Zurück in der Zivilisation
4 09 2010Wir sind in Darwin! 2.800 km liegen zwischen Cairns und uns und wir sind einfach nur froh das öde Outback hinter uns gelassen zu haben und nun wieder etwas Zivilisation um uns zu haben.
Aber erst einmal zu unserer Fahrt. Nachdem wir also Mission Beach wegen dem Regen ausgelassen haben und Sonntagnacht auf einem Truckstop in Townsville verbracht haben, wurde dort am Morgen noch geduscht – die letzte Dusche für 3 Tage – und dann ging es los ins Outback. Montag haben wir gute 800 km geschafft!!! Eine stolze Strecke wenn man bedenkt, dass man nicht schneller als 110 km/h fahren darf, man nicht im Dunkeln fahren sollte wegen den Kängurus und die Straßen nicht unbedingt mit deutschen Autobahnen zu vergleichen sind. Aber davon könnt ihr euch auf den Fotos selber ein Bild von machen und auch wenn alles ziemlich ähnlich aussieht, es liegen wirklich tausende von Kilometern zwischen den Bildern. Bevor es dämmerte haben wir unsere auserwählte Rest Area erreicht. Hier in Australien gibt es Rest Areas, Rastplätze, auf denen man campen darf – manche mit Toilette und manche ohne, manchmal mit Barbecue Bereich und manchmal ohne und ansonsten nichts außer die Wildnis um einen herum – und diese kosten nichts. Man kriegt sogar noch einen atemberaubenden Sternenhimmel umsonst dazu. Montagnacht haben wir also auf einer besagten Rest Area, etwa 60 km östlich von Mt Isa, verbracht. Und waren mal wieder Glückspilze, denn wir haben direkt neben einem netten australischen Herren geparkt, mit dem wir ins Gespräch gekommen sind und der uns nach einem netten Plausch zu einem Abendessen in seinem Wohnwagen eingeladen hat. Wirklich unglaublich nett und viele nette Tipps gab es noch dazu. Zum Ende des Abends saßen wir dort mit unserem Atlas und haben uns angestrichen was wir uns auf jeden Fall angucken sollten und was wir ruhig auslassen können an der Westküste. Und wenn wir in Melbourne sind, wo er ursprünglich herkommt, haben wir eine weitere Einladung zum Essen von ihm. Und dann verbrachten wir unsere erste Nacht in der Wildnis unter einem wunderschönen Sternenhimmel in unserer Luzie. Am nächsten Morgen gab es dann noch einen schnellen Café und dann ging es wieder auf die Straße.
Nach einem kurzen Halt in Mt Isa, der größten Stadt mitten im Outback, um ein paar Lebensmittel einzukaufen und viel, viel Wasser, ging es weiter Richtung Westen. Und auch am Dienstag sollten wir wieder um die 750 km schaffen. Die Strecke ist unheimlich langweilig. Es gibt den Highway und drum herum nichts außer toten Kängurus oder Schlangen am Straßenrand und etwa alle 120-160km mal einen kleinen Ort oder wenigstens eine Tankstelle. Es kommen einem ein paar Autos entgegen, meistens Campervans, oder man wird auch mal überholt oder kann selber mal eine Road Train überholen. Road Trains sind teilweise 53,5m lange LKWs, die ganze Häuser transportieren, oder 4 Anhänger mit Autos oder Viehtransporten oder, oder, oder. Eben fast wie Züge nur auf der Straße. Und diese Road Trains haben uns nun bereits 3 Steinschläge in der Frontscheibe verursacht. Teilweise liegt sehr viel Split auf der Straße und wenn die LKWs an einem vorbeirauschen, landen da schon mal ein paar Steinchen in den Scheiben. Nun haben wir insgesamt schon 5 Steinschläge und werden es hoffentlich dabei belassen. Auf jeden Fall werden wir nichts dagegen tun, denn diese reparieren zu lassen, wäre teurer als eine neue Frontscheibe. Und die Wahrscheinlichkeit, dass noch einige dazu kommen, ist ebenfalls sehr hoch. Und solange die Scheibe keine Risse hat, sehen wir keine Notwendigkeit etwas zu unternehmen. Der zweite Reisetag wurde ebenfalls auf einer Rest Area beendet mit ebenfalls netten, australischen Nachbarn mit denen man ins Plaudern kam.
Der dritte Reisetag sollte für uns nicht so erholsam werden. Es waren nun noch etwa 900km nach Darwin und eigentlich war unser Plan etwa 600 km zu fahren und an einem Wasserfall zu übernachten und dann noch in den Kakadu Nationalpark zu fahren für etwa 2 Tage, so dass wir am Wochenende in Darwin wären. Aber man sollte einfach keine Pläne machen. Am Mittwochmorgen, der eigentlich gut für uns angefangen hat, denn wir haben per Zufall auf einer Raststättentoilette Ory getroffen, eines unserer Mädels von der Farm, mitten im Outback. Die Welt ist ein Dorf. Doch dann blinkte die ganze Zeit ein rotes Lämpchen, was wir nicht einfach ignorieren konnten. „A/T Temp“!!!! In Rot. Wir kannten das Zeichen schon aus den bergigen Straßen um Cairns herum, aber es blinkte dann nur immer kurz. Da Luzie ja ein Automatik ist, kann man schlecht die Gänge regulieren und so wird an Bergen die Schaltbox etwas heiß, was wohl sonst nicht weiter schlimm ist, wenn man es nicht übertreibt. Aber nun waren wir auf einer geraden Strecke und das Licht wollte einfach nicht erlöschen. Also haben wir uns entschieden in einer kleinen „Stadt“ namens Elliott in the middle of nowhere zum einzigen Mechaniker weit und breit zu gehen, um uns seinen Rat einzuholen. Nach einer kurzen Begutachtung kam er zu dem Entschluss, dass wir jetzt sofort eine neue Schaltbox brauchen, denn diese wäre überfällig und es wäre auch kaum noch Öl drin. Sein Problem wäre nur, dass er diese erst bis Dienstag (Montag ist unser Flug nach Singapur) besorgen könnte, da er ja im Nirgendwo ist und er würde uns für eine gebrauchte Schaltbox plus Arbeitsstunden etwa 3000 AUS$ berechnen!!!! Er könnte auch jemanden über Nacht in die nächste Stadt schicken, um das Teil abzuholen, aber das würde dann natürlich extra kosten. Ansonsten könnten wir ja mit dem Bus nach Darwin fahren und das Auto abholen, wenn wir aus Asien zurückkommen. Der Bus nach Darwin hätte uns allerdings 700 AUS$ gekostet!!!! Und das nur für einen Weg und außerdem wollten wir Luzie nicht an diesem Ort lassen. Elliott ist wie eine Geisterstadt. 750km von Darwin entfernt. Es gibt einen Campingplatz, zwei Tankstellen, viele alte liegengebliebene Autos, die eine Werkstatt, wohl sogar eine Schule und viele, besoffene Aborigines. Unheimlich und unvorstellbar für uns dort auch nur eine Nacht zu verbringen. Zudem konnten wir uns nicht vorstellen, dass es so schlecht um Luzie stand, denn wir waren ja erst vorher beim Service, um sie checken zu lassen. Nun fuhr sie ja noch, aber falls wir irgendwo liegen bleiben sollten, weil uns die Kupplung oder die Schaltbox um die Ohren fliegt, was kein Problem wäre an sich, da wir so etwas wie den australischen ADAC haben, die uns überall abholen würden, aber wir hatten nirgendwo im Outback Empfang mit dem Handy. Und auch wenn es genug Autos gab, die eventuell anhalten würden, wollten wir das Risiko nicht eingehen. Doch dann schickte uns der Himmel zwei Engel. Ein deutsches Pärchen hatte ebenfalls an der Werkstatt angehalten, um sich einen neuen Reifen zu besorgen und hatten wohl mitbekommen, dass wir mit uns hadern dort zu bleiben. So kamen wir ins Gespräch und sie erzählten uns, dass sie ebenfalls vor kurzem die Schaltbox austauschen mussten, allerdings für die Hälfte des Preises, die uns dieser Mechaniker nannte. Und sie hatten ein Satellitentelefon. So haben sie uns angeboten hinter uns herzufahren und falls etwas passieren würde, wären sie da und könnten zumindest den ADAC für uns anrufen – abschleppen hätten sie uns nicht können, da sie einen Wohnwagen dabei hatten. Nach kurzer Überlegung und Abwägung der Pro und Contras entschieden wir uns diesen Ort zu verlassen. Wir sagten dem Mechaniker, dass wir es nicht hier reparieren lassen möchten und er bitte einfach nur neues Öl in die Box füllen soll. Er war nicht sehr erfreut darüber, denn er hatte schon die Dollarzeichen in den Augen. Aber wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen und können auch noch eins und eins zusammen zählen und dachten uns, dass es mit neuem Öl sicherlich nicht so schnell überhitzt. Er berechnete uns 130 $, verabschiedete sich bei uns mit dem Satz „Wir sehen uns eh gleich wieder und wir kommen sowieso nicht weiter als 15 km“. Und….. wir schafften es an diesem Tag noch weitere 300km bis nach Mataranka. Ohne rotes Licht! Und mit unseren Engeln, Sarah und Gil, hinter uns.
Matranka – heiße Thermalquellen. Wir verbrachten einen richtig schönen Abend auf dem Campingplatz mit einem guten Essen nach diesem anstrengenden, emotionalen Tag. Mataranka ist eine kleine Oase im Outback. Am nächsten Morgen haben wir es uns nicht nehmen lassen in die heißen Quellen zu steigen und bisschen durch den Wald zu stapfen. Eine schöne Unterbrechung zum ständigen Fahren und sitzen und da wir uns nun entschieden hatten, direkt nach Darwin zu fahren (ohne Nationalpark), wenn wir es schaffen mit dem Auto, so wollten wir doch vorher noch ein bisschen abschalten und genießen. So ging es gegen Mittag weiter Richtung Darwin, allerdings ohne unsere Engel – aber hier noch einmal ein großes „DANKE“ an euch. Aber es waren nun nur noch 100 km bis nach Katherine, eine etwas größere Stadt und dann nur noch 350 km bis nach Darwin. Wenn wir dort liegen bleiben sollten, wären wir schon näher dran und es wären auch mehr Autos unterwegs. Aber… wir haben es geschafft!!! Unglaublich glücklich sind wir am Donnerstagnachmittag in Darwin angekommen und Luzie fährt immer noch. Am liebsten würden wir den Mechaniker anrufen und ihm mitteilen wo wir sind. Wir haben auf einem Campingplatz eingecheckt und mussten uns erst einmal wieder an all die Menschen gewöhnen. So viele Backpacker – das ist schon gewöhnungsbedürftig nach 10 Wochen Basilikum pflücken in der Pampa. Aber gleich am ersten Abend haben wir nette Leute getroffen, mit denen wir uns jetzt ein paar schöne Tage in Darwin machen.
Allerdings mussten wir uns ja auch noch um Luzie kümmern. Natürlich kümmern wir uns immer um sie. Ich checke das Öl und Kühlwasser und natürlich die Luft der Reifen – die Leute starren mich immer ganz verblüfft an, wenn ich an der Tankstelle stehe und mich um unser Baby kümmer, aber das gehört ja auch dazu. Aber nun wollten wir natürlich wissen, was mit Luzie los ist und ob nun wirklich eine neue Schaltbox brauchen oder uns der gute Outback-Mechaniker vollends über den Tisch ziehen wollte. Also ging es in die Werkstatt und dort wurde unser Problem geschildert. Nach kurzer Konsultierung kam man zu dem Entschluss, dass wohl ein Ölwechsel und ein neuer Ölfilter die Lösung unseres Problems wäre. Denn das wurde bei dem Service zwar für den Motor gemacht, aber nicht für die Schaltung. Also werden wir es damit versuchen und hoffen, dass das rote Licht nie wieder blinken wird. Falls doch, ist es ja noch immer nicht zu spät alles auszutauschen. Aber nun denken wir umso mehr, dass es die absolut richtige Entscheidung war, Elliott zu verlassen, mit Luzie und dass der Mechaniker einfach nur ein absolutes Arschloch war.
Nun können wir also einfach nur relaxen und versuchen abzuschalten. Luzie kommt in die Werkstatt, wenn wir aus Asien wiederkommen, da sie vorher nichts frei hatten und dann können wir weiterfahren. Zudem ist Luzie den Monat über gut untergebracht bei unserem Couchsurfer und alles ist mal wieder gut für uns und das Glück ist weiterhin mit den Doofen.
Darwin. Heiß. Feucht. Eine Stadt, deren Existenz nur durch die Existenz der Backpacker gerechtfertigt ist – so scheint es zumindest. Denn hier gibt es nicht viel. Im Meer kann man nicht wirklich schwimmen, da es hier tödliche Quallen gibt, Haie und Krokodile. Doch nebenan ist gleich der größte Nationalparks Australiens, Kakadu, und das Top End Australiens ist das Tor nach Asien. Heute waren wir bei strömendem Regen in der Bucht in einem künstlichen Schwimmbad, sogar mit Wellen. So manch ein Surfer verirrt sich dorthin und demonstriert seine Kunst. Etwas lächerlich, aber dennoch schön anzugucken. Nun genießen wir also noch ein paar Tage Darwin und dann geht es nach Singapur.
Doch auch unsere Pläne für Asien wurden leider durchkreuzt und werden somit wohl leider geändert werden müssen. Wir wollten ja eigentlich von Singapur nach Sumatra reisen, um dort in den Dschungel zu gehen und Orang Utans anzugucken und dann nach Bali. Nun gab es leider einen Vulkanausbruch auf Sumatra – genau dort wo wir hin wollten im Norden der Insel. Von daher werden wir diesen Teil wohl leider auslassen. Es ist noch nichts entschieden, aber wir denken bereits über Alternativen nach. Wahrscheinlich gehen wir dann noch nach Malaysia und dann weiter nach Bali. Aber das wird alles in Singapur entschieden. Wir freuen uns nach wie vor unglaublich auf Asien und da wir das alles noch nicht gesehen haben und alles schön sein soll, wird es uns so oder so gefallen. Man sollte halt einfach keine Pläne machen, denn sie werden einfach immer durch äußere Einflüsse oder persönliche Entscheidungen umgeworfen.
Also, am Montag den 06. September 2010, zu unserem halbjährigen Reisejubiläum geht es zurück nach Asien. Und dann gibt es wieder viele tolle Geschichten für euch.
Liebe Grüße aus der Hitze
- Partycrew in Cairns – last nite out
- Chelsea – unsere Bekanntschaft aus Kambodscha, die in Cairns lebt
- Mission Beach im Regen
- Mission Beach – bestimmt schön bei Sonnenschein
- On the road…. vom Winde verweht
- Outback – ja, dies ist ein Highway!!!!
- Es gibt auch Regen im Outback
- Mataranka
- Thermalbad
- Unsere Luzie auf dem verlassenen Campingplatz


































Bruno, das ist aber lieb von dir!!! Ja, wir genießen unseren Trip sehr sehr sehr… und jetzt grad wieder Asien! Herrlich… bist jederzeit herzlich willkommen.
Tschööööö
So ihr beiden, ist jetzt quasi Halbzeit.
Wirklich schöne Bilder habt ihr da hochgeladen. Da lässt’s sich herumstreunen.
Und wenn ich schonmal dabei bin mich hier zu verewigen, wünsche ich euch natürlich noch eine gute und auch weiterhin sichere Welttournee.
Piez.
Euer Knöterschwein.