… oder im Kaufrausch!
… oder „you are so beautiful!“
Aber fangen wir von vorne an. Wir sind also am Mittwochmittag in Hoi An angekommen, die Fahrt dahin hat nur knappe vier Stunden gedauert und wir waren richtig schön früh da. Wir konnten trotz früher Ankunft auch schon ins Zimmer in unserem Hotel – Phuoc An. Wirklich ein ganz süßes Hotel, wie bereits gesagt mit einem kleinen Pool und einem recht großen Zimmer und es lag in einer süßen, kleinen Straße nicht weit vom Stadtzentrum. Gleich nebenan unser, wie sich schnell herausstellte, Lieblingsrestaurant. Wir sind gleich nach der Ankunft losgezogen, um die Stadt zu erkunden – und dafür brauch man in Hoi An nicht lange. Es ist eine kleine, schöne Stadt, von der die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und dies zu recht. Kein Haus ist höher als 1-2 Stockwerke, die Straßen sind klein, nicht zu doll befahren und alles, Bäume und Läden und Brücken, sind mit Lampions geschmückt.
Wer in dieser Stadt lebt, sollte entweder Schneider oder Schuhmacher sein. Denn in fast jedem Geschäft, außer die Souvenir- und Schmuckläden, sitzt eine Schneiderei oder ein Schuhmacher. So wollen dich alle in ihren Laden locken und dir wirklich schöne Kleider, Röcke, Jacken und dergleichen anfertigen. Als Mann hätte ich mir da sofort „für‘n Appel und’n Ei“ einen Anzug maß anfertigen lassen. Und wenn ich mehr Platz im Gepäck hätte, wahrscheinlich auch ein tolles Kleid – extra für mich maßgeschneidert. Carla dachte an ein Hochzeitskleid!!!!!!!!!!!! Für sich natürlich, aber wir haben beschlossen, wenn wir jemals heiraten sollten, kommen wir hierher, um uns ein Kleid aus bester vietnamesischer Seide anfertigen zu lassen. Schneiderei und Schuhladen wechseln sich quasi ab – also wollten sie uns natürlich auch Schuhe anfertigen. Und da haben wir uns breitschlagen lassen! Wer hat sich denn jemals in Deutschland Schuhe anfertigen lassen? Also mir fällt so schnell niemand ein, außer natürlich einer mit Schuhgröße 55 oder orthopädischen Problemen. Man sucht also ein Modell aus, entweder eins, dass bereits als Vorführmodell im Laden steht oder aus einem Katalog. Wir wählten zwei Vorführmodelle. Dann kann man sich das Leder und die Farben aussuchen und anschließend wird also Maß genommen. Erst wird der Fuß haargenau abgemalt und dann werden alle Masse genommen – Länge, Breite – an verschiedenen Punkten. Und dann muss man nur noch einen Tag warten und kann seinen Wunschschuh abholen. Es gab auch ganz tolle Stiefel und nachgemachte Turnschuhe – eine Riesenauswahl. Wir hätten uns dumm und dämlich kaufen können, aber ich habe mich auf ein Paar Sandalen beschränkt und Carla hat ein paar flache Pumps in regenbogenfarben bekommen. Am Donnerstagmittag konnten wir dann also unsere Schuhe abholen. Carlas haben sofort gepasst. Meine waren an der Fessel noch etwas zu eng, also wurden sie noch einmal nachkorrigiert und etwa 1,5 Stunden später, passten auch diese.
So fing also unser Kaufrausch an – mit den Schuhen. Am Donnerstag folgten dann noch Lampions in allen möglichen Größen und Farben und Formen, für die man in Deutschland sonst teuer bezahlen würde. Dazu noch ein paar Täschchen und etwas Schmuck. Eigentlich hätten wir uns noch viel mehr kaufen können, aber irgendwann ist das ja alles garnicht mehr zu bewältigen. Aber auch so müssen wir wohl aus Saigon ein Päckchen gen Heimat schicken. Es gibt hier wirklich viele schöne Dinge zu kaufen, schöner noch als zuvor in Thailand oder Kambodscha. Wir müssen also irgendwann in ein paar Jahren noch einmal wiederkommen – dann mit leeren Rucksäcken und voller Geldbörse. Darauf freu ich mich schon jetzt!
„You are so beautiful. I like your skin, your hair and your eyes“- „Oh thank you, but you are also beautiful!“ So eine Konversation betreiben wir hier ungefähr fünf – zehnmal täglich. Die Asiaten vermummen sich mit Mundschutz, Handschuhen und Socken, um nicht braun zu werden und lieben deswegen unsere weiße Haut. Carla und ich sind natürlich zwei extreme Fälle und fallen wahrscheinlich schon sehr auf, dadurch dass wir auch noch so groß sind und eben genau deren Traumbild entsprechen. In Hoi An kamen dann noch die Schneider dazu, denen unsere Figur so gut gefiel. Das Selbstbewusstsein wird hier sehr aufpoliert – auch mal sehr schön etwas exotisches zu sein. Wir versuchen es zu genießen und nehmen es als Kompliment – allerdings geben wir immer Komplimente zurück. Denn es ist schon sehr traurig. Hier laufen so viele schöne Menschen rum ,die von den westlichen Schönheitsidealen so geprägt werden. So Schade! Wir einigen uns dann immer darauf, dass man immer das haben will, was man nicht hat. Das passt doch eigentlich in vielen Lebenslagen, nicht nur die Schönheit betreffend.
Zu unserem neuen Lieblingsrestaurant: Café 43. Ein kleines vietnamesisches Restaurant, in dem wir in unseren zwei Tagen viermal waren – davon zweimal zum Essen. Das Essen war unglaublich gut und der Besitzer mit seinen Töchtern und seiner Frau ein Schatz. Außerdem gab es dort sehr leckeres, selbstgebrautes Bier für nicht mal 30 Cent umgerechnet. Bei unserem dritten Besuch am Mittwochabend nur für ein Bier, haben wir einen Deutschen getroffen, der bereits seit 13 Jahren in Saigon lebt und wegen der Arbeit nun in Hoi An war. Er baut Swimming Pools. Ein sehr lukratives Geschäft, wenn man bedenkt, dass ein Hotel neben dem anderen gerade an der Küste entsteht. Für ihn lohnenswert und für die Landschaft sehr schade. Wir befürchten, dass es in ein paar Jahren dort ähnlich wie in Thailand aussehen wird. Wenn es dann wenigstens kleine Hotels wären, die von Einheimischen betrieben werden können, aber meist sind es große Ketten und Konzerne, die da hinter stehen und das meiste Geld wandert wieder aus dem Land raus. Trotzdem hatten wir einen sehr angenehmen Abend und haben gespannt seinen Geschichten und Erfahrungen in Vietnam gelauscht und wie er sich fühlt, wenn er zum Urlaub nach Deutschland fährt. Das war ein interessanter Einblick in das Leben eines Zugezogenen.
Zusammenfassend hat uns Hoi An wirklich sehr gut gefallen. Eine traumhaft schöne Stadt, die so ganz anders war als die bisherigen. Wesentlich ruhiger und besinnlicher. So haben wir uns hier auch getraut mit dem Fahrrad zu fahren – und zwar ohne Fahrer, denn man konnte sich Fahrräder umsonst im Hotel leihen. Und wir haben uns perfekt in den Straßenverkehr eingefügt. Fahrrad fahren und Vietnam gehören einfach zusammen! Dennoch haben wir unseren Aufenthalt hier verkürzt. Eigentlich wollten wir zwei Nächte bleiben, sind dann aber doch nur eine geblieben – denn dadurch dass wir am Mittwoch so früh angekommen sind, hatten wir ja zwei volle Tage. Denn unsere Weiterreise führt uns mit dem Nachtbus nach Nha Trang. In diesem sitze ich auch gerade und schunkel so vor mich hin! Der Bus fuhr um 17.30 Uhr los und sieht nicht etwa aus wie ein normaler Reisebus. Nein! Hier drin gibt es Betten – zumindest für kleine Asiaten, aber auch für uns ist es in Ordnung. Es sind quasi Liegesitze, vielleicht zu vergleichen mit der Businessclass im Flugzeug, nur nicht ganz so breit und komfortabel. Die Füße liegen dann quasi unter dem Kopf, in einer Kiste, desjenigen, der vor dir liegt. Am besten schaut ihr euch das Bild unten einmal an, denn es ist wirklich schwer zu umschreiben. Unsere Fahrt soll etwa 12 Stunden dauern – 12 Stunden für 550 km. Das sind eben andere Verhältnisse, deswegen ruckelt der Bus auch so sehr und ich muss Angst haben, dass ich aus der Liege falle oder mein Netbook quer durch den Bus fliegt. Nun haben wir also wirklich so ziemlich jedes Verkehrsmittel genutzt.
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