlängert, dennoch ist es ein tolles Lebensgefühl und wird am Wochenende voll ausgekostet.

Zum allgemeinen Befinden: es geht uns gut. Ab und zu kommen ein paar Ängste hoch, ob man es wohl schafft genug Geld zu verdienen und wie und wo es dann wohl weitergehen soll, aber die verschwinden auch genauso schnell wieder wie sie gekommen sind. Zwischendurch habe ich solche Glücksgefühle und weiß doch letztenendes, dass wir einfach nur frei sind –frei in unseren Entscheidungen und Wegen, die wir einschlagen wollen – wir können tun und lassen was wir wollen. Und wenn mir der Job keinen Spaß mehr macht und Carla immer noch keinen Job hat, reisen wir einfach weiter… und dort wird es anders. Oder man reist einfach wieder weiter. Dieses Gefühl muss ich mir nur bewahren, denn manchmal vergesse ich es, aber dann ist Carla da mit ihrer jugendlichen Leichtsinnigkeit und erinnert mich wieder daran. Und es fühlt sich einfach nur gut an! Wir haben zwar jetzt Charlie und Madeleine mit im Boot, und wenn das nicht mehr klappt, weil man unterschiedliche Vorstellungen hat, war von vorneherein abgemacht, dass man sich dann wieder trennt. Also sind wir alle immer noch unabhängig.

Derzeit macht mir der Job aber noch Spaß – meistens. Und ich habe schon meine erste Beförderung erhalten, da ich in der ersten Woche über 500 $ verdient habe und nun bin ich ein Leader. Es gibt ein paar Tage, die gut laufen (=viel Geld) und manche, die eben nicht so gut sind, aber dafür mache ich es ja dann für den guten Zweck. Ich lerne unglaublich viele Menschen kennen, sehe Orte in Sydney, an die ich sonst wahrscheinlich nie gekommen wäre, und wohl auch meistens nichts verpasst hätte, und wenn ich wollte, könnte ich jeden Abend mit einem anderen Mann ein Bier trinken gehen… das bringt das Anquatschen fremder Männer eben so mit sich und diese können dann meist nicht unterscheiden, dass es eben mein Job ist. Dennoch macht es meist Spaß und flirten nebenbei ist ein netter Zeitvertreib. Es ist tatsächlich so, dass wir Mädels meist die Männer ansprechen und unsere Kollegen, sich um die Frauen kümmern – funktioniert ganz gut. Und ich bin unendlich froh, denn wir haben die Charity gewechselt. Ich trage jetzt nicht mehr rot! Wir sind seit Mittwoch für „Medecins sans Frontieres“(Ärzte ohne Grenzen) unterwegs und ich bin ganz begeistert und würde am liebsten selber unendlich viel Geld spenden für diese Organisation. Seit unseren Erfahrungen in Kambodscha habe ich ja das Gefühl, dass man was abgeben muss, von dem was wir in der westlichen Welt auf jeden Fall alle zu viel haben und diese Arbeit jetzt, zeigt es wieder einmal. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass das mein erstes Anliegen in diesem Job ist – da schlägt meine soziale Ader. Ich hatte am Donnerstag ein sehr interessantes Gespräch mit einem meiner Passanten darüber, der letztenendes auch gespendet hat. Und solche Gespräche kommen immer öfter vor und beide Seiten profitieren davon. Ich mache mir schon einige Gedanken darüber, was ich machen kann, wenn ich wieder zurück bin. Nicht zu viele, denn immerhin habe wir noch einige Monate vor uns und wegen unserer vorher erwähnten Freiheit und so – aber manchmal überkommen mich solche Gedanken. Da wäre: Reisejournalistin! Dank eurer Rückmeldungen 😉 Administration in einer Hilfsorganisation oder gleich vor Ort! Oder Charity Events organisieren! Ein Hotel eröffnen für den guten Zweck in einem armen Land und somit die local community unterstützen! Eins der besten Hostels weltweit zu eröffnen – denn ich weiß mittlerweile was man braucht und wonach sich die Backpacker sehnen…. Viele Gedanken! Ihr könnt euch gerne mit einklinken!

Soviel zu meiner Arbeit! Carla hat noch immer keinen Job. Der Job, der ihr sicher war, hat sich als eine große Verarsche entpuppt. Der Typ von dem Restaurant wollte ihr immer schreiben, wann sie nun arbeiten muss, hat es aber nie getan und dann die dümmsten Ausreden gebracht. Anstatt einfach zu sagen, er hat derzeit keine Arbeit, weil zu wenig los ist, hat er Carla nun fast zwei Wochen hingehalten. Nun muss sie sich nur noch ihr Geld von dem einen Tag Arbeit besorgen und wird dem dann nicht mehr vertrauen und sich ernsthaft etwas anderes suchen.

Sydney! Ich habe endlich das Opernhaus gesehen. Bei Tageslicht. Konnte es aber nicht anfassen, aber ich fange von vorne an. Gestern hatte ich meinen Sydney-Discovery-Day. Carla und ich haben uns auf den Weg gemacht in die Stadt. Erst sind wir durch den Botanischen Garten Richtung Hafen gelaufen und Richtung Opernhaus. Ein toller Park, der unglaublich schön angelegt ist und gerne von den Australiern zum Picknicken genutzt wird. Und da kam sie – die Oper! Ein architektonisches Meisterwerk, wie ich finde. Leider kamen wir nicht ganz ran, da es völlig überfüllt war mit tausenden von Menschen, denn Jessica Watson ist heimgekehrt. Ein kleines, australisches Mädchen, das die Welt allein umsegelt hat und hier wie ein Volksheld gefeiert wird. Und gestern war der Tag ihrer Heimkehr und tausende Menschen wollten dabei sein. Fernsehteams, Promis und alle waren da, um sie zu feiern. Dennoch habe ich die Oper gesehen und fand das Drumherum auch sehr interessant – wir fahren noch einmal hin und dann möchte ich sie berühren und genauer betrachten können. Nach all dem Trubel sind wir zum Hafen gelaufen und haben uns in der Sonne ein Eis gegönnt und haben uns dann entschlossen eine Fähre nach Balmain, auf die andere Seite der Bucht zu nehmen. In Balmain habe ich am Freitag gearbeitet und ich fand es dort so schön und beschaulich, dass ich es Carla zeigen wollte. Außerdem wollten wir unbedingt Fähre fahren und die Aussicht bei diesem herrlichen Wetter genießen. Also ging es vorbei an der Oper, durch die Harbour Bridge nach Balmain. Und ich hatte recht, Carla hat es dort auch sehr gefallen. Es war wie ein Ort der Ruhe und Erholung mit vielen kleinen Cafés und Boutiquen. Danach haben wir einen Bus zurück in die Stadt genommen und sind noch ein bisschen durch Chinatown gelaufen und fühlten uns auf dem Markt wieder ein paar Wochen zurückversetzt. Wie in Asien und wir wurden ein bisschen wehmütig. Es war so schön in Asien, in allen Ländern, die wir besucht haben und ab und zu überlegen wir uns noch einmal einen Flug zu buchen, um dort noch einmal ein paar Wochen zu verbringen. Wir werden sehen…

Ansonsten erlebe ich derzeit außerhalb der Arbeit nicht sehr viel. Denn der Wecker klingelt um 05.45 Uhr und wenn ich nach Hause komme, ist es meist sieben Uhr abends und nicht mehr viel los mit mir. Dafür hat Carla dann meistens schon etwas leckeres gekocht und ich muss mich nur an den Tisch setzen. So nutze ich die Wochenenden voll aus und versuche so viel wie möglich zu erleben. Da mich allerdings seit über einer Woche eine blöde Bronchitis quält, gestaltet sich das auch etwas ruhiger. Dennoch: uns geht es gut! Wir verstehen uns weiterhin gut und sind jeden Tag froh, dass wir uns haben und diese tolle Reise gemeinsam machen können. Wahrscheinlich bleiben wir noch bis zu drei Wochen in Sydney und reisen dann weiter hoch in den Norden. Denn das Wetter wird langsam frisch und unsere Garderobe wird dem nicht mehr ganz so lange standhalten können.

Und dann denke ich immer: Freiheit!!! Was für ein Privileg….

Flughunde am Schlafen

Flughunde am Schlafen

Carla, Madeleine und Charlie...

Carla, Madeleine und Charlie...

Blick vom Botanischen Garten auf die Skyline

Blick vom Botanischen Garten auf die Skyline

Carla & Ich vor der Oper

Carla & Ich vor der Oper

Alle warten auf Jessica...

Alle warten auf Jessica...

Harbour Bridge

Harbour Bridge

Circular Quay... Faehrterminal

Circular Quay... Faehrterminal

Opera House

Opera House

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Sydney Skyline

Sydney Skyline

Darling Harbour zum Sonnenuntergang

Darling Harbour zum Sonnenuntergang

Unser Haus am Meer

Unser Haus am Meer